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“Das ist der Tod des Schweizer Eishockeys”

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André Schultheiss ist seit Jahrzehnten Präsident des Fanclub-Sense.
Charles Ellena

Die geplanten Ligareformen der National League AG kommen bei den Fans nicht gut an. Sie fühlen sich übergangen. Die Identifikation mit dem Team gehe durch mehr Ausländer verloren, sagt André Schultheiss, Präsident des Fanclubs Sense.

Man müsse den Club-Verantwortlichen Vertrauen schenken, sagt Gottérons Generaldirektor Raphaël Berger mit Blick auf die Ligareformen, die vonseiten der Spieler und Fans mit grosser Skepsis und Widerstand beäugt werden (siehe FN vom Montag, 1. Februar). «Vertrauen ist gut, wir werden die Veränderungen aber kritisch mitverfolgen», erwidert André Schultheiss, seit Jahrzehnten Präsident des Fanclubs Sense. «Berger kann argumentieren, wie er will. Für mich sind die Reformen der Tod des Schweizer Eishockeys.» Stutzig sei er geworden, als Exponenten wie der NHL-Spieler Roman Josi, Nationalmannschaftstrainer Patrick Fischer und andere Experten etwa gegen die Aufstockung der Zahl der Ausländer geäussert hätten, so Schultheiss.

Identifikation geht verloren

Sauer stösst ihm insbesondere auf, dass die Stimmen der Fans nicht gehört werden. «Von uns erhofft man sich, dass wir das Geld für die Abonnemente von dieser Saison nicht zurückhaben wollen. Wir sollen doch solidarisch sein. Das mit der Begründung, dass man auf die A-fonds-perdu-Beiträge verzichten wolle, weil die Auflagen dafür zu streng seien.» Schultheiss fürchtet die Ligareform als solche, nicht den bisher bekannten Teil davon, dass ab der Saison 2022/23 neu sieben Ausländer erlaubt sein werden (inklusive Ausländern mit Schweizer Lizenz). «Dass sich dadurch nicht viel verändert, mag sein», sagt er. Aber die Identifikation der Fans mit den Clubs gehe eben so noch mehr verloren. «Ich bin noch aus einer anderen Generation und habe den Aufstieg miterlebt. Dass es nicht mehr so ist wie früher, ist klar. Heute ist der Sport ein Business und der Club eine AG. Es muss immer mehr investiert werden.» Er pflege deshalb auch einen guten Kontakt mit den Sponsoren und Geldgebern. «Damit ich den Fans sagen kann, weshalb es die braucht, wenn sie anprangern, dass nur die in den Logen zählen», erklärt Schultheiss. Es hätten aber nicht alle Clubs die gleichen Wurzeln wie Gottéron. Darin sieht er eines der Probleme der Ligareform.

Unterschiedliche Interessen

Es müsse sich nun zeigen, wie sich das Gesamtpaket mit dem Financial Fairplay am Ende präsentieren werde. «Es sind zwölf Clubs mit unterschiedlichen Interessen. Gewisse Vereine sind überheblich und wollen den Titel auf Teufel komm raus», sagt Schultheiss. Er ist skeptisch, ob alle am gleichen Strang ziehen werden und ob Clubs noch den Mut haben werden, auf den eigenen Nachwuchs zu setzen, wenn man einen zusätzlichen Ausländer holen kann. «Das Nationalteam und die Junioren werden leiden», ist er sicher.

Emotionen runterfahren

Auch wenn Berger sagt, dass die Juniorenliga gestärkt werden solle und die Reformen im Interesse der Clubs seien – Schultheiss glaubt nicht mehr alles, was er hört und liest. Zu schlecht war die Kommunikation zwischen den Club-Vertretern und den Fans in den letzten Wochen. Inwiefern sich die Reformen in der Fanszene auswirken werden, vermag der Präsident des Fanclubs Sense nicht abschliessend zu beurteilen. «Ich habe von einigen gehört, dass sie kein Saisonabonnement mehr nehmen werden. Aber das tut Gottéron ja nicht weh.» In den Fanclubs seien nur etwa 700 Mitglieder registriert. Er habe Verständnis dafür, wenn Fans kein Abonnement mehr wollten, zumal es für einige viel Geld sei. «Gleichzeitig habe ich vielen gesagt, dass sie mit den Emotionen zuerst runterkommen und nicht gleich Leute in den sozialen Netzwerken angreifen sollen.» Stattdessen soll weiter der Dialog mit den Club-Verantwortlichen gesucht werden. «Man darf kritisieren, auch hart in der Sache. Aber immer mit dem nötigen Respekt.»

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