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Das letzte Lied

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Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

In diesem Stück sitzt das Publikum nicht im dunklen Zuschauerraum vor einer Theaterbühne. Es begibt sich mitten hinein ins Geschehen, nimmt Platz an einem Stubentisch, auf einem Hotelbett oder auf dem Teppich eines muslimischen Gebetsraums. In kleinen Gruppen betreten die Besucherinnen und Besucher persönliche Räume und lernen deren Besitzer kennen. Doch die Gastgeber, die hier ihre Geschichten erzählen, sind nicht persönlich da. Manche könnten es gar nicht sein. Sie sind inzwischen tot.

Abwesend und doch sehr nah

Die Installation «Nachlass» des zürcherisch-deutschen Theater- und Performance-Kollektivs Rimini Protokoll beschäftigt sich mit dem Tod, dem Sterben und dem, was von einem Menschen übrig bleibt, wenn er nicht mehr da ist. Das «Stück ohne Personen», das jetzt im Nuithonie in Villars-sur-Glâne zu sehen ist, besteht aus acht Räumen, in denen acht Menschen das Publikum an ihren persönlichen Sterbe-Geschichten teilhaben lassen.

Regisseur Stefan Kaegi hat diese Menschen getroffen, ihre Aussagen aufgezeichnet und Töne, Bilder, Dokumente und Objekte gesammelt. Zusammen mit dem Bühnenbildner Dominic Huber hat er daraus die acht Räume geschaffen, in denen die Protagonisten ihren Gästen trotz ihrer physischen Abwesenheit sehr nahe kommen. Denn was sie hier zu teilen versuchen, ist die einzige menschliche Erfahrung, die man im Grunde nicht teilen kann: die des eigenen Sterbens.

«Ich werde nicht mehr da sein»

In einem Zimmer, in dem ein kleines Theater nachgebaut ist, treffen die Besucher auf eine Frau, die einst davon träumte, Sängerin zu sein, schliesslich aber Sekretärin wurde. Als Abwesende singt sie nun ein letztes Lied für das ihr unbekannte Publikum. «Sie werden meine Stimme hören, aber ich werde nicht mehr da sein», sagt sie. Sie ist schwer krank und will ihrem Leid ein Ende machen. Die Trennung von ihrem Körper mit der zerstörerischen Krankheit stellt sie sich als ebenso befreiend vor wie einst die Trennung von ihrem Ehemann als Ende einer zerstörerischen Ehe. Zwei Tage nach dem Entstehen der Tonaufnahme hat die Französin einen Termin in der Schweiz, wo sie bei einer Sterbehilfeorganisation aus dem Leben scheiden wird.

Ein 44-jähriger Mann mit einer unheilbaren genetischen Krankheit, wendet sich in einem Video an das Publikum und an seine Tochter. Er wisse nicht, wie lange er noch zu leben habe. Seine Schwester sei an der gleichen Krankheit gestorben, grausam sei es gewesen. Darum wünsche er sich, dass seine Tochter ihn als den fröhlichen Fliegenfischer in Erinnerung behalte, der er im Video sei. «Diese Bilder sind für dich. Geniesse dein Leben.»

Anders ist die Situation eines 66-jährigen Demenzforschers, der gerne 120 Jahre alt werden würde – allerdings nicht unter allen Umständen. Er habe gesehen, wie seine Mutter ihre Erinnerung verloren habe, niemanden mehr erkannt und auf nichts mehr reagiert habe. «Eine solche Existenz macht mir Angst», sagt er und stellt dem Publikum die Gewissensfragen: «Möchten Sie noch leben, wenn Sie Ihre Kinder und Ihren Partner nicht mehr erkennen? Wenn Sie sich selbst nicht mehr erkennen?»

Mit diesen und vielen anderen Fragen geht man nach dem Besuch nach Hause. Antworten gibt es nicht, ausser vielleicht der, dass es eben keine allgemeingültigen Antworten gibt und dass das Sterben die persönlichste und einsamste Erfahrung des Lebens bleibt.

Programm

Deutsch, Englisch und Französisch

«Nachlass» ist noch heute und morgen im Nuithonie in Villars-sur-Glâne zu sehen, am Samstag um 18 und 19.30  Uhr, am Sonntag um 14 und 17 Uhr. Die Besucher betreten die einzelnen Räume in kleinen Gruppen in freier Reihenfolge. Die Texte sind deutsch, französisch und englisch gesprochen und deutsch und französisch untertitelt.

cs

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