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Das Freilichtspiel «1476» in Murten ist auch Geschichtsunterricht

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Schon von weitem ist es zu sehen, das mittelalterliche Zeltlager ob Murten. Die Infrastruktur des Freilichtspektakels «1476» mit seinen verschiedenen Ritterstuben ist grossartig. Eine riesige Bühne samt Tribüne lässt die Vorfreude auf das Spiel ansteigen. Rechts und links des Weges stehen Wachleute, gut behütet kommen die Theaterbesucher an der Premiere vom Dienstag auf ihren Plätzen an. Dort liegen Militärdecken bereit. Spottet der eine oder andere Zuschauer noch über deren raue Oberfläche, werden sich die Decken zwei Stunden später als Rettung vor der Kälte erweisen. Dafür ist die Aussicht auf den Murtensee und den Mont Vully genial.

Starker Bruder Klaus

Die Geschichte rund um die Schlacht bei Murten 1476 beginnt: Ein Erzähler in der Gestalt des Niklaus von der Flüe betritt die Bühne. Es sind leise, besonnene Töne, die Bodo Krumwiede in der starken Rolle des Bruder Klaus während der Vorführung immer wieder in kurzen Sequenzen anschlägt. Sie bilden den roten Faden in dem anspruchsvollen Stoff, der am Dienstag bis am späten Abend über die Freilichtbühne ging. Nur pure Unterhaltung ist das Stück nicht.

Die Dialoge sind teils lang und setzen voraus, dass Wissen über den Verlauf der Geschichte von damals in den Köpfen der Zuschauer vorhanden ist. Es geht um die Ereignisse zwischen der Belagerung von Grandson durch die Truppen des Burgunderherzogs Karl der Kühne 1476 und der Aufnahme der Kantone Freiburg und Solothurn 1481 in die Eidgenossenschaft–keine einfache Aufgabe, diese einem breiten Publikum zu vermitteln.

Für jene mit Französisch als Muttersprache ist es besonders schwierig, den Dialogen zu folgen, wie verschiedene Zuschauerinnen bestätigen. Obwohl die Darsteller auch immer wieder eine kurze Sequenz in Französisch sprechen, so wie es zur damaligen Zeit unter den Adeligen üblich war.

Yolande von Savoyen stolziert begleitet von einer Kammerzofe über die Bühne, die Kostüme sind prächtig. Von Karl dem Kühnen umgarnt, unterschreibt die Herzogin einen Vertrag, wonach Karl mit seinen Truppen auf ihrem Hoheitsgebiet einen Angriff starten darf, weil Murten damals zu Savoyen gehörte. Die Angst der Adeligen vor Macht- und Ehrverlust, die Gier nach einem noch grösseren Reich, all dies kommt in diesen ersten Szenen anschaulich daher.

Adrian und Karl

Karl der Kühne lechzt förmlich nach einem Reich bis zum Mittelmeer. Stefan Kollmuss in der Rolle als Karl der Kühne ist eine der tragenden Figuren des Stücks. Die andere ist der Berner Adrian von Bubenberg, gespielt von Joris Gratwohl. Gemäss verschiedenen historischen Quellen sind sich die beiden als Jugendliche zumindest begegnet. Geschickt sind in das Schauspiel Rückblenden eingeflochten, die diese Begegnungen aufzeigen. Beides sind junge Männer, die danach streben, auch jemand zu sein, so wie ihre Väter und die sich danach sehnen, deren Respekt zu erlangen. Diese psychologische Tiefe macht das Stück stark. Auch Einzelschicksale wie jenes des Spiezer Bauernsohns Matthis berühren, wenn auch seine Liebe zu Anna zu kurz geraten ist.

Mehrere Pferde treten in dem Stück auf, Karl der Kühne galoppiert in einer Szene wild und entschlossen davon. Die eigentliche Schlacht kommt im Stück nur in einer kurzen Sequenz fast zum Schluss vor. Alle liegen am Boden, die Schauspielerin und Sängerin Jaël Malli betritt in einem knallroten Kleid die Bühne und singt das Lied «Zeit, die Dir noch bleibt». Ihr Auftritt im knalligen Kleid und dem modernen Song katapultiert das Publikum zu abrupt in die heutige Zeit zurück.

War das Wetter anfangs noch gut, regnet es inzwischen in Strömen. Die meisten Zuschauerinnen und Zuschauer hüllen sich in die bereitgelegten Militärdecken. Das Publikum war begeistert, viele Zuschauerinnen und Zuschauer erhoben sich von den Sitzen und applaudierten lautstark.

Phänomenal, ich bin begeistert–«1476» ist Geschichte verbunden mit einer Geschichte rund um das Menschliche.

Christian Brechbühl

Stadtpräsident Murten

Die Darstellung von Freiheit und

Unabhängigkeit

hat mir sehr gefallen.

Ueli Maurer

Bundesrat

Das Stück hält sich gut an die historischen Grundlagen, das hat mir besonders gefallen.

Dominique Gachoud

Groupe-E-Generaldirektor

Wörtlich und bildlich

gesprochen:

Das Freilichtspiel

ist alles andere

als eine trockene

Geschichtslektion.

Alexander Schroeter

Gemeinderat Murten

Ich bin beeindruckt–das Stück ist aber eindeutig für Deutschsprachige.

Elisabeth Rüegsegger

Regionalverband See

Die Geschichte um die Schlacht ist noch heute aktuell, es geht immer um das Gleiche: Um Liebe, Besitz und um Macht.

Martin Maeder

Gemeinderat Kerzers

Autor: «Eine Mischung aus Information und Unterhaltung»

D er Autor und gleichzeitig auch der Regisseur des Stücks «1476» ist Mirco Vogelsang. «Ich bin sehr stolz auf meine Truppe», sagt Vogelsang am Tag nach der Premiere. «Die Figuren sind authentisch und verletzlich.» So wie er sich das vorgestellt habe. Er wolle «Karl als Mensch zeigen, der verbissen sein Grossreich realisieren und Adrian als einen, der seine Ehre behalten» wolle. Man dürfe nicht vergessen, dass die Menschen damals noch ein ganz anderes Weltbild hatten. «Das war 20 bis 30 Jahre vor Galileo Galilei, die Menschen glaubten noch, dass die Erde eine Scheibe ist.» Auch das Kastendenken habe die Zeit geprägt: «Die Rolle des Matthis zeigt auf, wie ein junger Bauernsohn nach Ruhm und Ehre strebt, etwas erreichen, etwas aus seinem Leben machen will.» Und dass dies nicht immer gelingt.

Vogelsang hat die Premiere nicht wirklich gesehen: «Ich konnte das noch nie, meine Premieren anschauen.» Er habe sich Backstage befunden und zwischendurch mit den Darstellern gesprochen. «Ich war unglaublich nervös», so der Autor. Auf die Frage, ob er das Stück eher für Erwachsene und in Geschichte versierte Zuschauer geschrieben habe, sagt Vogelsang: «Auch bei grossen Stoffen wie Hamlet muss man sich je nachdem vorgängig einlesen und gut zuhören – das Stück ist eine Mischung aus Information und Unterhaltung.» emu

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