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Damit Hans es nicht mehr lernen muss

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«Ich weiss jetzt nicht mehr, was ich abstimmen soll», brachte SVP-Grossrat Gilles Schorderet (Zénauva) das Dilemma auf den Punkt. Zwar bestehen verschiedene Regelungen, welche die Zweisprachigkeit im Kanton fördern sollen, doch in der Realität besteht offenbar ein Gefühl, dass sie nicht genügen. «Ich kann kein Deutsch und ich leide darunter», bekannte Schorderet. Im Rahmen der zweiten Lesung des Schulgesetzes debattierte der Rat eineinhalb Stunden lang über einen einzigen Punkt: die Einführung des zweisprachigen Unterrichts schon vom Kindergarten an. Der Grüne Olivier Suter hatte dies in der ersten Lesung angeregt und war mit seiner Forderung knapp durchgekommen.

Der Grosse Rast bestätigte den Antrag Suter nicht nur, er tat es mit einem überraschend deutlichen Resultat: 61 waren für den Antrag, 25 dagegen, fünf enthielten sich. In der nachfolgenden Pause äusserten viele deutschsprachige Grossräte ihre Verwunderung über die starke Unterstützung, auch vonseiten der französischsprachigen Kollegen.

Ungeahnte Unterstützung

Was war passiert? Kommission und Staatsrat hatten den Antrag mit Verweis auf das bestehende Sprachenkonzept abgelehnt. «In kleinen Gemeinden würde die Einführung extrem schwierig und teuer», sagte Kommissionssprecherin Yvonne Stempfel-Horner (CVP, Guschelmuth). Man müsse den Gemeinden die Freiheit lassen, sich nach ihren Bedürfnissen zu richten. Auch Gaétan Emonet (SP, Remaufens) ging die Vorlage zu weit. Seine Devise: Förderung ja, aber nicht Verpflichtung.

Pierre-André Grandgirard (CVP, Cugy) warnte: Zweisprachigkeit schon in jungen Jahren gehe zulasten anderer, wesentlicher Kompetenzen. Grundbildung sei einfacher in der Muttersprache. Zweisprachige Module wären aber möglich.

Zur Besonnenheit riefen auch Patrick Schneuwly (SP, Düdingen) und Hugo Raemy (SP, Murten) auf. Gerade der Seebezirk zeigt laut Raemy auch die Grenzen der Zweisprachigkeit. Denn perfekt bilingue könne nur sein, wer in einer bilinguen Umgebung lebe; «die Schule kann das nicht simulieren». Und Antoinette de Weck (FDP, Freiburg) mahnte, es sei Idealismus, anzunehmen, dass sich Kindergärtler über die Sprachgrenzen hinweg austauschten. Ihre Erfahrung als Schulvorsteherin zeige, dass sogar die Lehrer getrennte Tische im Lehrerzimmer hätten.

«Danke» statt «grazie»

Suter warb mit der Chance, welche zwei Kulturen und Sprachen dem Kanton böten. Man müsse den Trumpf ausspielen. Als perfekt Zweisprachiger fühle er, dass ein Umbruch stattfinde. Diese Bewegung müsse man vorantreiben. Laut Susanne Aebischer (CVP, Kerzers) zeigt die tägliche Realität, dass es sich lohne, auf den anderen zuzugehen. Christa Mutter (Grüne, Freiburg) forderte in der Sprachenfrage Taten statt Worte und dass der Kanton fördern statt bremsen solle. Sie argumentierte auch mit der Chancengleichheit: Alle Kinder sollten dieselben Voraussetzungen für das Berufsleben haben. Ursula Krattinger (SP, Düdingen) warf das Sprichwort «Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr» in die Runde. Und André Schneuwly rief den Rat auf, ein klares Zeichen zu setzen.

Die Debatte kippte, als mehrere französischsprachige Deputierte sich für den Antrag Suter ins Zeug legten. Der Freiburger Syndic Pierre-Alain Clément (SP) forderte mehr Innovationswillen und die Überwindung des «Röstigrabens». Christian Ducotterd (CVP, Grolley) betonte, dass Freiwilligkeit oft nicht reiche. Was aber im Gesetz festgeschrieben sei, sei bindend. Madeleine Hayoz (CVP, Cressier) betonte die Wichtigkeit, die Lehrer an Bord zu haben, wenn es um die Förderung der Zweisprachigkeit gehe. Giovanna Garghentini Python (SP, Freiburg) rief ihre frankofonen Kollegen dazu auf, die Angst vor der deutschen Sprache abzulegen. Louis Duc (unabhängig, Forel) schliesslich bedauerte, dass er sich einmal in St. Gallen für das Bier, das er in der Beiz bekam, auf Italienisch bedanken musste: «Grazie!»

Verwirrspiel: Die Folgen einer doppelten Negation

S tecken geblieben ist der Grosse Rat in der Debatte um die Kleidervorschriften. Nach einer turbulenten Debatte beschlossen die Fraktionschefs, den Punkt im Juni noch einmal aufzunehmen. Die Vorgeschichte: Gegen den Willen von Staatsrat und Kommission hatte das Parlament im März einen Antrag von Didier Castella (FDP, Pringy) für ein «Burkaverbot» angenommen. Für die zweite Lesung unterstützte die Kommission den Antrag mit sechs zu fünf Stimmen.

