09.03.2020

Wie League of Legends mein Leben verändert hat

Jeder hat seine Freizeitbeschäftigungen. Sei es Lesen, Schreiben oder Tanzen. In meinem Falle sind es seit dem Kindesalter Videospiele. Ein Essay über Videospiele und e-Sports.

Die Gaming-Szene war schon immer ein ganz eigenes Universum. Wer sich nicht zumindest ein bisschen auskennt, hat die Tendenz, zu denken, es handle sich dabei um ein paar Hundert Jugendliche, die ihre Zeit damit verbringen, in einem dunklen Keller zu hocken und niemals das Licht der Sonne erblicken. Sie sitzen dabei in Unterwäsche vor einem Bildschirm, von leeren Pizzaschachteln umgeben und laut fluchend während sie auf imaginäre Feinde ballern. In vereinzelten Fällen mag das sicher stimmen. Aber eben nur in vereinzelten Fällen.

Ein kleiner Einschub wird beim Sprechen über so ein Thema unbedingt nötig: Die Sucht nach Videospielen ist ein ernst zu nehmendes Problem. Wenn man ein Spiel seinen Freunden, der Familie oder der eigenen Gesundheit bevorzugt, wird das virtuelle Vergnügen sehr schnell zu einer Art Handschellen, die man nicht so schnell wieder los wird. Häufig sind Therapien und professionelle Hilfe nötig, um dem exzessiven Spielen wieder abzuschwören. Das Problem liegt darin, dass die Betroffenen gar nicht erkennen, dass ihr Verhalten irrational und ungesund ist, wie dies bei den meisten Suchtproblemen der Fall ist.

Einfach mal all das Schlechte beiseiteschieben, das hilft natürlich bei der Lösung dieses Problems nicht. Jedoch soll es bei diesem Essay nicht um die schlechten Seiten der Videospiele gehen, sondern vielmehr darum, wie sich mein persönliches Leben durch diese verbessert hat.

Seit meiner Kindheit gehören Videospiele zu meinem Leben. Begonnen hat alles auf einem Gameboy mit “Mario“ den ich bei meiner Grossmutter zwischendurch ausleihen durfte. Weiter ging es bald auf der Nintendo, bei der ich Spiele wie “Pokémon“ kennenlernte. In meiner Jugend lernte ich bald die Xbox, PS4 und Nintendo Switch kennen. Mittlerweile haben sich bei mir zu Hause über 150 Spiele angesammelt, die ich alle durchgespielt habe. Das Spielen gehört zu meinem Alltag dazu, wie es für andere dazugehört, am Morgen aufzustehen und erst einmal mit dem Hund Gassi zu gehen.

Ich liebe alle Spiele, die ich spielen durfte, aber eines sticht dabei besonders heraus.

Ich erinnere mich kaum an die Zeit vor League of Legends. Vor etwas mehr als einem Jahr bekam ich auf Youtube zum ersten Mal Werbung für dieses Computerspiel. Diese tauchte trotz mehrmaligem Wegklicken immer wieder auf. Ich bin eine sture Vertreterin des Ignorierens von Werbung. Aber als ich erfuhr, dass eine meiner besten Freundinnen seit Jahren dieses Online-Spiel spielt, musste ich wohl nachgeben und lud mir dieses auf meinen Laptop herunter. In diesem Moment wusste ich es noch nicht, aber heute weiss ich, dass es dieser Augenblick war, in welchem ich meine Seele dem Teufel verkauft habe.

Kurz ein paar trockene Fakten zu League of Legends (LoL): Das Spiel wurde vom amerikanischen Computerspiel-Unternehmen “Riot Games“ am 27. Oktober 2009 veröffentlicht. Das Spiel ist also seit mehr als zehn Jahren gratis erhältlich, wobei man sich einzig optische Veränderungen im Spiel für echtes Geld kaufen kann. Das Können kann man sich also bei diesem Spiel nicht erkaufen. Im Jahre 2019 spielten rund 100 Millionen Menschen weltweit mindestens einmal im Monat LoL. Das Spiel ist also weder neu noch kostenpflichtig, aber nach wie vor ungeschlagen, wenn es um die Anzahl Spieler und dessen Beliebtheit geht.

