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Der neue Risikoausgleich bedroht Medikamentenpauschalen in Freiburger Heimen und nicht die Krankenkassen

«Santésuisse bedroht Modell mit Medikamentenpauschale», schreibt Urs Haenni in den FN vom 8. März 2018. Das ist schlicht falsch. Richtig ist, dass der neue Risikoausgleich dieses Erfolgsmodell bedroht. Anstatt mit dem Finger auf die Krankenversicherer zu zeigen, hätte Anne-Claude Demierre längst ihre guten Beziehungen zu Genosse Alain Berset, Bundespräsident und Gesundheitsminister nutzen sollen, um rasch eine unbürokratische Lösung zu finden.

Die Krankenversicherer müssen die Verordnung über den seit dem 1. Januar 2018 gültigen Risikoausgleich umsetzen. Dieser verlangt, dass die Krankenkassen neben den bisherigen Daten Alter, Geschlecht und stationärer Aufenthalt auch Daten zum Medikamentenkonsum ihrer Kunden der Stiftung «Gemeinsame Einrichtung KVG» weiterleiten. Diese Daten sind massgeblich, ob und wie viel Geld jede Kasse für «kranke Kunden» vom Risikoausgleich bekommt beziehungsweise für «gesunde Kunden» bezahlen muss. Der Risikoausgleich ist wichtig, damit nicht die Kassen einen Wettbewerbsvorteil haben, welche mehr gesunde Kunden haben, sondern die Kassen, welche ihre kranken Kunden dankt guten Verträgen mit Ärzten, Spitälern, Apothekern, Heimen etc. medizinisch effizienter und qualitativ besser versorgen.

Heute wird in den Pflegeheimen des Kantons Freiburg pro Tag und Bewohner eine Pauschale von 5.50 Franken für Medikamente plus 1.30 Franken für die Beratung einkassiert. Dieses Pauschalmodell verhindert viel administrative Bürokratie und ist kostengünstig, wie Urs Haenni schreibt: «Die Arzneimittel kosten für einen Bewohner eines Freiburger Pflegeheims im Durchschnitt pro Tag 4.80  Franken. Im Schweizer Mittel sind es 8.55 Franken. Auf die 2600 Freiburger Pflegeheimbewohner hochgerechnet sind es 4,55 Millionen Franken im Jahr; mit dem Schweizer Durchschnitt wären es 8,11  Millionen Franken. In Freiburger Pflegeheimen werden somit im Jahr 3,55 Millionen Franken an Arzneimitteln gespart.»

Nicht aus dem FN-Artikel hervor geht aber, dass nicht Santésuisse oder gar Groupe Mutuel als einzelnes Santésuisse-Mitglied das Pauschalmodell gefährdet, sondern der neue Risikoausgleich. Denn dieser verlangt, dass die Kassen der Gemeinsamen Einrichtung detailliert Daten über den Medikamentenkonsum der Versicherten liefern. Anstatt mit dem Finger auf die Krankenversicherer zu zeigen und einen Medienwirbel zu veranstalten, sollte Staatsrätin Anne-Claude Demierre ihre guten Beziehungen zu Genosse Alain Berset, Bundespräsident und Gesundheitsminister, nutzen, um rasch eine unbürokratische Lösung zu finden. Eine unbürokratische Lösung ist ganz einfach: Die Heime liefern den Kassen die detaillierten Daten über den Medikamentenkonsum ihrer Bewohner, wie sie jeder Apotheker oder selbstdispensierende Arzt in der Abrechnung auch liefert. Parallel zu dieser Datenlieferung wird das Freiburger Erfolgsmodell Pauschalvergütung fortgesetzt.

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