Nicht überall lassen sich Schulhausfenster öffnen. Und der Grosse Rat wollte auch nicht
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Das Lüften bleibt Sache der Fachleute

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Neubauten des Kantons und der Gemeinden müssen das Minergie-Label erlangen oder gleichwertige Kriterien erfüllen. Dies sieht das kantonale Energiegesetz vor. Energiewerte und die Luftqualität werden dabei vorgeschrieben

Doch wie dieses Ziel zu erreichen ist, darüber debattierte der Grosse Rat gestern ausführlich. Eine Motion der Grossräte Pierre-Andé Grandgirard (CVP, Cugy) und Rose-Marie Rodriguez (SP, Estavayer) hatte nämlich kritisiert, dass das Amt für Energie insbesondere für neue Schulgebäude eine automatische Lüftung verlangt, Fensteröffnen aber nicht zum Konzept gehöre. Deshalb forderten sie, dass für das Minergie-Label das menschliche Zutun mindestens gleich wie das automatische Lüften zu gewichten sei. Für das Fensteröffnen solle eine Lüftungscharta für die Benutzer erstellt werden.

«Welle von Lobbyismus»

«Selten hat ein Vorstoss für soviel Aufruhr gesorgt wie diese Motion», sagte Grandgirard. Nicht nur habe sich der Staatsrat in einer 15-seitigen Antwort mit Stellungnahmen von Ingenieuren gegen eine solche Lüftungscharta gerichtet, die Grossräte seien auch direkt einer Welle von Lobbyismus ausgesetzt gewesen. Grandgirard machte einen einfachen Grund für sein Anliegen geltend: «Das natürliche Lüften kostet weniger als ein automatisches Ventilationssystem.»

Co-Motionärin Rose-Marie Rodriguez sagte, die Antwort des Staatsrats habe die Lehrerschaft fast drohend auf die Folgen aufmerksam gemacht, wenn diese nicht richtig lüften würden. Sie aber meinte: «Es geht doch nicht um rechtliche Sanktionen.»

Laut Rodriguez wären drei Lüftungssysteme für die öffentlichen Gebäude denkbar: nur mechanisch, nur manuell oder hybrid, mechanisch und manuell. «Wir schlagen einfach das hybride System vor.»

Mit ihrer Forderung drangen die Motionäre aber nicht durch: «Der Grosse Rat lehnte die Motion mit 53 gegen 34 Stimmen bei 11 Enthaltungen ab.

Zusatzaufgabe für Lehrer?

Der Widerstand gegen den Vorstoss kam insbesondere von bürgerlicher Seite. So sagte Jacques Morand (FDP, Bulle): «Die Lehrer haben eine andere Aufgabe, als die Raumtechnik zu ersetzen.» Pascal Moënnat (CVP, Grandvillard) hält die Benutzercharta ebenfalls für eine schlechte Idee: «Sie ist rechtlich zweifelhaft, und sie garantiert kein gutes Funktionieren.» Daniel Bürdel (CVP, Plaffeien) ergänzte: «Die Sicherheit ist nicht mehr gewährleistet. Lüften ist auch nicht in allen Fällen möglich, etwa wenn der Strassenlärm zu störend ist.»

Rose-Marie Rodriguez liess all dies aus Sicht der Gebäudebenutzer nicht gelten: «Lehrer organisieren Lager, sie gehen mit den Schülern schwimmen, sie kontrollieren seit der Corona-Pandemie, dass immer desinfiziert wird. Dann können sie doch auch Fenster öffnen.»

Im Verlauf der Debatte wurde deutlich, dass der Ursprung des Vorstosses beim einen oder anderen neuen Schulhaus speziell im Broyebezirk liegt, wo automatische Systeme nicht wie gewünscht funktionierten.

Doch auch Erika Schnyder (SP, Villars-sur-Glâne) sagte: «In unserer Gemeinden müssen wir ebenfalls nach Minergie-Standard bauen, um energieeffizient zu sein. Und doch gibt es immer wieder Probleme mit dem Klima, und die Benutzer schalten ihre Elektro-Heizgeräte ein.»

«Es gab vielleicht einige schlechte Beispiele», so Daniel Bürdel. «Aber da waren wohl zu wenig kompetente Leute am Werk.» André Schoenenweid (CVP, Freiburg) rief in Erinnerung, dass Freiburg sehr wohl Fachleute auf diesem Gebiet habe. Gerade das Smart Living Lab in der Blue Factory arbeite an modernen Lösungen für Gebäudeeffizienz.»

Jean-Daniel Wicht (FDP, Villars-sur-Glâne) forderte: «Haben wir Vertrauen in die Spezialisten, und lassen wir sie die richtigen Lösungen suchen!»

Mit der Ablehnung der Motion folgte der Grosse Rat der Empfehlung des Staatsrats. Wie Volkswirtschaftsdirektor Olivier Curty (CVP) sagte, habe der Kanton bei der Gebäudeenergie eine Vorbildfunktion. «Wie kann der Faktor Mensch einberechnet werden für Gebäude, die noch Jahrzehnte genutzt werden?», fragte er. Bei Annahme der Motion wäre jede andere technische Norm ebenfalls in Frage gestellt worden, so Curty.

Zum Begriff

Minergie undFensteröffnen

Minergie ist ein Schweizer Baustandard für neue und modernisierte Gebäude. Die Marke wird vom Bund, den Kantonen und der Wirtschaft gemeinsam getragen. Die Standardnutzung, Wärmehülle und Haustechnik eines Minergie-Gebäudes richten sich nach den Normen der Gesellschaft der Ingenieure und Architekten SIA. Es gibt die Label Minergie, Minergie-P und Minergie-A. Bei der Motion war von Minergie-P die Rede. Der Staatsrat betont, Minergie schliesse nicht aus, Fenster zu öffnen. Wenn das Gebäude nicht mehr geheizt wird, wird dazu gar ermuntert.

uh

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