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Bossels unvollendete Karriere

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Es war in letzter Zeit ziemlich ruhig geworden um den Freiburger Tennisprofi Adrien Bossel. Auf dem Höhepunkt seiner Karriere hatte der Stadtfreiburger 2015 in der Weltrangliste auf Platz 262 gestanden und war damit hinter Roger Federer und Stan Wawrinka als drittbester Schweizer Tennisspieler klassiert. Danach ging es aber stetig bergab. Anfangs 2017 fiel er aus den Top 500. Der 31-Jährige versuchte zwar auf der Crowd­funding-Plattform «I believe in you» Geld zu sammeln, um sich zurückzukämpfen und sich seinen grossen Traum, eine Qualifikation für das Turnier in Wimbledon, zu erfüllen.

Doch es half nichts. Statt auf der ATP World Tour antreten zu können, musste sich Bossel fortan auf der drittklassigen Future Tour durchschlagen. Er versuchte es zwar immer wieder auf der Challenger Tour, doch auf zweithöchster Stufe kam er kaum mehr über die Qualifikation hinaus. Nun hat der Freiburger die Konsequenzen gezogen und seine ATP-Karriere beendet, wie die Zeitung «La Liberté» gestern vermeldete.

Relaunch gescheitert

«Meine Resultate waren nicht mehr genügend», erklärte Adrien Bossel gegenüber den FN seine Gründe für den Rücktritt. «Dieser Situation musste ich mich stellen und die Konsequenzen ziehen.» Im letzten halben Jahr hatte Bossel in Belgien versucht, unter Coach Arnaud Fontaine den Anschluss wieder zu schaffen. Davor gehörte Bossel zum Nationalkader von Swiss Tennis und trainierte grösstenteils im Nationalen Leistungszentrum in Biel. Dort konnte er zwar von der Infrastruktur und von Trainingspartnern profitieren, aber er hatte keinen Trainer, der ihn an die Turniere begleitete. «Ich dachte, es könnte mir helfen, wenn ich wieder einen Betreuer dabei habe. Also habe ich mich wieder mit meinem Trainer zusammengetan, mit dem ich bereits von 2008 bis 2012 trainiert hatte.»

Der versuchte Relaunch in Belgien stand allerdings unter einem schlechten Stern. Bereits nach wenigen Tage verletzte sich Bossel an der Schulter. «Die Blessur hat mich drei Monate lang handicapiert. Ich konnte nicht richtig aufschlagen und verlor beim Service, meinem wichtigsten Schlag, viel Geschwindigkeit. Mental war das ein weiterer Dämpfer.» Der Freiburger konnte zwar in den sechs Monaten bei verschiedenen Future-Turnieren ein paar vereinzelte Spiele gewinnen und sich in der Weltrangliste wieder bis auf Platz 525 vorarbeiten. «Ich lag aber weit hinter meinen gesteckten Zielen zurück. Geld lässt sich auf diesem Niveau nicht mehr genug verdienen, um meine Ausgaben zumindest einigermassen zu decken. Also habe ich einen Schlussstrich unter meine ATP-Karriere gezogen.»

Davis Cup als Höhepunkt

Eine Karriere, die seit ihrem Beginn im Jahr 2007 durchaus einige Höhepunkte zu bieten hatte – allen voran die Teilnahme am Davis Cup. Bossel war 28, als er im Jahr 2015 im Achtelfinal erstmals für das Schweizer Davis-Cup-Team spielen durfte. In Lüttich wusste er im Doppel mit seinem Netzspiel zu gefallen, verlor an der Seite von Michael Lammer aber dennoch in vier Sätzen. Und im Einzel duellierte sich Bossel mit der damaligen Weltnummer 21, David Goffin. «Goffin war der prestigeträchtigste Gegner, gegen den ich je gespielt habe», erinnert sich der Linkshänder. «Dass ich 4:6, 0:6, 4:6 verloren habe, hat mich zwar geärgert, schliesslich ist man Wettkämpfer und will immer gewinnen. Aber die Auftritte im Davis Cup waren rückblickend sicher die schönsten Momente meiner Karriere. Dazu gehört auch die Partie gegen Usbekistan (September 2016, Red.), als wir in den Abstiegs-Playoffs den Ligaerhalt schafften.» Adrien Bossel konnte an der Seite von Henri Laaksonen im Doppel mit einem Drei-Satz-Sieg seinen Teil zum Erfolg der Schweiz besteuern.

Zu seinen Karriere-Highlights zählt Bossel auch die Teilnahme an der Qualifikation für die beiden ATP-Turniere von Gstaad und Basel im Jahr 2016. «An den Sieg am Swiss Open in der ersten Runde gegen Paul-Henri Mathieu (der Franzose war damals die Weltnummer 65, Red.) erinnere ich mich gerne zurück.»

«Habe es verpasst, mehr herauszuholen»

Der grosse Durchbruch ist Bossel dennoch verwehrt geblieben. Acht Turniersiege auf Stufe ITF Future Tour zieren seinen Palmarès. Wäre mehr möglich gewesen? «Gute Frage», erwidert Bossel und lässt sich mit seiner Antwort Zeit. «Ich denke, dass ich es im Jahr 2015 verpasst habe, mehr herauszuholen. Ich lag im ATP-Ranking an 262. Stelle, so gut wie nie. Mir fehlten 80 Punkte, um das Jahr unter den Top 200 zu beenden und die Qualifikation für das Australian Open spielen zu können. 80 Punkte, das entspricht einer gewonnenen Partie auf der Challenger Tour.» Obwohl Bossel in den Monaten September und Oktober 2015 an vier Challenge-Turnieren teilnahm, konnte er nur eine Partie gewinnen. «Vielleicht habe ich mich damals schon zu gross gesehen. Jedenfalls spürte ich plötzlich einen Druck auf meinen Schultern und bin wohl daran zerbrochen. Anfang 2016 lief es dann wieder besser. Vielleicht hätte ich es da packen können, doch eine Schulterverletzung machte mir einen Strich durch die Rechnung.»

Weiterhin Tennis

Adrien Bossel, der zurzeit in Biel wohnt, schaut nun nach vorne. Dass der 31-Jährige seine ATP-Karriere beendet hat, bedeutet nicht, dass er sein Racket endgültig an den Nagel hängt. Er benötigt es noch, um weiterhin etwas Geld für seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Das Marly Open, das in einer Woche beginnt, steht ebenso in seiner Agenda wie der Interclub der NLA, der im August über die Bühne geht. Und danach? Bossel spielt mit dem Gedanken, ein Studium zu beginnen. «Architektur würde mich interessieren, allerdings werde ich frühestens ab Herbst 2019 die Schulbank drücken. Erst muss ich meine Batterien aufladen. Und ich möchte wieder einmal die vielen Dinge tun, die ich in den letzten Jahren nicht konnte, wie zum Beispiel Skifahren.» Mit der Rückkehr ins «normale» Leben will Adrien Bossel noch etwas warten.

«Vielleicht habe ich mich auf einmal zu gross gesehen.»

Adrien Bossel

Freiburger Ex-Tennisprofi

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