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«Dann grüsst man halt einfach zurück»

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«Dann grüsst man halt einfach zurück»

Als eineiiger Zwilling kann man auf der Strasse schon mal von wildfremden Menschen angesprochen werden

Zum zweiten Mal nach 1989 trafen sich die Mitglieder des Schweizerischen Zwillingsvereins dieses Wochenende in Murten. Dass das Zwillingsleben etwas Spezielles ist, können die Betroffenen nur bestätigen.

Von PATRICK HIRSCHI

Das fängt schon beim Vereinsvorstand an. Dieser besteht aus fünf Mitgliedern – das bedeutet in diesem Fall jedoch zehn Personen. Jedes Amt ist mit einem Zwillingspaar besetzt. «Das hat im schweizerischen Vorstand Traditon», sagt Adelheid Signer. Zusammen mit ihrer Schwester, Astrid Baumgartner, amtet sie als Präsidentin des Vereins. Probleme wegen Meinungsverschiedenheiten gebe es da keine.

Eineiig und einig

Im Gegenteil: Das Klischee, dass Zwillinge ein Herz und eine Seele sind, bestreiten die Vorstandsmitglieder gar nicht erst. Gerade bei den Eineiigen herrsche ein enges Gefühl der Zusammengehörigkeit, ist Peter Stutz überzeugt. «Mein Bruder und ich haben schon beinahe telepathische Fähigkeiten entwickelt.»

Dies zeigte sich bei einem Vorfall vor ein paar Jahren. Peter erinnert sich, dass er damals während einigen Minuten sehr viel an seinen Bruder Paul – beide arbeiten übrigens als Polizisten – gedacht hatte. Kurze Zeit später wurde ihm mitgeteilt, dass sein Bruder gerade eben in eine gefährliche Schiesserei mit einem Verbrecher verwickelt war.

Als Kinder hätten sie häufig auch die gleichen Schulnoten erhalten, obwohl sie nicht immer nebeneinander gesessen sind. Und es sei auch schon vorgekommen, dass sie unabhängig voneinander im Kaufhaus denselben Pullover gekauft haben. Oft ziehen sie dann auch für den gleichen Anlass dieselben Kleider an, ohne sich vorher abgesprochen zu haben.

Sonnen- und Schattenseiten

Karin Hugener und Monika Rohner sehen allerdings auch gewisse Schattenseiten im Zwillingsdasein. Man entwickle als Zwilling erst viel später eine gewisse Selbständigkeit. «Wenn man nach der obligatorischen Berufsschulzeit zum ersten Mal im Leben alleine in eine neue Berufsschul- oder Kollegiumsklasse kommt, hat man doch ein etwas mulmiges Gefühl.» Doch auch das sei nach einer gewissen Zeit zu meistern.

Ein weitaus tragischeres Beispiel ist die Geschichte von zwei Zwillingen, die sich sogar die Freundin geteilt haben. Als aber die Frage im Raum stand, welcher der beiden die Frau nun heirate, konnten sie sich zu keiner Entscheidung durchringen. Beide haben daraufhin gemeinsam Selbstmord begangen.

Die Vorstandsmitglieder des Vereins hingegen beteuern allesamt, dass sie das Zwillingsdasein geniessen. Für einige von ihnen habe es in der Teenagerzeit mal eine Phase gegeben, wo sie es satt hatten, ständig darauf angesprochen zu werden. Aber jetzt komme so etwas nicht mehr vor.

