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Das Leben kleben

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Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Autor: Giovanna Riolo

Wegen einer Nichtigkeit zerstreiten sich die Eheleute Sinclair, und Rip verlässt Georgie. Mit dem halbwüchsigen Sohn Ben hat sie auch so ihre Probleme, denn der driftet übers Internet in die Welt der «Endzeitler» ab und spricht nur noch vom nahenden Weltuntergang. Mit ihrer erwachsenen Tochter verbinden sie einzig banale SMS-Mitteilungen und seltene Telefongespräche.

Tage ohne Struktur

Georgie versucht allein gelassen, ihr Leben in den Griff zu bekommen, indem sie sich einen strukturierten Tagesablauf vorgibt, den sie aber nie und nimmer einhält. Einerseits schreibt sie seit Urzeiten begeistert an einem Roman mit dem ominösen Titel «Das verspritzte Herz», andererseits redigiert sie ein Klebstoff-Fachmagazin, eine Tätigkeit, die sie weit weniger fasziniert, aber der notwendigen Einkommensbeschaffung dient.

Ein Treffen mit Folgen

Als sie die schrullige alte Dame Naomi Shapiro trifft, die mit sieben Katzen in einem heruntergekommenen alten Haus mit dem biblischen Namen «Canaan» wohnt, nimmt Georgies Leben einen völlig neuen Lauf. Mrs. Shapiro ist während des zweiten Weltkriegs als verfolgte Jüdin aus Deutschland nach England geflohen, ihr verstorbener Mann war ein begnadeter Geiger aus Russland.

Georgie kümmert sich um die gebrechliche Frau und setzt sich vehement für sie ein, als diese gegen ihren Willen ins Altenheim abgeschoben werden soll. Gleichzeitig ist sie vollauf damit beschäftigt, einer selbstherrlichen Sozialarbeiterin ein Schnippchen zu schlagen, schmierige Immobilienmakler abzuwimmeln, die sich Shapiros wunderschöne Anwesen unter den Nagel reissen wollen.

Und sie muss sich zudem mit chaotischen Handwerkern, welche das Haus instandstellen, rumschlagen. Letztere entpuppen sich als Palästinenser, was das Fass beinahe zum Überlaufen bringt, als auch noch der mutmassliche Sohn von Mrs. Shapiro aus Israel auftaucht.

Georgie gerät in einen wahren Strudel von zeitweise skurrilen Ereignissen, welche einerseits ihr Privatleben und das Leben der alten Dame miteinander verwickeln. Die verschiedenen Erzählstränge werden dicht verwoben, dies immer aus der Sicht der erzählenden Georgie.

Augenzwinkernder Charme

Die Autorin, die bereits in ihrem Weltbestseller «Eine kurze Geschichte des Traktors auf Ukrainisch» Migrationsprobleme in lockerem Ton aufgriff, hat sich in ihrem neuen Roman vorwiegend politischen Themen gewidmet (Israel versus Palästina) und zeigt mehrere weitere Probleme auf (u. a. Sozialwesen, englische Arbeiterbewegung, Internet). Anfänglich irritierend viele, doch Marina Lewicka schafft es letztendlich meisterhaft und mit augenzwinkerndem Schalk, die Dinge beim Namen zu nennen und nicht einfach abzuhaken.

Es ist ihr unwichtig, was die Leute trennt, letztendlich geht es darum, was die Leute zusammenhält. Mit dieser vergnüglich-nachdenklichen Lektüre gelingt ihr das Kunststück, Satire mit Tiefgang zu verbinden. Sie zeigt auf unterhaltende Weise, wie das Leben zu kleben ist!

Marina Lewycka: «Das Leben kleben», Übersetzung Sophie Zeitz, München: 2010, Deutscher Taschenbuch Verlag.

Giovanna Riolo ist Leiterin der Deutschen Bibliothek Freiburg.

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