10.02.2020

Über Fasnachtserinnerungen und die Narrenfreiheit

ZiG-Bloggerin Nicole Matter beschäftigt sich in ihrem Beitrag diese Woche mit der Fasnacht – und mit allem, was dazugehört.

Es «fasnächtelet» wieder, die Dörfer werden nach und nach geschmückt und das Freiburger Narrentreffen fand auch schon vor rund zwei Wochen statt. Wieso gibt es diese närrische Zeit überhaupt? Früher war es ein Fest, mit dem man den Beginn der sechswöchigen Fastenzeit gefeiert hat, darum gibt es auch die ganzen Leckereien zu naschen, wie etwa Krapfen oder die Fasnachtsküchlein. Heute sieht das Ganze etwas anders aus: Der ursprünglichen Bedeutung der Fasnacht wird heute kaum mehr Beachtung geschenkt. Ende Februar begegnen dir zahlreiche maskierte Wesen, satirische Waggons, Musik und viele bunte und fröhliche Farben. Wer mag sich mit mir auf eine Reise in die Kindheit begeben?

Es war die Zeit im Jahr, wo man sich als Prinzessinnen, Clowns, Löwen und Cowboys verkleiden konnte. Als Kinder wurden wir geschminkt und warteten kostümiert und mit Konfetti bewaffnet ungeduldig auf den Startschuss, der den Beginn des Umzuges markierte. Unsere Dorf-Guggenmusik spielte den ganzen Nachmittag und Abend lang, unterstützt von Gastguggen, die teilweise von weit her kamen. Es war immer ein besonderes Spektakel, die Musiker mit ihren kunstvollen Kostümen und grossen Instrumenten spielen zu sehen. Manchmal sahen sie schon etwas furchteinflössend aus mit ihren Masken und Pelzen. Bei uns gab es noch die «Treichler»: Jugendliche, die die grossen Kuhglocken schwenkten und so einen Rhythmus vorgaben. Wenn der Startschuss fiel, marschierten wir klassenweise los, der Kinderumzug konnte beginnen. Unser grösster Spass war es, unsere Eltern, Gottis und Göttis, Grosseltern und Bekannten mit Konfetti einzudecken. Wann konnten wir sonst die Erwachsenen mit etwas bewerfen, wenn nicht an der Fasnacht? (Die Konfetti waren danach noch wochenlang in den Wohnungen und Kleidertaschen zu finden…) Am Ende des Umzuges wartete nun eine Horde von kleinen Prinzessinnen, Superhelden, Cowboys und Aliens darauf, dass der «Böögg» angezündet wird. Der «Böögg» ist eine grosse Figur aus Kleister und einem Drahtgestell, der von uns Kindern nach dem jährlichen Fasnachtsmotto bemalt und geschmückt wurde. Er war der Sündenbock für die schlechten Taten im vergangenen Jahr und musste dafür brennen.

Die Fasnacht ist die Zeit im Jahr, in der man nicht seriös und ernst sein muss. Es ist erlaubt, Spass zu haben, denn man geniesst die Narrenfreiheit. Man kann sich in kunstvolle Kostüme werfen, wenn man mag oder einfach mit einem Bier in der Hand der Musik zuhören. Natürlich muss nicht jeder ein Fan der Fasnacht sein. Wenn einem das närrische Treiben zuwider ist, darf man selbstverständlich auch zuhause bleiben.

Aber was hat das Ganze mit dem Gymnasium zu tun? Nun, das Gymnasium ist ein Ort der Bildung aber auch des geselligen Zusammenseins. Man lernt hier neue Freunde kennen und schätzen. Aber es ist nicht immer nur lustig, gerade als Viertklässler spürt man langsam den Druck der Abschlussprüfungen und der beruflichen bzw. der akademischen Zukunft. Fertig mit dem Plausch, langsam sollte man hinter die Bücher. Gerade deswegen betrachte ich die Fasnacht als wichtig. Mit ihr kann man für einmal den Alltag vergessen und in eine Welt voller Fantasie eintauchen, wo alles möglich ist. Es mag nur für ein Wochenende im Jahr sein, aber es sind die kleinen Dinge, die das Leben ausmachen. Ausserdem verbinde ich mit der Fasnacht viele schöne Erinnerungen. Gerade als Kind war es eine aufregende und spannende Zeit. Vielleicht solltest du genau deswegen wieder mal dein inneres Kind rauslassen und seine Freunde mit Konfetti bewerfen. Die Papierschnipsel in den Kleidertaschen werden dich noch Wochen danach an das lustige Treiben erinnern...

Dieser Text entstammt dem ZiG-Blog, der im Schuljahr 2019/2020 von einem Schülerkollektiv aus dem Kollegium St. Michael betreut wird: www.freiburger-nachrichten.ch/zig-blog