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«Das ist praktisch ein Arbeitsverbot»

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Wer in diesen Tagen die Nummer eines Reisebüros wählt, bekommt niemand Geringeren als die Chefin oder den Chef persönlich an den Apparat. Die angestellten Reiseberater sind in Kurzarbeit. Dieser Zustand dauert nun schon seit Beginn der Corona-Pandemie an, sprich seit satten sieben Monaten. Und langsam droht der Branche die Puste auszugehen. So etwa der Reiseagentur Moléson Voyages in Bulle. Direktorin Sylvie Gachet musste bereits einer ihrer beiden Mitarbeiterinnen kündigen. Die Kurzarbeit sei zwar eine gute Sache, sagt sie. «Aber ich gehe nicht davon aus, dass wir so schnell wieder auf den Damm kommen.» Bis dahin müsse sie aber für die Sozialleistungen aufkommen, welche die Arbeitslosenkasse nicht übernimmt. «Und das kann ich mir nicht leisten.» Drastischer manifestiert sich die Krise beim Reisebüro Romontours. Inhaber Philippe Ayer hat Ende Juni die Geschäftsstelle in Domdidier aufgegeben und ist daran, die Filiale in Belfaux zu schliessen. In Domdidier nahm er die Pensionierung der Filialleiterin zum Anlass. In Belfaux musste er eine Kündigung aussprechen, um seine Fixkosten weiter reduzieren zu können. Somit besteht Romontours künftig nur noch aus dem Hauptsitz in Romont und einer Agentur in Oron, die Ayer als Franchisenehmer betreibt. «Es reist niemand. Auch für den Winter sind die Auftragsbücher leer. Ich habe keine Wahl», sagt Ayer gegenüber den FN – unüberhörbar frustriert und kurz angebunden.

Gründe für Reiseblockade

Gemäss Jacqueline Ulrich, Co-Managerin von L’Esprit du Voyage an der Perollesstrasse in Freiburg, ist die Lust der Kundinnen und Kunden am Reisen seit drei Wochen zwar wieder spürbar. «Aber die blöde Liste des Bundes kommt ihnen immer wieder in die Quere.» Denn welches Land von der Quarantänepflicht betroffen sei, ändere von Woche zu Woche. Oft sei nicht nachvollziehbar, warum eine Destination auf die Liste komme, wenn gleichzeitig die Fallzahlen in der Schweiz höher seien. Hinzu kämen die sich ebenfalls ständig ändernden Massnahmen im Ausland. «Man blickt nicht mehr durch.» Dies umso mehr, als nicht auszuschliessen sei, dass einzelne Länder vorgeben, tiefere Corona-Fallzahlen zu verzeichnen, als dies tatsächlich der Fall sei. So kürzlich in der Türkei geschehen. Wolfgang Boschung, Inhaber vom Reisebüro Para Travel im Freiburger Burgquartier, fügt an, dass die Fluggesellschaften zudem aufgrund der sich immerzu ändernden Entwicklung ständig ihre Flugpläne anpassten. Flüge würden gestrichen und um die Flieger zu füllen, müssten die Passagiere mehrfach umgebucht werden. «Ich hatte einen Kunden, der fünf Umbuchungen akzeptiert hat», erzählt Boschung. «Und schliesslich erfuhr er vier Tage vor Abflug, dass er am Zielort in Quarantäne muss.»

Forderungen des Reiseverbands

Die fehlende Planungssicherheit macht den Reisebüros zu schaffen. Erschwerend kommt hinzu, dass das Bundesamt für Gesundheit (BAG) die jeweils aktualisierte Liste quarantänepflichtiger Länder immer erst am Freitagnachmittag bekannt gibt, mit Gültigkeit für den darauffolgenden Montag. Dies hat zur Folge, dass die Reisebüros kaum Zeit haben, Umbuchungen vorzunehmen, damit die Kunden es unter Umständen noch schaffen, vor dem Inkrafttreten der Quarantänepflicht die Rückreise anzutreten. Der Schweizer Reiseverband ist darum beim BAG vorstellig geworden. Er fordert einerseits, dass dieses die Liste quarantänepflichtiger Länder schon am Dienstag oder Mittwoch publiziert. Und andererseits wünscht sich der Verband die Einführung von Covid-Schnelltests anstatt der langen Quarantänezeit.

Bis zu 99 Prozent Einbussen

Solange sich die Situation aber nicht grundlegend ändere, komme die aktuelle Lage für die Kunden einem Reise- und für die Reisebüros einem Arbeitsverbot gleich, wie Wolfgang Boschung von Para Travel sagt. Die bisherigen Einbussen in der Branche sind denn auch enorm. Für das Jahr 2020 rechnet David Léchot, Co-Geschäftsführer vom Reisebüro Indalo Space an der Lausannegasse in Freiburg, mit einem Umsatzverlust von 99 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die sechs Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind alle in Kurzarbeit. Jacqueline Ulrich von L’Esprit du Voyage rechnet mit einem Umsatzverlust von 95 Prozent. Selbst der ansonsten in der Branche als goldener Monat gehandelte Oktober giesst nicht ein. «Wir haben aktuell zehn Dossiers. Das sind ungefähr drei Prozent dessen, was wir sonst an Reisen verkaufen.» Auch bei Para Travel herrscht Stillstand. Boschung zeigt auf die Hängeregister für dieses und nächstes Jahr. «Diese sind sonst brechend voll. Jetzt ist gar nichts drin, ausser hier einem Flug nach Köln für 50 Fränkli und hier eine Reise, die eben annulliert worden ist.»

