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Männergrippe

Jahr für Jahr gehen Filmchen von Männern, die an Grippe leiden bakteriell – oh, pardon, ich wollte sagen viral

Seien wir ehrlich, auch wenn es nicht sehr nett ist, entlockt es uns gleichwohl ein Schmunzeln, wenn ein gestandenes Mannsbild wegen eines Schnupfens nach Krankenwagen und Arzt verlangt und sich benimmt, als hätte sein letztes Stündchen geschlagen.
Ich habe auch nach der Frauengrippe gesucht, die aber, zumindest nicht mit drei, vier Klicks, zu finden ist. Entdeckt habe ich 'Männergrippe versus Frauengrippe', da sehen wir die taffe Frau, die den Haushalt schmeisst, zur Arbeit geht, Harassen schleppt und durchs Fernsehprogramm zappt, als wären Hals-, Kopf-, Gliederschmerzen und Fieber nichts, was sie von ihren täglichen Pflichten abhalten könnte.

Die Suche nach der Frauengrippe gab ich auf, denn ich fühlte mich zu krank. Zum ersten Mal seit Jahren lag ich mit Husten, Fieber, Glieder-, Kopfschmerzen und all den übrigen Symptomen einer ausgewachsenen Erkältung im Bett. Denn die sogenannte 'Grippe' ist ja oftmals nichts weiter als ein Pips.

Nichtsdestotrotz brachte mich die Erkältung an meine Grenzen, denn normalerweise bin ich gesund wie ein Pferd.
Und dann machte ich den schlimmsten Fehler, der einem in dieser Situation unterlaufen kann: ich googelte nach Symptomen wie Schüttelfrost und starke Kopfschmerzen, was ja, wie Google mir eröffnete, ebenfalls ein Indiz für eine bakterielle Meningitis sein könnte. Meine Brustschmerzen rechts könnten auf einen übersäuerten Magen hinweisen, aber der war seit zwei Tagen leer. War etwa meine Bauchspeicheldrüse entzündet oder bahnte sich gar eine Lungenentzündung an?

Am liebsten hätte ich den Arzt aufgesucht oder nach einem Krankenwagen telefoniert. Was, wenn es sich nicht um eine banale Erkältung, sondern um eine lebensbedrohende Erkrankung handelte?

Es stellte sich zum Glück – und eigentlich erwartungsgemäss - als simple Erkältung heraus und ein paar Tage später war ich wiederhergestellt, wie neu sozusagen.

Aber ich muss zugstehen, dass meine Grippe wohl auch eine Männergrippe war und ich frage mich, warum.
Vielleicht ist die Erklärung simpel: da Männer weniger kränkeln als Frauen, sind sie, was das Kranksein anbelangt, etwas schmerzempfindlicher und ängstlicher. Zudem sind es die Frauen, die Kinder zur Welt bringen, die während Jahren Monat für Monat Bauchkrämpfe oder schmerzende Brüste aushalten müssen und somit grundsätzlich schmerzerprobter sind und deshalb gelassener reagieren, wenn sie eine Erkältung (oder sogar die Grippe) einfangen.
Was also liegt näher, dass Männer (und Frauen, die diese Frauenleiden bereits einige Zeit hinter sich haben) empfindlicher (man beachte die Wortwahl: empfindlicher und nicht wehleidig!) auf Unwohlsein und Erkrankungen reagieren?
So fasse ich den guten Vorsatz, mich in Geduld und Gelassenheit zu üben, wenn mein Mann seine nächste Männergrippe hat – oder ich.

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