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Internationaler Tag der/des ...

Am 8. März wird zum 107-ten Mal der internationale Tag der Frau gefeiert. Hauptthema in den ersten Jahren war die Forderung nach dem Frauenwahlrecht. In den folgenden 100 Jahren ging es um Bildungsgleichheit, das Recht auf Schwangerschaftsabbruch, Tagesschulen und vieles mehr.

Es gibt unzählige internationale Tage im Jahr. Zum Beispiel den Welttag des Radios, des Buchs oder der Poesie, den Welttoiletten- oder den Welt-Hepatits-Tag.

Natürlich fehlen weder der Weltmännertag, der das Gesundheitsbewusstsein des Mannes fördern soll, noch Tage, die das Kind in den Mittelpunkt stellen. So gibt es die Mahntage gegen Gewalt an Kindern, gegen Missbrauch, in welcher Form auch immer, gegen den Einsatz von Kindersoldaten, Kinderarbeit und -prostitution.

Wenn ich mir die Fülle all dieser Aktions-, Jahres- Mahn- und Gedenktage anschaue, komme ich nicht umhin, mir über deren Sinn – oder Unsinn – Gedanken zu machen.
Sicher hat es seine Berechtigung, wenn wir durch gezielte Aktionen für Ereignisse oder Themen sensibilisiert, zum Nachdenken oder Umdenken angeregt werden.
Gleichwohl bezweifle ich, dass es einem Bedürfnis der Menschheit entspricht, den internationalen Tag des Biers, des Kaffees oder der Zungenbrecher zu zelebrieren und ich sehe keine Notwendigkeit, den Welt-Passwort-Tag oder den Tag des Cocktails zu kennen und zu feiern.

Was mich allerdings wirklich erstaunt – und erschreckt – ist die Tatsache, dass wir – mittlerweile im einundzwanzigsten Jahrhundert angekommen - noch dieselben gesellschaftlichen und zwischenmenschlichen ‚Baustellen‘ beackern wie vor 100 Jahren. Der Gerechtigkeit wird nur insofern Genüge getan, als dass wir einen Tag für die Frau, den Mann, das Kind und die Familie haben. Nach wie vor aber wird um die Gleichstellung von Frau und Mann gerungen.

Vielleicht ist dies die Erklärung dafür, dass es keinen ‚Ehrentag‘ für den Mensch, unabhängig von Alter und Geschlecht, gibt. Oder hatte ich ihn ob der Fülle der Angebote gar übersehen? Nein, alles Suchen und Surfen fruchtete nichts: es gibt den Tag des Menschen nicht.

Daraus schliesse ich, dass sich der Mensch noch immer primär als Männchen und Weibchen, Kind oder Erwachsener sieht und in diesen Rollen die geschlechts- und altersspezifischen Ansprüche, Rechte, Wünsche und Bedürfnisse reklamiert. Und es ist unbestritten, dass auch heute - leider - vieles vom Geschlecht abhängig ist. Es gibt noch viel zu tun!

Gleichwohl...in erster Linie sind wir Mensch. Wir werden geprägt durch den kulturellen und sozialen Hintergrund, durch Religion und Bildung, durch eine rurale oder urbane Umgebung.

Wir sind Mensch! Ich wünschte mir, dass es irgendeinmal den Welttag des Menschen geben wird. Ohne Einschränkungen. Weder Alter noch Abstammung, weder Religionszugehörigkeit, Bildung, Hautfarbe oder Sprache spielten eine Rolle.
Ich wünsche es mir. Nicht für mich, aber für die, die nach mir kommen. Für meinen Enkel, der noch kein Jahr alt ist. Ich hoffe, dass er sich als Erwachsener wundern wird, warum zum Teufel früher ein Unterschied zwischen Mann und Frau gemacht worden ist.
Und so schliesse ich mich Alice Schwarzer an, die 2010 dafür plädierte, den Frauentag durch ‚365 Tage für Menschen, Frauen wie Männer‘ zu ersetzen.

www.ich-schreibe-fuer-dich.com

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