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Thema Organspenden polarisiert

Auf der einen Seite sterben pro Woche in der Schweiz zwei Menschen, weil sie dringend ein Organ brauchen, aber keines bekommen - trotz teuren Sensibilisierungskampagnen von Swisstransplant gibt es zu wenig Spender. Auf der anderen Seite wären gemäss der neusten repräsentativen Umfrage von Comparis fast zwei Drittel der Befragten bereit, Organe zu spenden. Warum spenden denn viel weniger, als tatsächlich für Organspenden sind? Weil die Ärzte meistens schlicht nicht wissen, welcher sterbende Mensch Organe spenden möchte, müssen sie die Angehörigen fragen. Da diese es in der Regel auch nicht wissen, weil man nie darüber gesprochen hat, sind sie richtigerweise dagegen.

Dass Leute, die kategorisch gegen Organspenden sind, auch kategorisch gegen die Widerspruchslösung sind, begreife ich nicht. Denn die Widerspruchslösung wäre ja bloss ein Anreiz, dass sich jeder Mensch mit dem Thema Organspenden beschäftigt und dann klar Ja oder Nein sagt, damit die Ärzte im Todesfall nicht die Angehörigen fragen müssen.

Die Widerspruchslösung hätte auch einen weiteren Vorteil: Wenn sich jede/r mit dem Thema Organspenden beschäftigt, muss sie/er sich auch überlegen, ob er zwar seine Organe nie und nimmer spenden würde, aber halt doch ein fremdes Organ möchte, wenn er eines braucht. Und selber nicht spenden, aber ein gespendetes Organ wollen, wäre mit der Widerspruchslösung erlaubt. Man würde aber die Doppelmoral erkennen. Und das ist vielleicht für viele ein Grund, sich nicht mit dem Thema Organspenden zu beschäftigen, sich weder für noch gegen Organspenden zu entscheiden.
 

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