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Das Geheimnis von La Tène

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Das Geheimnis von La Tène

Autor: Carole Schneuwly

Als Hans Kopp im Jahr 1857 im seichten Wasser der Zihl bei La Tène Überreste von Holzpfählen und Eisenwaffen entdeckte, hätte wohl niemand geglaubt, dass dieser Fund den kleinen Ort am Neuenburgersee europaweit bekannt machen würde. Heute lernt jedes Kind in der Schule von der La-Tène-Zeit (5. bis 1. Jahrhundert v. Chr.), der jüngeren Eisenzeit, die auf die Hallstatt-Zeit, die ältere Eisenzeit, folgte. La Tène sei für die europäische Urgeschichte ebenso bedeutsam wie das österreichische Hallstatt oder das südenglische Stonehenge, so La-Tène-Spezialist Gilbert Kaenel, Direktor des Museums für Archäologie und Geschichte in Lausanne.

Vielfältige Thesen

Bis heute wurden in La Tène über 4000 Objekte gefunden, die zwischen 250 und 150 v. Chr. in der Nähe zweier keltischer Brücken deponiert worden waren: Waffen und Werkzeuge, Schmuck und Münzen, Tier- und Menschenknochen. Lange Zeit gab der Fundort Rätsel auf, und viele Fragen sind noch immer ungeklärt. Bis ins frühe 20. Jahrhundert glaubte man, bei La Tène handle es sich um ein Pfahlbaudorf. Dann fand man heraus, dass die Pfähle nicht von einer Siedlung, sondern von zwei Brücken stammten. Die grosse Menge an Waffen und Waffenfragmenten liess auf einen Militärposten schliessen. Andere Thesen gingen in Richtung einer befestigten Siedlung, eines Beobachtungspostens oder einer Zollstation.

Heute sind sich die meisten Forscher einig, dass es sich bei La Tène um einen Kultort handelte. Dafür spricht die Tatsache, dass die meisten Gegenstände im ehemaligen Flussbett der Zihl geborgen wurden; wahrscheinlich hatten die Menschen sie als Opfergaben ins Wasser geworfen. Diese These würde auch erklären, warum einige der Schwerter verdreht und absichtlich unbrauchbar gemacht worden waren. Holzgefässe könnten Opferspeisen enthalten haben. Die Tierknochen, fast alle von Haustieren, zeigen Spuren ritueller Zurichtung. Und auch an menschlichen Skelettteilen, vor allem an männlichen Schädeln, wurden Verletzungen gefunden, die auf rituelle Handlungen hinweisen.

Brücken als Kultorte

Stimmen diese Annahmen, dann handelte es sich bei den Brücken um Weihe- und Gedenkstätten, wo zu Ehren einer Kriegsgottheit Trophäen, Beutestücke und Waffen, vielleicht auch Pferde- oder gar Menschenschädel zur Schau gestellt wurden. Die Doppelnutzung der Brücken als Verkehrsverbindung und Kultort und die Verbindung von Profanem und Sakralem wären für die Kelten nicht untypisch.

Trotz all dieser Erkenntnisse gibt es rund um La Tène noch immer viele offene Fragen: Wer besuchte den Ort? Wurde er andauernd benutzt oder nur gelegentlich? Handelte es sich bei den aufgefundenen Toten, darunter auch Frauen und Kinder, um Opfer, Gefangene oder aber um hochrangige Persönlichkeiten, die hier bestattet wurden?

Neue Forschungen

Um diese und andere Fragen zu klären, wurde im vergangenen Jahr ein Nationalfondsprojekt lanciert. Ein interdisziplinäres Forscherteam soll mit verbesserten Methoden die letzten Geheimnisse von La Tène lüften. Ziel ist, alle Funde und bestehenden Dokumentationen vollständig zu inventarisieren und archäologisch zu untersuchen. Dies wird dadurch erschwert, dass es zu Beginn des 20. Jahrhunderts üblich war, Fundobjekte zu verschenken, zu tauschen oder zu verkaufen. Mehrere Hundert solcher Gegenstände wurden bereits aufgespürt.

Zum 150-Jahr-Jubiläum der Entdeckung von La Tène haben das Museum Schwab in Biel und das Landesmuseum Zürich im «Keltenjahr 2007» eine Ausstellung initiiert. Aus der Ausstellung im Museum Schwab ist nun die Wanderausstellung «Keltischer Kult am Neuenburgersee» hervorgegangen, die bis Februar im Landesmuseum Zürich zu sehen ist. Weitere Stationen sind in Frankreich und Deutschland geplant. Anhand von Fundstücken, Skizzen und Zeichnungen erhalten die Besucher einen Einblick in die Welt der Kelten, in die Geschichte der berühmten Fundstelle und in die jüngsten Forschungserkenntnisse.

Schweizerisches Landesmuseum, Museumstrasse 2, Zürich. Bis zum 15. Februar 2009. Di. bis So. 10 bis 17 Uhr, Do. bis 19 Uhr. Infos: www.landesmuseum.ch.

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