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Berset will einmal mehr mit Zwang statt Anreizen Gesundheitskosten sparen

Bundesrat Alain Berset will die Gesundheitskosten senken, indem er Kostenziele einführt und die freie Arztwahl aufhebt. Beides gibt es in der Grundversicherung bereits, freiwillig und mit einem Prämienrabatt. Die Krankenversicherer benötigen lediglich mehr Spielraum für die Kalkulation der Grundversicherungsprämien. Auch die bereits aufgegleiste einheitliche Finanzierung der ambulanten und stationären Medizin (EFAS) ist die bessere Alternative als die bundesrätlichen Zwangsmassnahmen.

Am 16. Juni 2012 lehnte das Stimmvolk die relativ harmlose Managed-Care-Vorlage mit 76 Prozent Neinstimmen ab. Freiwillig haben sich seither aber jedes Jahr mehr Versicherte mit der Wahl eines alternativen Grundversicherungsmodells (AVM) für «Managed Care» entschieden. Nun will der Bundesrat einen radikalen Managed-Care-Zwang: Wer sich krank fühlt, muss künftig zur Erstberatung. Die Patienten müssen Erstberatungsstellen auf einer kantonalen Liste auswählen. Für die Erstberatung bewerben dürfen sich Hausärzte, Gruppenpraxen, telemedizinische Zentren und Ärztenetzwerke. Weiter soll das Kostenwachstum mit sogenannten Zielvorgaben beschränkt werden. Das steht im Widerspruch zu unbeschränkten Versicherungsdeckung der Grundversicherung. Diese Zwangsmassnahmen sind nicht im Interesse der Versicherten und es gibt besseren Alternativen.

Mehr Spielraum bei der Prämienkalkulation, um sparsame Versicherte besser zu belohnen
Versicherte mit einem AVM verpflichten sich freiwillig zur «Erstberatung». Sie telefonieren einem telemedizinischen Call Center, gehen eine Hausarzt- oder HMO-Praxis und sparen damit risikobereinigt gegenüber den Versicherten mit freier Arztwahl ohne Qualitätseinbussen Kosten. Damit die Versicherer die eingesparten Kosten den Versicherten voll und ganz weitergeben können, benötigen sie mehr Spielraum bei der Prämienkalkulation und die einheitliche Finanzierung der ambulanten und stationären medizinischen Leistungen.
Um mehr Anreize für die Wahl alternativer Versicherungsmodelle statt den Zwang zur Erstberatung zu schaffen, ist die Prämie der Standardgrundversicherung als Referenzprämie für alle AVM-Prämien aufzuheben. Die Prämienkalkulation für ein Produkt soll sich nicht mehr an einem anderen Produkt wie der Standardgrundversicherung orientieren, sondern an der Risikostruktur des jeweiligen Versichertenkollektivs.

Die Abschaffung der Referenzprämie ist auch deshalb gerechtfertigt, weil die Referenzpopulation immer kleiner wird: Weniger als 20 Prozent der Versicherten wählen das Standardmodell mit Minimalfranchise und freier Arztwahl. Zudem verbessere sich der Risikoausgleich stetig. Deshalb ist neben der Aufhebung der Referenzprämie die fixe Begrenzung des Wahlfranchisen-Rabattes auf max. 1'540 Franken durch eine prozentuale Begrenzung auf 25 Prozent der Prämie mit der Standardfranchise zu ersetzen.

Abschaffung der Referenzprämie und prozentualer Franchisenrabatt stärken die Solidarität
Ohne Referenzprämie sind die Versicherten untereinander solidarisch, die ihre Wahlfreiheit nicht einschränken. Auch die Versicherten, die mit einem alternativen Versicherungsmodell ohne Qualitätseinbussen auf überflüssige Medizin verzichten, sind untereinander solidarisch. Die Abschaffung der Referenzprämie und die prozentuale Beschränkung der Franchisenrabatte stärken also die Solidarität mehr als der Zwang zur Erstberatung, den der Bundesrat nun einführen will.

Es gibt bereits bessere Kostenziele, als der Bundesrat vorschlägt
In den bestehenden alternativen Versicherungsmodellen sind auch Kostenziele möglich. Sie werden im Gegensatz zu den flächendeckenden Kostenzielen, wie sie der Bundesrat nun verlangt, zwischen Ärztenetzwerken und Krankenversicherern freiwillig vereinbart. Bei flächendeckend aufgezwungenen Kostenzielen passiert folgendes: Nicht alle Ärzte, Spitälern etc. eines Kantons werden sich an die vom Bund aufgezwungenen Kostenziele halten. Das führt dazu, dass diejenigen, die die Kostenziele erfüllen, gleichermassen mit Budget- oder Tarifkürzungen bestraft werden, wie diejenigen, die darüber hinausschiessen.

Einheitliche Finanzierung (EFAS) rasch einführen
Die zweite Alternative zu den bundesrätlichen Zwangsmassnahmen ist die bereits aufgegleiste einheitliche Finanzierung der ambulanten und stationären Leistungen (EFAS) zulasten der Grundversicherung. Ohne EFAS profitieren einseitig die Kantone von Kosteneinsparungen. Dazu ein Beispiel: Ambulant besser und etwas teurer versorgte Diabetiker müssen weniger oft ins Spital. Der Kanton spart die 55 Prozent der vermiedenen stationären Spitalleistungskosten. An den höheren Kosten der ambulanten Leistungen beteiligt er sich aber nicht. Mit EFAS hingegen profitieren Kantone und Kassen, also Steuer- und Prämienzahler gleichermassen von Kosteneinsparungen. Deshalb ist es besser, EFAS rasch einzuführen.

Kommentare zu diesem Artikel

Gesundheit

Anreize gab es genug - aber ohne Erfolg !!! Jetzt muss der Zwang erfolgen !!!