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Kassenpflichtige Psychotherapie

In der Psychotherapie werden psychische Krankeheiten durch Reflexion und Training behandelt, damit sich Gefühle, Überzeugungen und Verhalten positiv verandern. Oft braucht es auch Medikamente.
Laut Krankenversicherungsgesetz (KVG) sind medizinische Leistungen dann kassenpflichtig, wenn sie wirksam, zweckmässig und wirtschaftlich sind. Gesetz und Verordnung listen sowohl zugelassene. das heisst kassenpflichtige Leistungserbringer (Ärzte, Apotheker, Physiotherapeuten etc.) als auch Leistungen (Medikamente, Behandlungsmethoden etc.) auf. Das führt zur paradoxen Situation, dass es Psychotherapeuten mit einem Psychologiestudium gibt (nichtärztliche Psychotherapeuten), welche nicht zugelassen sind, obwohl sie Ärzte in Psychotherapie weiterbilden (Psychiater bzw. ärztliche Psychotherapeuten), welche zugelassen sind. Nun sollen auch nichtärztliche Psychotherapeuten als Leistungserbringer der Grundversicherung zugelassen werden.

Von 1995 bis 2001 war ich Generalsekretär der Föderation der Schweizer Psychologinnen und Psychologen FSP. Vor meinem Abgang wurden die Motionen für das Psychologieberufegesetz sowohl im National- als auch im Ständerat überwiesen. Das war der einzig gangbare Weg für die Beseitigung von Wettbewerbsnachteilen für Psychologen und Psychologinnen, nachdem sich die Psychotherapeutenverbände die Zulassung als Leistungserbringer der Grundversicherung vor meinem Start bei der FSP mit Streitigkeiten über die "richtige" Grundausbildung vor der Weiterbildung in Psychotherapie selber verscherzt hatten.

Mit dem Psychologieberufegesetz hat man nun den Streit um die „richtige“ Grundausbildung neben dem Medizinstudium vor der Weiterbildung in Psychotherapie beigelegt. Die Erfolgsmessung ist in der Psychotherapie aber immer noch ungenügend. Da tobt der Glaubenskrieg unter den Psychotherapieschulen immer noch ähnlich heftig wie zwischen der Schul- und Alternativmedizin. Wenn jemand seine Psychotherapie selber bezahlt, kann die Messung des Therapieerfolgs Dritten egal sein. Wenn Sozialversicherungen, also wir alle kollektiv bezahlen, muss eine objektive Erfolgsmessung der vereinbarten Therapieziele her.

Ohne diese Erfolgsmessung ist eine Zulassung von nichtärztlichen Psychotherapeuten nicht zu verantworten. Erfolgsmessung müsste eigentlich gemäss Krankenversicherungsgesetz (KVG) für alle medizinischen Pflichtleistungen unabdingbar sein, damit die Anforderungen der Wirksamkeit, Zweckmässigkeit und Wirtschaftlichkeit gemäss KVG erfüllt werden. Würde diese Forderung vom Bundesamt für Gesundheit konsequent umgesetzt, fiele so manche medizinische Leistung aus dem vielzitierten Pflichtleistungskatalog raus. Wir bekämen mehr medizinische Qualität und Wirkung im Krankheitsfall und müssten dafür erst noch weniger hohe Krankenkassenprämien bezahlen.

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