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Von Murten in die Wüste und zurück

Zuweilen muss man nicht weit reisen, um sich in eine andere Welt zu begeben.

Am letzten Samstag entführten Andreas Sommer, der Sagenwanderer, und Kassoun Mellakh, Tuareg aus Südalgerien, in einer Jurte nahe Murten eine Gruppe neugieriger – und sicher an Wunder glaubende - Besucher in die Wüste Saharas.
An die dreissig grosse und kleinere Zuhörer lauschten den Geschichten der Plejaden, der Entstehung der Milchstrasse. Nahmen gebannt teil an den Abenteuern von Nomaden, Kamelen und Mäusen; tauchten ein in das geschäftige Treiben auf dem Basar, traten in den Palast des Sultans und erfuhren, wie ein weiser Mann, der aus Not zum Dieb wurde, sein Leben rettete.
Wir hörten, dass die Macht in den Palästen zuhause ist, der Reichtum im Basar und die Weisheit in der Wüste.

Während Andreas uns das Tor zu den Wüstensagen öffnete, bereitete Kassoun die traditionelle Teezermonie der drei Aufgüsse. Der erste Tee, lernten wir, ist bitter wie das Leben, der zweite stark wie die Liebe zwischen Mann und Frau, der dritte Tee aber ist süss wie der Tod, wie das Ende von allem.

Es ist einerlei, ob die Sagen vor langer Zeit von der Grossmutter in einer Hütte im Gantrisch von Mund zu Mund und Generation zu Generation weitererzählt wurden oder in einem Wüstenzelt der Nomaden, in einem Tipi der Lakotas, in einem Iglu der Inuits oder in einem Wohnwagen der Romas. Die Mythen und Sagen berichten alle von Freundschaft, Integrität, Grossmut, von Liebe, Ehre, Wahrhaftigkeit und Heimat. Von Erkenntnis und Wandel und dem Wunder Leben.

Nachdem der letzte Tee getrunken war, sich der Kreis der Erzählung schloss, sassen Gross und Klein in der Jurte und lauschten dem abziehenden Wüstenwind nach, fanden zögerlich zurück in die Gegenwart. Die Nacht war mild, der Himmel klar und voller Sterne.

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