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Das Dienstmädchen und der Philosoph

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Nein, es handelt sich nicht um ein politisches Sachbuch! Zwar erfährt man einiges über die Denkweise und das Werk von Karl Marx. Den Autorinnen gelingt es meisterhaft, sozusagen «ganz nebenbei» die wichtigsten Thesen des grossen Gesellschaftstheoretikers Marx in den Roman einzuflechten – und das in einer angenehm leicht verständlichen Sprache. Weder Marx selbst noch seine Gedankenwelt spielen die Hauptrolle in diesem historischen Roman. Hauptfigur ist das Dienstmädchen Helena Demuth, genannt Lenchen.

Man kann auch von einem Sittengemälde sprechen, das einen Grossteil des 19. Jahrhunderts abdeckt. Mit einzigartigem Einfühlungsvermögen und Liebe zum Detail erzählen die Autorinnen über den Zustand der Gesellschaft, die Nöte und ungeheure Armut des einfachen Volkes und die aufkommenden Unruhen innerhalb des Bürgertums und der Arbeiterschaft: «Ein Gespenst geht um in Europa!» Im Zentrum steht eine Liebesgeschichte: Lenchen Demuth, Karl Marx und eine Liebe, die nicht sein durfte. Karl Marx: Sein Name ist weltberühmt. Ebenso sein Programm, das unter anderem den Unterbau für die russische Revolution und den Kommunismus lieferte: «Proletarier aller Länder, vereinigt euch!» Im Verlaufe des 20. Jahrhunderts pervertierte das marxsche System zur Diktatur. Und heutzutage, zu Zeiten des entfesselten Kapitalismus und der überbordenden Globalisierung, feiern seine Ideen eine schüchterne Renaissance.

So weit, so bekannt. Aber haben Sie schon einmal etwas von Helena (Lenchen) Demuth gehört? Als Ich-Erzählerin ist sie die unbestrittene Hauptakteurin. Lenchen stammt aus dem saarländischen St. Wendel, einer Kleinstadt, ein Steinwurf von Trier entfernt, dem Geburtsort von Karl Marx. Bittere Armut treibt sie dazu, in Trier eine Stelle als Dienstmädchen bei der Familie von Westphalen anzunehmen. Hier trifft sie auf deren Tochter Jenny, die schliesslich den sehr intelligenten, eigenwilligen, jungen Revolutionär Karl Marx heiratet und eine Familie gründet. Es erwartet die Familie und das Dienstmädchen ein Leben auf der Überholspur. Das Gedankengut der Revolutionäre, deren geistiger Übervater Marx ist, versetzt Aristokratie und Geldelite in Angst und Schrecken. Der lange Arm der preussischen Monarchie zwingt die Marxens und andere Revolutionäre immer wieder zur Flucht, von Trier nach Paris, dann nach Brüssel und zuletzt nach London, wo sie ein Leben am Rande des Existenzminimums führen. Lenchens Rolle wird dank ihrer Tüchtigkeit und Opferbereitschaft immer wichtiger, ohne sie geht in der Familie gar nichts.

Als Haushälterin und Dienstmädchen angestellt, wird sie zum Familienmitglied. Die Kinder sind ihr ans Herz gewachsen. Jenny Marx und Lenchen werden Freundinnen und begegnen sich auf Augenhöhe. Trotz der gewaltigen Arbeitslast findet sie noch Zeit, den in Sachen Finanzen untüchtigen Karl zu unterstützen, bis sich eine heimliche Liebe entwickelt, die nicht folgenlos bleibt und den Familienfrieden auf eine harte Probe stellt.

Die Verbindung zwischen Fiktion und historisch belegten Fakten ist den Autorinnen überzeugend gelungen und macht diesen grossartigen Roman zu einem wahren Lese­genuss.

Nadja und Claudia Beinert: «Revolution im Herzen: die heimliche Liebe des Karl Marx»; historischer Roman, München: Knaur, 2018, 477 S.

Aldo Fasel ist Leiter der Volksbibliothek Plaffeien-Oberschrot-Zumholz.

Zu den Personen

Das Werk von Zwillingsschwestern

Claudia Beinert, Jahrgang 1978, ist genauso wie ihre Zwillingsschwester Nadja in Stassfurt geboren und aufgewachsen. Claudia studierte Internationales Management in Magdeburg. Sie lebt und schreibt in Erfurt und Würzburg. Nadja ist in der Filmbranche tätig und ist in Erfurt zu Hause.

af

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