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«Das ist einfach eine lokale Tradition»

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Autor: Nicole Jegerlehner

Staat und Kirche sind getrennt. Trotzdem segnen Kirchenmänner Neubauten der öffentlichen Hand – so wars, als die Stadt Freiburg im Januar im St. Leonhard die zweite Eisfläche eröffnet hat, und so wirds am kommenden Freitag sein: Dann wird die Omnisporthalle – ebenfalls im St.-Leonhard-Quartier – eingeweiht. Ist die Segnung städtischer Gebäude durch Priester und Pfarrer noch zeitgemäss?

Christoph Allenspach, Präsident der SP Stadt Freiburg, sagt: «Das ist sicher nicht mehr zeitgemäss.» Er zeigt sich sehr erstaunt darüber, dass zwei Geistliche das städtische Bauwerk einweihen werden. «Das berührt eigenartig.» Kirche und Staat sollten seiner Ansicht nach klar getrennt sein.

Kruzifix im Ratssaal

Rainer Weibel, Fraktionspräsident der Grünen, meint lakonisch: «Das ist Freiburg. Da hängt auch im Generalratssaal noch immer ein Kruzifix.» Der Gemeinderat habe in Rechtsschriften darauf hingewiesen, dass Laizismus das oberste Prinzip der Stadt sei. «Die Einweihung der Sporthalle ist nur ein Beispiel mehr, das zeigt, dass dem nicht so ist.» Die geistliche Einweihung eines öffentlichen Gebäudes stimme nicht mehr mit der sozialen Realität überein. «Die C-Parteien demonstrieren so ihre Restmacht.» Weibel schlägt vor, doch wenigstens alle relevanten Religionen einzuladen – also auch die jüdische und die islamische Gemeinde.

Jean Bourgknecht ist Vize-Syndic und Baudirektor der Stadt Freiburg und als CVP-Mitglied Vertreter einer dieser C-Parteien. Er meint: «Die Segnung von Gebäuden hat eine gewisse Tradition.» Zum einen werde damit dafür gedankt, dass die Baustelle von Unfällen verschont geblieben sei. Zum andern werde um Schutz für die künftigen Gebäudenutzer gebeten. «Wir möchten diese Tradition aufrechterhalten», sagt Bourgknecht.

Auf Anregung des katholischen Priesters sei seit der Einweihung der zweiten Eisfläche auch ein reformierter Pfarrer dabei, sagt Bourgknecht. Mit der Einweihung werde niemandem einen Glauben aufgezwungen. «Das ist einfach Tradition, ein Teil der Zeremonie», sagt Bourgknecht.

So sehen das auch viele andere. Antoinette de Weck, Fraktionspräsidentin der FDP, zeigt sich erstaunt ob der Frage, ob kirchliche Einweihungen noch zeitgemäss seien. «Ich bin gläubig, mich stört das nicht, wenn Geistliche ein Gebäude einweihen.» Das sei ein Teil der Rituale – auch wenn sie wisse, dass sich andere Personen daran stören können. Auch Thomas Zwald, Präsident der FDP Stadt, findet, die Einweihung habe durchaus ihre Berechtigung. «Da schlagen die Traditionen durch, damit habe ich keine Mühe, auch wenn diese Rituale anderswo abgeschafft worden sind.»

Klare Rollenverteilung

«Solange die Rollen klar definiert sind, mache ich mir keine Sorgen», sagt Laurent Dietrich, Präsident der CVP Stadt Freiburg. Die Trennung von Staat und Kirche müsse gewahrt bleiben. «An die Einweihung der Sporthalle werden Vertreterinnen und Vertreter aller möglichen Verbände, Vereine, Parteien und Unternehmen eingeladen – da hat auch die Kirche ihren Platz.»

Die CVP Schweiz diskutiere zurzeit intern die Bedeutung des «C» in ihrem Parteinamen, sagt Dietrich. «In der Vernehmlassung hat unsere Sektion betont, dass wir vor allem hinter der christlichen Philosophie stehen, hinter Werten wie Solidarität», sagt Dietrich. «Wir schauen das ?C? aber nicht rein kirchlich an.»

SVP-Fraktionschef Pierre Marchioni findet: «In einem christlichen Umfeld wie dem unseren stört es mich nicht, wenn Priester und Pfarrer ein städtisches Gebäude einweihen.» Um sogleich anzufügen: «Die Segnung sollte aber kurz gehalten werden, nicht so wie bei der Einweihung der zweiten Eisfläche.» Damals habe die religiöse Zeremonie so lange gedauert, dass einzelne Gäste gegangen seien. «So stört eine Segnung.»

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