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Die Gesundheitswirtschaft braucht weniger Politik und mehr Unternehmergeist

Wenn wir im Kanton Freiburg eine gute medizinische Versorgung wollen, sollten Staats- und Grossrat die Versorgungsziele definieren und festlegen, was der Kanton tut, wenn die privaten und öffentlichen Anbieter (Ärzte, Apotheker, Heime, Spitäler, Spitex etc.) diese Versorgung nicht sicherstellen. Wenn der Kanton unbedingt Allein- oder Hauptaktionär des Freiburger Spitals (HFR) sein und bleiben will, soll er eine klare Eignerstrategie formulieren, fähige Verwaltungsräte ohne politische Ämter wählen und als Aktionär die Interessen von uns Bürgern vertreten. Das Spital Freiburg braucht wie jedes Unternehmen einen Chef, der die Strategie umsetzt und sich nicht von 20 Chefärzten auf der Nase herumtanzen lässt, «die alle wie autonome Fürsten herrschen und machen, was sie wollen.» (Zitat Dr. med. Ralph Alexander Schmid, Grossrat GLP, Lugnorre).

Wir Bürger haben leider sehr viele und zum Teil widersprüchliche Interessen. Wir wollen tiefe Gesundheitskosten und gleichzeitig alles, was medizinisch möglich ist, wenn wir krank sind, koste es, was es wolle. Wir wollen den Hausarzt, die Apotheke und die Spitex im Dorf, ein Spital und ein Pflegeheim mindestens in der Nähe, aber wenn wir mehr als bloss Husten haben, wollen wir auf Nummer sicher und in ein Unispital gehen.

Wenn es nur ums Geld ginge, könnten wir ja sagen: Gesundheit ist uns wichtig, die Arbeitsplätze im Kanton auch. Deshalb leisten wir uns unser Freiburger Spital, auch wenn dort jährlich zwanzig oder dreissig Millionen Franken Defizit decken müssen. Wir retten ja Gottéron auch alle paar Jahre. Und da wir an der hiesigen Uni auch noch ein volles Medizinstudium für Hausärzte anbieten wollen, brauchen wir in den hiesigen Spitälern und Arztpraxen auch Stellen, damit die Medizinstudenten praktische Erfahrung sammeln können. Da die jungen Ärzte nach der Ausbildung hier Karriere machen können, brauchen wir ein grosses Freiburger Spital und attraktive Privatspitäler.

Es geht aber nicht nur um Geld, sondern vor allem um Qualität. Die Schweiz ist schlicht zu klein, um in all den Spitälern in all den Fachgebieten, so viel Patienten zu behandeln, damit man in jedem Spital und in jedem Fachgebiet mit genügend grossen Fallzahlen gute Qualität erreicht. Wie in anderen Branchen auch, sind kleine Anbieter, die von allem ein bisschen machen, teurer und schlechter als ihre Konkurrenten, die sich spezialisieren. Wir werden uns in der wohlhabenden Schweiz noch lange eine engmaschige, teure medizinische Versorgung leisten können. Wir bekommen aber früher oder später Qualitätsprobleme, wenn sich unsere Spitäler, Universitäten und Fachhochschulen nicht spezialisieren. Die ambulante Grundversorgung soll niederschwellig und engmaschig sein. Wir brauchen endlich laientaugliche Qualitätsdaten. Sind diese Daten einmal vorhanden und zugänglich, werden die Patienten nicht mehr einfach das nächstgelegenste, sondern das beste Angebot wählen. Dann werden die guten Spitäler auch ohne staatliche Defizitdeckung überleben. Und auch bei den Ärzten, Apothekern und anderen Gesundheitsfachleuten wird sich dank Qualitätstransparenz die Spreu vom Weizen trennen.

Kommentare zu diesem Artikel

Mösching Ruedi

Persönlich war ich mit den Leistungen im HFR immer sehr zufrieden. Ich zweifle, dass
Privatspitäler günstiger sein können, denn dort ist sicher die Rendite nicht im Hintergrund, d.h. sie werden sehr wahrscheinlich nur gewinnbringende Fachgebiete auswählen. Leider wird laufend Negatives vom HFR berichtet, sehr wahrscheinlich müsste man vorerst den Verwaltungsrat unter die Lupe nehmen.