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Whisky und Lippenstift

Sie fragen sich, was die beiden miteinander gemein haben?

Seit ein paar Wochen steht unsere (Schweizer-)Welt Kopf, und was anfangs Jahr noch 'das andere Ende der Welt' betraf, ist auch bei uns angekommen. Egal, zu welcher Tages- oder Nachtzeit man Radio, Fernseher oder Online-Nachrichten einschaltet, man hört nichts anderes als: Coronavirus.

Es überrascht nicht, dass jeder eine Meinung zum Thema hat und Heerscharen scheinen zu wissen, was nun zu tun und zu lassen ist. Aber natürlich sind sich auch hier die Fachleute nicht einig. Wem soll man glauben und wie werden Entscheide gefällt und ist (mit)denken überhaupt erlaubt?

Wir akzeptieren, dass wir zurzeit keine Socken, keinen BH, kein ferngesteuertes Auto, keinen Badeanzug und keine Luftmatratze kaufen können. Ausser wir tätigen diese Einkäufe im Online-Handel – was jedoch unseren Fachgeschäften schadet. Natürlich kommen die meisten von uns auch eine Weile ohne neue Socken, BH etc. aus, aber gleichwohl stellt sich die Frage, weshalb einige Geschäfte geöffnet haben, andere hingegen nicht.

Denn neulich, als ich durch Murten fuhr, erstaunte es mich zu sehen, dass man durchaus Whisky, Bier oder Eierlikör einkaufen darf. Ich kann auch Zigaretten – und im selben Geschäft - einen Lottoschein und eine Ansichtskarte kaufen. Wohingegen das Geschäft ein paar Meter weiter die Gasse hoch sein riesiges Kartensortiment nicht feilbieten darf und auch auf der Post sind sämtliche Karten weggeräumt. Aber auf der Post kann man sich - im Gegensatz zu den vorerwähnten Geschäften – die Hände desinfizieren.

Weshalb darf man (oder frau) seine Lust oder Sucht nach Alkohol oder Tabak weiterpflegen, wo hingegen eine andere Frau ihre Lust auf einen neuen Lippenstift nicht stillen und ein anderer Mann sich kein neues Frühlingshemd kaufen darf?

Ich komme nicht umhin mich zu fragen, mit welchen Ellen gemessen wird und aufgrund welcher Überlegungen bestimmt wird, was zu den lebensnotwenigen Gütern zählt. Gibt es gar Güter, die lediglich aufgrund der hohen Steuern, die für den Staat abfallen, dazugehören?

Wiederholt wurde mir gesagt, dass den Leuten in dieser Ausnahmesituation nicht noch die 'kleinen Freuden' oder 'Süchte' genommen werden dürfen. Aber 'kleine Freuden' oder 'Gelüste' sind so mannigfalt wie die Menschen selbst. Den einen gelüstet es nach Wein, den anderen nach einem neuen Sackmesser und den Dritten nach einer neuen Brille.

Whisky oder Lippenstift – beides ist meiner Meinung nach nicht lebensnotwenig. Aber das sehen offenbar andere differenzierter.

www.ich-schreibe-fuer-dich.com

Kommentare zu diesem Artikel

Susanne Kunz

Richtig kommentiert, ich verstehe auch nicht warum ich, ausser wenn ich sie online bestellen würde, keine Strümpfe dafür ein riesiges Sortiment an Zeitschriften kaufen kann, diese sind meiner Meinung nach auch nicht gerade lebensnotwendig. Tierbedarf ist offen, aber Hundehalsbänder sind abgesperrt, wenn das alte zu knapp ist, soll der Welpe doch bitte fressen, aber sicher nicht auch noch spazieren gehen... Ich empfinde dies als unnötige Willkür.