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Gibt es bald keine Schuhmacher mehr?

Finden Sie auch, dass Scbhuhmacher langsam zu einer Mangelware werden?

Den Beruf des Schuhmachers – ich habe es überprüft – kann man nach wie vor erlernen. Für diese dreijährige Berufslehre sollte man mitbringen: Handwerkliches Geschick, gutes Materialgefühl, Sinn für Formen und Farben, sorgfältiges arbeiten und gute Umgangsformen (aber die machen sich überall gut). Die Lehre zum orthopädischen Schuhmacher dauert vier Jahre und beide Berufe haben das Potential zur Weiterentwicklung.

Aber kennen Sie jemand, der den Beruf des Schuhmachers erlernte und jünger ist als sechzig Jahre?

Ich träume seit vielen Jahren von einem Paar massgefertigten roten Lederschuhen, die mich dann für den Rest meines Lebens begleiten dürfen. Ein Schuh, der exakt auf meinen Fuss zugeschnitten ist, der sich an meinen Fuss schmiegt, wie eine zweite Haut. Irgendeinmal werde ich mir diesen Traum erfüllen, denn ich bin der Meinung, dass man sein Geld wesentlich dümmer ausgeben kann. Massgefertigte Schuhe schustern ist wahrscheinlich eine der schönsten und exklusivsten Seiten dieses Handwerks.

Im Moment aber brauche ich nicht den Massschuh (ich hätte ihn bloss gerne), sondern schlicht einen Schuhmacher, der Absätze flickt und eine neue Sohle montiert.

Kennen Sie dieses Problem auch?
Muss ich wirklich zwanzig Kilometer weit fahren, um ein paar Schuhe neu besohlen zu lassen? Und sollte ich diese vierzig Kilometer (hin und zurück) ausschliesslich der Schuhe wegen fahren, gäbe es a) eine sehr teure Reparatur, b) wäre es ein grosser Zeitaufwand und c) eine zusätzliche Belastung des Klimas (wenn ich den Weg mit dem Auto zurücklegte).

Die Versuchung ist daher gross, die Schuhe fortzuwerfen und neue zu kaufen. Denn es ist nicht so, dass die Reparaturbedürftigen sehr viel gekostet hätten; gut möglich, dass die neue Besohlung ebenso viel (oder nicht viel weniger) kostet, als ein paar neue Treter vom Billigladen oder im Ausverkauf. Aber der Punkt ist, dass ich mich im alten Schuhwerk wohl fühle, sie sind eingetragen, haben sich meinem Fuss angepasst, gefallen mir nach wie vor und meine Füsse mögen sie.

Ich habe zum Thema Schuhe flicken eine kleine private Umfrage gestartet (ohne den Anspruch auf repräsentative Resultate zu erheben). Viele der Befragten schmeissen die Schuhe weg, wenn sie a) ausgetreten, b) beschädigt oder c) nicht mehr dem gängigen Modetrend entsprechen.

Schade. Vielleicht müssen Schuhe teurer werden, um dieser Haltung entgegenzuwirken, oder stellt sich ein Umdenken eh bereits ein? Die Klimajugend (Wort des Jahres 2019) legt Wert auf Nachhaltigkeit, das heisst, sie wird gute, solide Produkte erwerben, die lange halten. Die Zeiten, wo nichts billig genug sein konnte, gehen demnach ihrem Ende entgegen. Und so werden bald in jedem Dorf und in jeder Stadt nebst Bio-Läden cordonniers wie Pilze aus dem Boden schiessen.

Dann werde ich gemächlich von Schuhmacher zu Schuhmacher schlendern, meine Schuhe zum Flicken bringen und mir die Glatt-, Rau-, Antik- und Wildleder anschauen und mir aus einer enormen Vielfalt von Farben und Schnitten meine Schuhe schustern lassen.

www.ich-schreibe-fuer-dich.com

 

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