Ohne staatliche Hilfe geht nichts

Dass es angesichts dieser Lage die meisten Freiburger Reisebüros bisher geschafft haben, zu überleben, hat mehrere Gründe. Dazu gehören Rücklagen aus besseren Zeiten, wie Boschung sagt. Eine Chance hat zudem nur, wer die Kosten aus annullierten Reisen konsequent von den Reiseveranstaltern und Fluglinien zurückfordert, sagt Ulrich. Hier mache sich auch eine treue Kundschaft bezahlt, ergänzt Boschung. Bis Ende Jahr gelte zwar noch der Rechtsstillstand, das heisst, Forderungen können nicht auf dem Betreibungsweg geltend gemacht werden. Doch auch so zeigten sich seine Kunden sehr geduldig.

Laut David Léchot von Indalo Space, der auch die Gruppe der Freiburger Reisebüros (GAVF) präsidiert, ist aber auch klar, dass es ohne staatliche Hilfe nicht gehen würde. «Nebst dem Instrument der Kurzarbeit nahmen all unsere Mitglieder den vom Bund gewährten Überbrückungskredit in Anspruch.» Dies, obwohl der Betrag von maximal 500 000 Franken ab kommendem April in Tranchen wieder zurückbezahlt werden müsse. Ein Lichtblick bringt auch das vom Bundesparlament verabschiedete Covid-19-Gesetz, welches Selbstständigen in arbeitgeberähnlicher Stellung nun auch Erwerbsersatzentschädigung gewährt. Abgesehen von den zwei Monaten im Lockdown haben diese für ihren Lohnausfall nämlich nichts bekommen. Gemäss Hans Jürg Herren, Direktor der kantonalen Sozialversicherungsanstalt, kann es aber noch mindestens einen Monat dauern, bis das Geld von der Ausgleichskasse fliesse. Denn es gelte, noch vieles zu klären, wie etwa die genaue Berechnung des Umsatzverlusts, auf dem die Entschädigung basiert. Hoffnungen setzt die Branche in Freiburg auch auf die vom Grossen Rat verabschiedeten 15 Millionen Franken für Härtefälle. Noch ist aber nicht klar, wem genau, wann und wie das Geld ausgeschüttet wird. David Léchot räumt aber ein: «In Freiburg haben wir gute Chancen, davon etwas abzukriegen. Das ist in anderen Kantonen anders. Ich bin stolz, hier zu sein.»

Aufschwung nicht vor 2022/23

Léchot und Ulrich haben ausgerechnet, dass sie ohne weitere Hilfen noch bis Ende Juni 2021 überleben können. Insgesamt zeigen sich die angefragten Reisebüros in Freiburg zudem zuversichtlich, dass das Geschäft eines Tages wieder anziehen wird. Allerdings nicht vor 2022/23. Nebst der Eindämmung des Virus werde es Zeit brauchen, bis das Vertrauen bei der Kundschaft wieder zurück sei, glaubt Ulrich. «Denn Corona ist ein globales Problem. Ob die Leute wieder reisen werden, hängt auch davon ab, wie es um die Gesundheitsversorgung in Reisedestinationen wie Asien oder Nord- und Südamerika bestellt sein wird.» Ganz abgesehen davon stelle sich auch die Frage, wie viele Fluggesellschaften die Krise überhaupt überleben würden.

Zahlen und Fakten

Die Krise bedroht die Existenz von Reisebüros

Im August prognostizierte Hanser Consulting im Auftrag des Staatssekretariats für Wirtschaft für die Reisebürobranche im Jahr 2020 einen Reinverlust von 347 bis 523 Millionen Franken. Das entspricht einem Umsatzrückgang von 70 Prozent. Gemäss Wolfgang Boschung von Para Travel in Freiburg gab es vor 20 Jahren in der Schweiz noch über 3000 Reisebüros, heute seien es noch 1300. Boschung geht davon aus, dass unter der Corona-Pandemie noch weitere Unternehmen schliessen müssen. Er rechnet mit bloss 1000 Unternehmen, die überleben werden. Wie jede Krise dürfte darum auch die Corona-Krise die Reisebüros dazu zwingen, über ihre Geschäftsmodelle nachzudenken. Damit die «Leute eines Tages merken, was die Reisebüros leisten», wie Philippe Ayer von Romontours sagt, wird es noch viel Überzeugungsarbeit brauchen. In erster Linie gehe es darum aufzuzeigen, dass gute Beratung oft nachhaltiger sei als das Online-Schnäppchen, sagt David Léchot vom Reisebüro Indalo Space in Freiburg. Sei es, wenn es darum gehe, Geld für annullierte Reisen zurückzuerhalten, oder aber, wenn es darum gehe, vier Zwischenlandungen mit hohem CO2-Ausstoss durch einen etwas teureren Direktflug zu vermeiden. Jacqueline Ulrich vom Reisebüro L’Esprit du Voyage jedenfalls nutzt die tote Zeit, um am Reisebüro der Zukunft zu arbeiten. Wie ihr neues Businessmodell aussehen soll, verrät sie noch nicht.

rsa

«Es reist niemand. Auch für den Winter sind die Auftragsbücher leer. Ich musste die Filialen schliessen.»

Philippe Ayer

Inhaber von Romontours

«Ob die Leute wieder reisen, hängt auch davon ab, wie es um die Gesundheitsversorgung in den Reisedestinationen bestellt sein wird.»

Jacqueline Ulrich

Co-Managerin von L’Esprit du Voyage

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