«Es passiert immer noch, dass mich wildfremde Menschen auf der Strasse mit einem «Hallo Paul» begrüssen», weiss Peter Stutz zu berichten. Früher habe er dann stets lang und breit erklärt, dass er eben der Zwillingsbruder sei. «Aber irgendwann kommt der Moment, wo man halt einfach nur noch freundlich zurückgrüsst», erklärt er mit einem Schmunzeln.
Zwilling zu sein ist natürlich eine ideale Voraussetzung, um seinen Mitmenschen zwischendurch auch mal einen kleinen Streich zu spielen. Peter Stutz: «Mein Bruder und ich machten je eine unterschiedliche Lehre in demselben Betrieb. Damals wurde der Lohn noch persönlich ausbezahlt. Einmal habe ich mir erlaubt, neben meinem eigenen Zahltag auch noch jenen von meinem Bruder abzuholen.» Paul ist damals leer ausgegangen – allerdings nur vorübergehend, wie es sich für Zwillinge gehört, die so gut miteinander klarkommen.
Und als Astrid Baumgartner und Adelheid Signer in einer Festwirtschaft als Kellnerinnen aushalfen, konnten sie der Versuchung nicht widerstehen, zu vorgerückter Stunde ihre Namensschilder auszutauschen. Damit verwirrten sie sogar jene Bekannten, die sich bisher damit brüsteten, die beiden voneinander unterscheiden zu können.

Traktanden und Unterhaltung

Die Mitglieder des Schweizerischen Zwillingsvereins haben sich in Murten nicht nur zum Vergnügen getroffen. Am Samstagnachmittag hielten sie ihre jährliche Generalversammlung ab.

Anschliessend lud die Stadt Murten im Rathaus zu einem Begrüssungsapéro ein. Zum Nachtessen ging es sodann ins Hotel Enge, wo auch der Unterhaltungsabend stattfand.
Musikalisch wurde der Abend vom Innerschweizer Quintett «Kapfenburger» untermalt. Als Überraschungsgast trat Theo Lagger auf, der in seinem Programm sämtliche Sangesdiven von Marlene Dietrich über Nana Mouskouri bis zu Tina Turner imitieren kann. Ebenfalls nicht fehlen durfte die Tombola. Ein Teil der Tombolaeinnahmen wird jeweils an krebskranke Kinder sowie an die
Aktion «Denk an mich» gespen-
det. Zum Abschluss am Sonntagvormittag ging es dann mit dem Schiff auf eine Rundfahrt auf dem Murtensee.
Pflege der
Kameradschaft

Anlässlich des ersten Zwillingstreffens am 24. Oktober 1976 in Zürich hatte ein Elternpaar von Zwillingen den schweizerischen Zwillingsverein gegründet. Sinn dieses Vereins ist hauptsächlich die Pflege der Kameradschaft unter Zwillingen sowie die Durchführung von Zwillingstreffen und kulturellen Veranstaltungen.

Politische Anliegen jeglicher Art verfolgt der Verein nicht. «Probleme mit Zwillingen bieten sich allenfalls für deren Eltern», sagt Astrid Baumgartner. Doch für Fragen der Finanzierung oder der Erziehung gibt es spezielle Vereine für Eltern von Zwillingen.
Der Verein ist an und für sich einzig Zwillingen vorbehalten. Mehrlinge (Drillinge, Vierlinge usw.) sind aber als Gäste an den Treffen stets willkommen. hi/Comm.

Schweizerischer Zwillingsverein, Astrid Baumgartner und Adelheid Signer, Bundesrat-Rudolf-Minger-Str. 6, 3054 Schüpfen. Tel/Fax: 031 879 07 24 oder Tel. 056
284 16 81.
Eineiig, zweieiig?

Eineiige Zwillinge entstehen durch die Befruchtung einer Eizelle, welche sich sehr früh in zwei selbständige, entwicklungsfähige Teile teilt. Beide Teile besitzen eine eigene Fruchthöhle und Plazenta. Eineiige Zwillinge haben immer das gleiche Geschlecht und die Erbanlagen sind identisch.

Zweieiige Zwillinge entstehen durch die Befruchtung zweier Eizellen. Sie können sich gleichen, können aber auch unterschiedlichen Geschlechts sein. Die Erbanlagen sind ebenfalls unterschiedlich.

In Mitteleuropa kommen bei etwa jeder 80. Geburt Zwillinge zur Welt. Beim Aruba-Stamm in Afrika passiert dies bei ungefähr jeder 25. Geburt. Schuld daran hat ein spezielles Gen. Eher selten sind Zwillingsgeburten in ostasiatischen Ländern wie Japan oder Nord- und Südkorea hi/Comm.

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