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Das Eidgenössische in Estavayer verspricht viel Romandie-Charme

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Sie sind als Direktorin des Schwing- und Älplerfestes im August 2016 in Estavayer die erste Frau in der Chefetage eines Eidgenössischen. Fühlen Sie sich deshalb speziell unter Beobachtung?

Am Anfang schon. Der Entscheid wurde in der Schwingerwelt schon mit Überraschung aufgenommen. Mittlerweile ist das aber überhaupt kein Problem mehr. Schliesslich wurde ich für diese Aufgabe wegen meinen Fähigkeiten und Erfahrungen ausgewählt und nicht, weil ich eine Frau oder ein Mann bin. In der Westschweiz war das kein grosses Thema. Die Romandie ist recht offen. Zudem sind wir ein Team, und ich werde unterstützt vom Präsidium und dem Steuerungsausschuss, der die Aufgabe eines Verwaltungsrates hat. Darin sind die Schwinger sehr gut vertreten. Schliesslich bin ich zusammen mit ihnen sowie meinen Abteilungsleitern und Stabchefs für die Organisation des Eidgenössischen verantwortlich.

 

 Wie sind Sie als Frau überhaupt aufgenommen worden im Kreis der Schwinger, der ganz spezielle und eigene Traditionen kennt?

Das war eigentlich kein Problem. Es gibt durchaus auch Frauen, die im Schwingsport engagiert sind. So sind einige Frauen in Vorständen von Schwingerklubs anzutreffen. Es gibt auch Präsidentinnen von Klubs oder von Organisationskomitees von Schwingfesten. Der Anteil der Frauen im Schwingsport wird eher unterschätzt. Unter den Zuschauern finden sich gleich viele Frauen wie Männer. Mittlerweile steht man als Frau an einem Schwingfest genau so lange an bei den Toiletten wie die Männer (lacht).

Sie tragen zum ersten Mal die Verantwortung für einen solch grossen Anlass. Warum hat man Sie für die Aufgabe als Direktorin gewählt?

Das war zu einem grossen Teil Zufall. Ich habe ja bereits im Organisationskomitee der Fussball-Europameisterschaft Euro08 mitgearbeitet. Prägend war auch meine Arbeit am Bundesamt für Sport in Magglingen im Zusammenhang mit Sportgrossanlässen und Projektarbeit. Zuletzt war ich als Projektleiterin bei der Reorganisation des Freiburger Kantonsgerichts verantwortlich. Ich brauche Herausforderungen. Schliesslich wurde ich von mehreren Leuten angesprochen, dass sie eine Direktorin für das Eidgenössische suchen, und ich habe mich gemeldet.

Und Sie haben sofort Ja gesagt?

Ich habe mir das schon gut überlegt. Denn ich wusste, was etwa auf mich zukommt. Man lebt drei, vier Jahre nur für einen Anlass, und nach dem Höhepunkt ist auf einmal gar nichts mehr da. Aber der Entscheid war klar. Die Chance, bei so einem wichtigen Anlass dabei zu sein, kommt vielleicht nie wieder. Nicht zuletzt ist es auch eine Ehre, für den Schwingsport und den Kanton Freiburg so einen wichtigen Anlass zu organisieren.

 

 Welche Erfahrung hilft Ihnen für die Organisation des Schwingfests mehr: die Tätigkeit im Rahmen der Euro08 oder die Reorganisation des Kantonsgerichts?

Beide. Von der Euro08 nehme ich die Erfahrungen aus der Organisation eines grossen Anlasses und ein grosses Netzwerk mit, das weit über den Kanton hinaus geht. Und als Verantwortliche bei der Reorganisation des Kantonsgerichts musste ich ein Projekt von 0 auf 100 hochfahren, bei dem am Anfang noch niemand wusste, wo genau man hin will. Schliesslich lernt man bei jeder solchen Aufgabe auch laufend dazu. Sicher hilft mir auch meine Ausbildung als Juristin, strukturiert zu denken und damit ich mich nicht in den Details verliere.

 

 Sie wohnen schon länger in Kerzers, Werner Jakob vom Schwingklub Kerzers ist in Estavayer für das Ressort Sport zuständig. Zudem wird ein Jahr nach dem Eidgenössischen in Estavayer das Südwestschweizerische Schwingfest in Kerzers stattfinden. Was bedeutet das für Sie?