Neu lag dazu ein Antrag von Emanuel Waeber (SVP, St. Antoni) für ein Kopftuchverbot auf dem Tisch: «Es geht darum, nicht nur das Gesicht sondern, auch den Kopf frei zu halten», erklärte er. Es brauche ein kantonales Gesetz. Die SP lehnte das Verbot grundsätzlich ab und forderte eine pragmatische Lösung. Roger Schuwey (SVP, Im Fang) warnte vor einer laschen Haltung: «Wir verkaufen unsere Identität und das Christentum. Es könnte sein, das irgendwann in diesem Rat Frauen mit Kopftuch sitzen.» Markus Bapst (CVP, Düdingen) ermahnte ihn, keinen Religionskrieg zu führen, und sagte: «Wenn wir den Antrag annehmen, unterrichtet hier keine Ordensschwester mehr.» Später zog Waeber seinen Kopftuch-Antrag zurück.

Dann nahm Erziehungsdirektor Jean-Pierre Siggen (CVP) Stellung zum Burkaverbot: «Der Staatsrat wehrt sich nicht dagegen.» Damit löste er Verwirrung bei der SP aus. In der Kommission habe Siggen sich nicht geäussert, argumentierte SP-Fraktionschef Pierre Mauron (Riaz) nach der Sitzung. Siggens Ja traf die Partei unvorbereitet. Sie hatte keinen Gegenantrag bereit. Bis sie so weit war, blockierte Castella mit einem Ordnungsantrag eine Abstimmung. Mauron wehrte sich, das Vorgehen sei nicht korrekt gewesen. Castella hatte unterdessen die Meinung geändert und beschlossen, einen Ordnungsantrag zu stellen, der seinen eigenen Ordnungsantrag wieder aufhob und eine Abstimmung ermöglichte. Dazu kam es nicht mehr. Die Sitzung wurde ver tagt. fca

Schulgesetz-Debatte: Deutschfreiburger Anliegen blieben auf der Strecke

W ie schon in der ersten Lesung stand der Seebezirk in der Frage der Revision des Schulkalenders im Offside. Hugo Raemy (SP, Murten) hatte sich noch einmal für zwei Wochen Sportferien und frühere Herbstferien eingesetzt. Er erhielt über die Parteigrenzen hinweg Unterstützung – aber nur 28 Stimmen. 58 waren gegen eine Reform.

«Mein Vorstoss ist kein Angriff auf die religiösen Traditionen des Kantons», sagte Raemy. Aber zum Wohl der Schüler, die mit dem Systemwechsel einen regelmässigeren Wechsel zwischen Schule und Ferien erhielten, und der Eltern sollten die Ferien angepasst werden; auch der Tourismus würde davon profitieren. Ueli Johner (SVP, Kerzers) gab ihm Feuerschutz: «Man darf nicht alles über den gleichen Leisten schlagen.» Der Rest des Kantons müsse dem Seebezirk entgegenkommen und sich flexibler zeigen. André Schneuwly (Freie Wähler, Düdingen) fand: Herbstferien Ende Oktober seien für manche Familie zu spät im Jahr, um noch mal richtig Ferien machen zu können.

Die Gegner kamen aus dem französischsprachigen Kantonsteil. Denis Grandjean sagte im Einklang mit Erziehungsdirektor Jean-Pierre Siggen, die Tradition und die gesellschaftliche Realität im Kanton sprächen gegen das Anliegen. Und eine Verkürzung der Sommerferien um eine Woche würde der Wirtschaft schaden. Für Tabakbauer Pierre-André Grandgirard (CVP, Cugy) sind selbst die aktuellen Sommerferien zu kurz. Er sei auf die Hilfe seiner Kinder angewiesen. Anne Meyer Loetscher (CVP, Estavayer-le-Lac) äusserte die Befürchtung, dass durch einen Systemwechsel das Familienleben Schaden nehmen könnte. Zudem warnte sie vor der Hitze im Sommer, welche das Lernen erschweren würde.

Mehrheit für Elternräte

Chancenlos waren auch die Bemühungen von Solange Berset (SP, Belfaux), nachhaltige Entwicklung als Ausbildungsziel ins Gesetz zu schreiben. Sie erhielt nur einen Drittel der Stimmen. Bernhard Schafer (CSP, St. Ursen) konnte sich ebenso wenig durchsetzen. Im Rahmen der Elternmitwirkung hatte er Alternativen zum Elternrat gefordert, zum Beispiel regelmässige Umfragen. André Schneuwly unterstützte ihn: Elternräte hätten im Gegensatz zu Schulkommissionen keine Kompetenzen und könnten keine Kontinuität gewährleisten. Erziehungsdirektor Siggen mahnte, die Elternräte seien ein wichtiger Teil des Gesetzes, und dieses sei fein austariert. Die Eltern würden in die Pflicht genommen. 26 Grossräte hielten Schafer die Stange, 59 lehnten den Antrag ab.

Feiern kann dafür David Bonny (SP, Prez-vers-Noréaz). Der Grosse Rat bestätigte seine Forderung aus der ersten Lesung des Schulgesetzes nach der expliziten Erwähnung der Kunst-Sport-Ausbildung. Siggen war dagegen, einen einzelnen Lehrgang ins Gesetz zu schreiben. Bonnys Antrag erhielt 56 Stimmen, 24 waren dagegen. fca

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