0

Das Lohnbashing im Gesundheitswesen

Neben den Pharma- und Ärztelöhnen sind auch die Vergütungen der Krankenkassenchefs eine beliebte Zielscheibe. «Die meisten Chefs der grössten Krankenkassen haben 2018 mehr verdient. Die hohen Bezüge sorgen für Kritik», titelt die Schweiz am Wochenende am 18. Mai 2019. Die Krankenversicherer müssen die Löhne ihrer Chefs und Verwaltungsräte seit 2016 offenlegen, die bonusrelevanten Kriterien aber nicht. Wer sich über zu hohe Löhne ärgert, sollte seine Marktmacht als Konsument nutzen, anstatt nach noch mehr Regulierung zu rufen, die bloss die Bürokratiekosten in die Höhe treibt. Und die Krankenkassen sollten zu Lasten der Grundversicherung nur wirksame, zweckmässige und wirtschaftliche Medizin (WZW) vergüten, wie es das Krankenversicherungsgesetz seit 1996 vorschreibt. Leider haben es Bundesrat und Bundesamt für Gesundheit (BAG) bisher versäumt, WZW genauer zu definieren. Lohnbashing ist halt einfacher.

Die Bezüge sind stets so hoch bzw. tief, weil es Gremien gibt, die entsprechende Vergütungsreglemente bzw. Vergütungen genehmigen. Ich habe diesbezüglich eine klare Haltung:
1. Unternehmen – nicht nur Krankenversicherer - würden auch gute Leute finden, wenn die Löhne tiefer wären. Boni sind grundsätzlich weder gut noch schlecht. Wichtig ist, was man belohnen will. Je mehr Kriterien im Bereich des gesamten, langfristigen Unternehmenserfolgs berücksichtig werden, desto besser. Kurzfristige und auf individuelle Leistung fixierte Kriterien sind Gift.
2. Wer das Gefühl hat, bei seiner Krankenkasse verdienten die Chefs zu viel, sollte wechseln. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) publiziert die relevanten Kennzahlen jedes Krankenversicherers. Das sind neben den Prämien und Cheflöhnen auch die Reserven und die Verwaltungskosten. Comparis publiziert die Zufriedenheit der Kunden mit ihrer jeweiligen Kasse. Wir alle können also unsere Krankenkasse nach den uns wichtigen Kriterien auswählen. Wenn das jeder Kunde und jede Kundin konsequent tut, merkt jede Kasse rasch, ob sie mit ihrer Strategie erfolgreich ist.
3. Wenn die Verwaltungskosten unwirtschaftlich hoch sind, kann der Bundesrat laut Aufsichtsgesetz eingreifen. Es gibt aber keinen Zusammenhang zwischen der Höhe der Verwaltungskosten und der Höhe der Vergütungen für deren Chefs. Helsana hat hohe, Assura und CSS haben tiefe Verwaltungskosten. Deshalb ist es vernünftig, dass gemäss Aufsichtsgesetz die Verwaltungskosten insgesamt und nicht einzelne Kostenblöcke wie die Cheflöhne, der Aufwand für Kundenwerbung, Rechnungskontrollen oder Kundeninformation im Fokus der Aufsicht stehen. Im Jahr 2017 – die Zahlen 2018 hat das BAG noch nicht publiziert - hatte die Krankenkasse Ingenbol mit 628 Versicherten und 492 Franken pro Person und Jahr die höchsten bzw. die Sumiswalder mit rund 26'000 Versicherten und 86 Franken pro Person und Jahr die tiefsten Verwaltungskosten. Bei den grossen Kassen hatte Helsana mit 258 Franken die höchsten und die CSS-Tochter Sanagate mit 91 Franken die tiefsten Verwaltungskosten.

Link zum Artikel der Schweiz am Wochenende: https://www.aargauerzeitung.ch/wirtschaft/loehne-der-kassenchefs-steigen...
 

Kommentare zu diesem Artikel