Es freut mich, dass ein Jahr nach dem Eidgenössischen an meinem Wohnort ein weiteres wichtiges Schwingfest ausgetragen wird. Das Eidgenössische in Estavayer ist aber nicht mit anderen Schwingfesten vergleichbar. Es geht weit über die Broyeregion und das Seeland hinaus. Es ist ganz klar ein nationaler Anlass, der von der ganzen Romandie, vom Kanton Freiburg sowie der Region unterstützt wird. Auch das OK ist gemischt mit französisch- und deutschsprachigen Mitgliedern. Das Fest bildet eigentlich das ab, was der Kanton Freiburg ausmacht: eine enge Partnerschaft mit dem Kanton Waadt, zumindest in der Region Broye, die Zweisprachigkeit und auch die Zusammenarbeit von Leuten aus allen Bezirken.

 

 Hat das Eidgenössische Auswirkungen auf die Schwingklubs der Region und im Kanton?

Das hoffen wir natürlich. Vor allem auch für die Westschweiz, wo Schwingen nicht so populär ist wie in der Deutschschweiz oder im Kanton Freiburg. Auch gibt es im Kanton Freiburg nach den Rücktritten von Hans-Peter Pellet und Stefan Zbinden noch keine ähnlich populären Nachfolger. Das Eidgenössische kann den nach wie vor steigenden Trend des Schwingsports sicher noch zusätzlich befruchten.

 

 Schwingen gilt als ein von Deutschschweizern geprägter Sport. Gibt es in Estavayer deshalb ein Deutschschweizer Schwingfest, das in der Romandie stattfindet, oder doch eher ein von der Romandie geprägtes Fest?

Es wird eine Mischung aus beidem sein und kein Schwingfest, wie wir es aus den anderen Teilverbänden kennen. Ich mache selber die Erfahrung, dass sich in der Deutschschweiz viele darauf freuen, wieder einmal ein Eidgenössisches in der Westschweiz zu erleben, weil diese Feste einen speziellen Charme hätten. In Estavayer wird eine andere Ambiance herrschen als in Burgdorf oder Frauenfeld davor. Und darauf freuen sich offensichtlich viele in der deutschsprachigen Schweiz. Und diesen Charme wollen wir auch ausspielen.

 

 Das heisst, es gibt neben Bier und Bratwurst auch Wein und frittierte Fische? Gerade das Fehlen von Bratwurst-Ständen wurde beispielsweise an der Air14 kritisiert.

Es wird natürlich beides geben. Und gerade das wird Estavayer zu einem besonderen Erlebnis machen, weil man bei uns beide Mentalitäten spüren und erleben kann. Und da kommt auch wieder Freiburg ins Spiel, der als Kanton in der Schweiz eine Brückenfunktion zwischen den Kulturen hat.

 

 Das Eidgenössische wird vom Freiburgischen Schwingerverband ausgetragen. Die Arena ist aber auf dem Flugplatz im waadtländischen Payerne. Wie viel Freiburg und wie viel Estavayer stecken im Anlass?

Es wird trotzdem ein Freiburger Fest sein, auch wenn es auf Waadtländer Boden stattfindet. In der Broye sind die Grenzen fliessender als anderswo. Das ist auch geografisch bedingt. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man hier deshalb auf fast natürliche Weise über die Kantonsgrenzen hinweg zusammenarbeitet. Man unterstützt sich in der Region Broye gegenseitig. Und auch das ist ein schöner Aspekt des Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest in Estavayer.

 

 Und die Standortwahl zugunsten von Estavayer und gegen Neuenburg war ein Vernunftsentscheid?

Das ist so. Das Eidgenössische braucht eine so grosse Infrastruktur, das man das Fest nur schwer auf einer grünen Wiese austragen kann. Das ist schon möglich, aber nur schon für den Materialtransport zum Bau der Arena für die 52 000 Zuschauerinnen und Zuschauer müssten neue Zufahrten gebaut werden, wie etwa beim letzten Fest in Burgdorf. Der Flugplatz bietet ideale Bedingungen. Und die Air14, mit einem ähnlich hohen Aufkommen von über 100 000 Besuchern pro Tag, hat gezeigt, dass der Flugplatz in Payerne diese Menschenmassen empfangen kann.

Zur Person

Eine Juristin mit viel Sporterfahrung

Isabelle Emmenegger ist 38-jährig und kommt ursprünglich aus dem Entlebuch, lebt aber seit vielen Jahren im Kanton Freiburg. Nach ihrer Ausbildung zur Lehrerin studierte sie an der Universität Freiburg Recht. Nach dem Studium war sie mehrere Jahre am Bundesamt für Sport in Magglingen tätig und arbeitete während dieser Zeit für die Projektorganisation des Bundes für die Euro08. Zuletzt war sie für die Reorganisation des Freiburger Kantonsgerichts verantwortlich.tk

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