0

Gute Nacht!

Pferde schlafen im Stehen, Delfine bekanntlich mit einem offenen Auge - und Cabin Crew Member gar nicht? Doch, auch diese Spezies schläft. Übers Schlafen im fast gemütlichen Cargo Container.

Schlaf... Dieses ermüdende Thema ist bei mir zurzeit omnipräsent. Entweder ist er gar nicht vorhanden, zu einer komplett falschen Uhrzeit möglich oder er muss gähnend unterdrückt werden. Der Jetlag lässt freundlichst grüssen: Gute Nacht - ah nein sorry, nicht jetzt. So kann es öfters einmal passieren, dass ich an einem freien Tag 14 Stunden durchschlafe. Das gipfelt dann im verwirrenden Erwachen um 14.00 mit Totalverlust der Identität und des Zeitgefühls. Oder es könnte nach einem durchzechten Nachtflug übermüdungsbedingt auch sein, dass die Zugfahrt nach Hause im schönen Lausanne anstatt im heimischen Freiburg endet (der iPhone-Wecker ist ein sehr nützliches Utensil, auch im überfüllten Pendlerzug).

Aber es wäre ja nicht so, dass wir uns auf den Langstreckenflügen nicht auch etwas ausruhen könnten, da darf man sich wirklich nicht beschweren. In welchem anderen Beruf kann man schon schlafen, ausser man tut es heimlich? Auf kurzen Flügen reicht die Zeit für ein Nickerchen natürlich nicht. Ab einer gewissen Flugzeit von ungefähr 6 Stunden springt jedoch schon eine halbe Stunde Powernap heraus. Eine ausgiebigere Schlafenszeit liefern dann natürlich lange Flüge von 12 Stunden: Nach São Paulo kann man sich oft bis über 2 Stunden hinlegen! Die 2 Stunden tun zwar gut, sind jedoch nicht wirklich komfortabel und ersetzen die verlorene Nacht natürlich nicht komplett.

Wo wir uns hinlegen? Einige Maschinen sind leider nicht mit extra Schlafplätzen ausgestattet. Da wird bei den Jumpseats, die grauen Sitze wo wir uns für Start und Landung installieren, der Vorhang gezogen und aus einigen ergatterten Kissen und Decken eine bettähnliche Liege gebastelt. Manche Leute verwirklichen sich dabei in höchst kreativem Masse und zaubern beeindruckende Bettlandschaften, manche haben schon fast Ikea-Charakter (diese Liegen würde ich wohl Liegerö oder Bettling taufen). Leider sind diese Plätze sehr unruhig, da sie sich mitten im Geschehen befinden, Schlaf ist daher eher schwierig zu finden.

Mehr Erholung bietet daher der im Cargo installierte Crew Bunk. Dies ist im Grunde ein Cargo-Container ausgestattet mit einer Anzahl (sehr) kleiner Betten, wo man sich fast gestreckt hinlegen kann - als klein gewachsener Mensch hat man halt schon gewisse Vorteile Im Flugzeug! Dieser Container ist durch eine Tür erreichbar, welche einer Toilettentür ähnlich sieht. Jedoch ist diese Tür für den Passagier irritierenderweise immer „besetzt“ und nur mit Schlüssel zugänglich. Anschliessend führt eine winzige Treppe hinunter in den Container, wo nebst den Betten Licht, Sauerstoffmasken, Gurte, Anzeigen und Lautsprecher genauso vorhanden sind wie in der Kabine. Darin finden wir ein bisschen Ruhe und eine kleines Stück ersehnten Schlaf. Gute kurze Nacht!

Kommentare zu diesem Artikel