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Krankenversicherung - Schwangerschaft ist keine Krankheit

Die reisserische SRF-Schlagzeile: «Nach Schwangerschaftsabbruch - Swica bittet Schwangere mit todkrankem Ungeborenen zur Kasse.» Simone S. ungeborenes Kind hatte Trisomie 18 mit geringen Überlebenschancen. Sie brach die Schwangerschaft in der 14. Woche ab. Wenn sie länger gewartet hätte, hätte sie die Geburt einleiten müssen. Das wollte sie nicht. Erst nach Monaten hatte sie den Verlust ihres Kindes verarbeitet. Ihre Krankenkasse verlangte die Kostenbeteiligung (1'700 Franken) und begründete dies damit, dass er Schwangerschaftsabbruch freiwillig gewesen sei.  Simone S. findet diese Begründung haarsträubend, da der Krankenversicherer suggeriert, sie hätte das Kind nicht gewollt.

Die Rechtslage: Seit 2014 gilt im Krankenversicherungsgesetz (KVG) bei Schwangerschaft: Keine Kostenbeteiligung auch bei Krankheit und ihren Folgen ab der 13. Schwangerschaftswoche. Dies gilt laut Bundesamt für Gesundheit (BAG) auch bei Schwangerschaftsabbrüchen infolge schwerer Schädigung des Kindes. Es geht mir hier nicht darum, ob und wie das BAG das KVG interpretiert. Das müssen Richter beurteilen.

Das Problem ist ein grundsätzliches: Weder Schwangerschaft noch Mutterschaft ist eine Krankheit, solange keine Komplikationen auftreten. Insofern ist es ein Fehler, dass medizinische Leistungen bei gesunden, schwangeren Frauen überhaupt von den Krankenkassen bezahlt werden müssen. Familienpolitik sollte man nicht via KVG machen, dafür gibt es zum Beispiel Kinderzulagen. Mit dieser Logik könnte man auch Schwangerschafts- oder Geburtszulagen schaffen.

Wie oft, wenn man ein Problem falsch löst, entstehen Folgeprobleme, die dann mit demselben, falschen Lösungsansatz korrigiert werden. So ist es mit den Kassenleistungen bei Schwangerschaft und Mutterschaft. Der ganze Streit, um die Kostenbeteiligung bei Schwanger- und Mutterschaft wäre nicht nötig, wenn medizinische Leistungen bei Schwangerschaft und Mutterschaft gar nicht kassenpflichtig wären, solange keine Komplikationen auftreten, das heisst Mutter und Kind gesund sind. Wenn Komplikationen auftreten, wären die medizinischen Massnahmen Heilbehandlungen von Beschwerden mit Krankheitswert und inklusive Kostenbeteiligung (Franchise und Selbstbehalt) kassenpflichtig.

Link: https://www.srf.ch/news/schweiz/nach-schwangerschaftsabbruch-swica-bitte...

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