Vom ersten Moment an war ich gefesselt von diesem Spiel. Das Prinzip ist denkbar einfach. Im normalen Spielmodus treten zwei Teams von jeweils fünf Spielern gegeneinander an. Die Teams haben die Aufgabe, die gegnerische Basis einzunehmen. Um dieses Ziel zu erreichen, ist Kommunikation, taktisches Denken und Teamarbeit unerlässlich. Jeder Spieler wählt sich zu Beginn eines Spiels eine Figur, einen sogenannten "Champion“, zum Spielen aus. Es gibt mittlerweile 148 verschiedene Champions, jeder einzelne mit einer detaillierten Geschichte und unterschiedlichen Fähigkeiten. Danach geht es darum, die Champions geschickt auf der Karte zu verteilen, um die Schwächen des Gegners auszunutzen und die eigenen Fähigkeiten so optimal wie möglich einzusetzen.

Für jede Art von Spieler hat LoL etwas zu bieten. Egal ob man einen Magier mit Zauberstab, einen Revolverhelden mit Pistolen oder eine Nahkämpferin mit Axt spielen möchte – jeder kann sein Glück in der Spielfigur finden. Ich persönlich habe mich darauf spezialisiert, Champions zu spielen, die viel Schaden einstecken und ihre Verbündeten über lange Zeit in einem Kampf schützen können. Diese Art von Champions werden “Tanks“ genannt.

Es braucht ungeheuer viel Übung und Erfahrung, um in den höchstmöglichen Rang, in das “Challenger“-Level, aufzusteigen. Für einen Anfänger wie mich, der dieses Spiel seit gerade mal einem Jahr kennt, ist dies so gut wie unmöglich. Von den hundert Millionen Spielern sind momentan nur knapp 200 in dieser Klasse. Bei fast allen handelt es sich hier um Spieler, die ihren Lebensunterhalt mit LoL verdienen und die dieses Spiel meist bereits seit dessen Veröffentlichung spielen.

Unabhängig davon, ob nun Videospiele als Sportart gelten oder nicht – was meiner Meinung nach absolut sein sollte – ist es unglaublich, welches Können die besten Computerspieler haben. Jedes Wochenende den professionellen Teams während der Spielsaison zuschauen zu können, wie sie um einen Meisterschaftstitel spielen, ist der absolute Höhepunkt meiner Woche. LoL ist viel mehr, als nur ein paar Tasten zu drücken. Und ich wünsche mir, dass Leute, die den E-Sport verteufeln, sich zuerst einmal selbst daran versuchen, ehe sie sagen, es brauche dafür kein Können.

Jetzt verstehe ich den fanatischen Fussball- oder Hockeyfan, für den die Besuche der Spiele zum regelmässigen Vergnügen gehört. Ich verstehe, wie es ist, sich wie verrückt am Sofa festzuhalten, während das Herz einem bis zum Hals hoch schlägt und man den Atem anhält, um dann laut aufzuspringen und zu brüllen, sobald das Lieblingsteam einen genialen und gewagten Spielzug vollbracht hat. Nur zu gut erinnere ich mich daran, wie ich selbst emotional wurde als mein Lieblingsteam “Fnatic“ nicht das Halbfinale des LoL Worldcup 2019 erreichte und einer meiner Lieblingsspieler auf der Bühne zu weinen begann.

Ich habe jetzt endlich das gefunden, wonach ich zuvor lange suchte, jedoch nie ausfindig machen konnte: eine Ablenkung von jeglichen Problemen, die mich mental trotzdem fordert und gleichzeitig eine soziale Aktivität ist. Sobald ich mich einlogge und online “Fondue Walküre“ anstatt Allison Jelk heisse, weiss ich, dass ich in meiner eigenen Welt bin, in der ich völlig abgelenkt bin und mich wohlfühle – egal, ob ich nun einen schlechten oder guten Tag hinter mir habe.

Dieser Text entstammt dem ZiG-Blog, der im Schuljahr 2019/2020 von einem Schülerkollektiv aus dem Kollegium St. Michael betreut wird: www.freiburger-nachrichten.ch/zig-blog