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Die Kindheit und der Einfluss neuer Technologien

Ein Essay von ZiG-Blogger Noah Gugler

Die Kindheit in den 2000ern zu verbringen war ein Privileg, das wohl die meisten von uns mittlerweile Erwachsenen kaum noch zu würdigen wissen. Wir wuchsen ohne grossen Einfluss eines Smartphones und dessen Suchtpotenzial auf. Wir sorgten uns nicht um unser äusseres Erscheinungsbild, wie es die Teenager von heute tun.

Die Meisten werden es wohl kennen. Ein Griff in die Hosentasche, das Smartphone hervorholen, nach oben «swipen», wie man es heute nennt, schnell etwas nachschauen und sich auf den neusten Stand der Dinge bringen. Ziemlich unspektakulär eigentlich. Alle von uns benutzen es, viele sogar mehrere dutzende Male am Tag. Oftmals schätze ich es, in Erinnerung gerufen zu werden, welchen Einfluss diese technologischen Wunderdinge auf uns haben.

Neulich in der S1 von Freiburg in Richtung Bern: Ein Jugendlicher, etwa um die vierzehn Jahre alt, gepflegt, mit Polo-Shirt und Jeans, stand in Düdingen vor der Türe des einfahrenden Zuges und wollte aussteigen. Er hatte seine Kopfhörer auf, hörte höchstwahrscheinlich Musik und wischte mit seinem rechten Zeigefinger auf dem iPhone  von rechts nach links wie ein Verrückter. Wenn ich nicht gewusst hätte, dass er «Fruit Ninja» spielte, hätte ich mir sicherlich gedacht, dass er eine Art epileptischen Anfall hätte oder einfach komplett neben der Spur wäre. Der Zug hielt nun also an und der Junge regte sich, bis auf das wilde Herumfuchteln mit dem rechten Zeigefinger, nicht – kein Stück. Er verpasste es, in Düdingen auszusteigen und merkte dann kurz vor Schmitten, dass er wohl eben nicht in Düdingen war. Irgendwie fand ich das Ganze zwar recht amüsant, dennoch betrübte mich diese Situation etwas.

Dieses Beispiel zeigt relativ gut auf, welchen Einfluss die Technologie, sei es nun Unterhaltungselektronik oder Sonstiges, auf uns hat. Der Junge befand sich total in seiner eigenen Welt. Seine äussere Umgebung wusste er konsequent auszublenden.

Doch nicht nur Jugendliche sind von dieser Sucht betroffen, sogar schon kleine Kinder. Diese wissen mit Smartphone und Computer beinahe besser umzugehen als ich! Liegt es an der schieren Ignoranz der Eltern, welche ohne über drohende Konsequenzen nachzudenken, den eigenen Kindern diese «Verblödungsmaschine» in die Hände drücken, nur um ein paar Momente Ruhe zu finden? Teils wird auch in Fastfood-Restaurants ein iPad in der Kinderecke montiert. Damit können sich die Kinder dann auch dort noch munter die nächsten Hirnzellen aus dem Gehirn fegen, während sie sich gemütlich an einem «Happy Meal» begnügen. Als positiven Nebeneffekt haben die Eltern Ruhe und werden somit nicht belästigt.

Zu meiner Zeit war ich mit einem Tastenhandy ausgestattet, welches nur auf die klassischen Funktionen eines Telefons beschränkt war. Dies reichte auch vollkommen aus. Mein simples Nokia konnte ich stets bei mir tragen und im Notfall zu Hause anrufen, eine Nachricht schreiben oder bei guter Verbindung sogar Musik, mittels Bluetooth, mit meinen Kollegen teilen. Auf meinem ersten Handy bedeutete das kleine Internetsymbol das reine Verderben, wohingegen die Kinder von heute kaum etwas anderes auf dem Handy benützen. Damals hatten wir kein unlimitiertes Datenvolumen. Man fühlte sich total privilegiert, auch wenn einem nur dreissig Nachrichten pro Monat zur Verfügung standen. Wir lebten mit der Furcht, plötzlich nicht mehr mit unseren Kollegen kommunizieren zu können. Überlebt haben wir diesen Zustand jedoch alle.

«*130#» war unser treuester Begleiter im Kampf gegen die Kostenfalle. Likes und Followers waren uns völlig unbekannt, Selbstinszenierung ein Fremdwort, Influencer gab es noch nicht und es lebte sich völlig unbeschwert. Als wir dann etwas älter wurden, verglichen wir uns dann ab und an mit unserem Highscore in «Tetris» oder «Snake».

Wo liegen nun aber positive Seiten dieser neuen Technologien gegenüber früher?

In meinen Augen ist die Digitalisierung etwas Tolles. Arbeitsprozesse werden effizienter, Dokumente sind mit einem Klick abrufbar und alte analoge Medien sind nun digital zugänglich.

Vor allem wir Schüler profitieren stark davon. Notizen werden im Unterricht von den Lehrern oftmals nur noch am PC verfasst, damit diese uns dann sogleich zur Verfügung stehen. Aufsätze können überall «on the go» verfasst werden und wenn dann doch einmal eine wichtige Frage zu einem Lernziel auftauchen sollte, schickt man der Lehrperson eine Email und bittet freundlich um Unterstützung.

Heute ist unser Leben sicherlich komplexer und vernetzter als noch vor zehn Jahren. Doch denken Sie einmal an die vielzähligen Möglichkeiten und Situationen, bei denen Ihnen Technologie den Alltag erleichtert. Wichtig ist einzig und allein unser Umgang damit.

Dieser Text entstammt dem ZiG-Blog, der im Schuljahr 2019/2020 von einem Schülerkollektiv aus dem Kollegium St. Michael betreut wird.

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