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Das Murtenfähnlein und 1600 Aufrechte

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Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Autor: Hannes Waehrer

Es herrscht Postkartenidylle auf dem Bodemünzi oberhalb Murten: ein strahlend schöner Sonntag, 1600 Schützinnen und Schützen, von denen ein guter Teil schon kurz vor 9 Uhr am Hang sitzt und den Blick über die kleine Rednertribüne hinaus über das historische Stedtli und die imposante Kulisse mit See und Wistenlach schweifen lässt. Da und dort schiebt einer Patronen ins Magazin seines Gewehrs, und der eine oder andere geniesst das erste Bier. Zuvorderst am Hang sitzt die Prominenz auf Militärplachen, genau wie der Rest des Volks auch.

Das Wort hat Heinz Thalmann, Präsident des Verbands historisches Murtenschiessen, der auf die Wurzeln des Anlasses im Geist von «Freiheit und Selbstbestimmung» und den Erhaltung dieser Werte durch die Schützinnen und Schützen hinweist. Nach Thalmann erhebt sich Bundesrat Ueli Maurer von der Plache und geht beschwingt ans Rednerpult.

Das Rückgrat der Armee

Im Poloshirt erklärt Maurer den respektvoll Lauschenden den Ernst der Sache. Hier wird nicht bloss geschossen, damit es knallt und man später einen Kranz oder – Gipfel aller Schützenträume – das Murtenfähnli mit nach Hause nehmen kann. Es geht um Freiheit, Selbstbestimmung und Unabhängigkeit. «Nicht die Politiker und Beamten» hätten in diesem Land das Sagen, sondern das Volk. «Schützinnen und Schützen sind das Rückgrat der Armee», erklärt Maurer. Und wie sich bei der Ablehnung der Waffenschutz-Initiative (56,6 Prozent Nein-Stimmen) im Februar gezeigt habe, stehe das Volk hinter ihnen. Dann erklärt Maurer aus historischer Perspektive, von der Schlacht bei Bibracte bis zum Zweiten Weltkrieg, warum das Schicksal der Schweiz militärisch jeweils an einem seidenen Faden gehangen habe. Heute kämen viele der aufgezeigten Negativ-Faktoren zusammen. Aber, so Maurer, die Schweiz brauche die Milizarmee und die Gesellschaft das Milizprinzip. «Man wird in den nächsten Jahren hinstehen müssen, wenn alle anderen Dämme brechen», betonte der Bundesrat zum Schluss

«Wer will eine starke Armee?»

Danach kommt der heimliche Star des Murtenschiessens, Fritz Sartorius, Feldprediger, der zum grossen Amüsement eine «kurze Predigt und eine lange Bratwurst» verspricht. Später geht er auf den Bibelvers Markus 14,38 ein, «Wachet und betet…». Schon sein Vater habe ihm erzählt, man müsse die Heimat verteidigen, solange man noch eine habe. Die Tradition lebt – und saugt Elemente der Popkultur in sich auf. «Wollt Ihr eine starke Armee? Klatschen oder buhrufen!» Der sichere Applaus brandet den Hügel hinab. Und nach dem Vaterunser nimmt Sartorius in Feldgrau kerzengerade salutierend die erste Strophe der Landeshymne ab.

Dann gehts zur Sache. Geschossen wird in Gruppen von je zehn Personen jeweils in Serien, so dass wohl jeweils gegen 100 Mann oben in einer Reihe auf den Kartoffelsäcken liegen und ins Tal hinunter auf die Scheiben feuern. Auf einem kleinen Kommandoturm steht Daniel Schär, Präsident der SVP Seebezirk, ausgerüstet mit Mikrofon und Feldstecher und einer Art Horn, in das er vor und nach einem Schützendurchgang jeweils Signale bläst. Schär, man hörts deutlich, kennt das scharfe Kommando aus Erfahrung. Alles läuft genauso, wie er es bei seiner Ansprache gefordert hat. «Das Wichtigste ist Sicherheit, ich fordere Disziplin und Verantwortung im Umgang mit der Waffe.» Und alle halten sich daran, selbst die Kinder beim Einsammeln der Patronenhülsen nach den vierminütigen Schiessdurchgängen.

Das Murtenfähnlein zählt

Vielleicht nicht ganz. Ein junger Schütze aus dem Seebezirk erklärt, was es mit Gruppenverantwortung im Schiesssport auch noch auf sich haben kann. «Habe ich eine Ladehemmung, gebe ich meine restlichen Schüsse sofort dem Kameraden nebenan, damit der für mich fertigschiesst – natürlich auf meine Scheibe.» Und der junge Mann weiss, «das Murtenfähnli zählt etwas», wer gewinne, werde bekannt. Im Dorf, wo das Fähnli hingehe, finde am Abend ein Hupkonzert statt wie bei Fussballmatches.

Vom Murtenschiessen sprechen die Teilnehmer fast wie von einem guten Freund. Weshalb wird der Anlass so gern besucht? «Tradition und Zusammenhalt, sportliche Ambition und danach in der Dorfbeiz die Analyse des Schiessens», meint Adrian Lehmann (51) aus Galmiz. Und Annette Benninger von den Schützen Jeuss-Salvenach (47), deren Mann und zwei Kinder ebenfalls schiessen, meint, schon nur die witzige Art von Sartorius’ Predigt am Morgen lohne den Besuch.

Bevor die nächsten Schützen antreten, werden die leeren Patronenhülsen entfernt.Bilder Corinne Aeberhard

Daniel Schär kommandierte die Schussabgabe.

Murtenfähnlein: Ulmizer Feldschützen schiessen Rekord

Noch nie hat eine Gruppe am Murtenschiessen so gut geschossen wie die Gruppe Ulme der Ulmizer Feldschützen, die das Murtenfähnlein mit 329 Punkten heimholen. Bei der Rangverkündigung hätten sie Glückstränen in den Augen gehabt, wie Heinz Thalman, Präsident des Vereins Historisches Murtenschiessen, erzählt. Zum Vergleich: 2010 gewannen die Berner «Mutze» das Murtenfähnlein mit 311 Punkten, damals ebenfalls ein Rekord. hw

Kranzschützen 2011

Gruppe Ulme, FS Ulmiz: 329; Jägerstein, SG Galmiz: 309; von Diesbach, SV Wünnewil-Flamatt: 118; Schwarztreffer, SG Liebistorf-Kleinbösingen-Wallenbuch: 301; Burgunderloch, FS Courlevon: 298; Lanze I, SG Lanzenhäusern: 294; Blue Eyes, SS Gossau: 294; Chutze, SG Gurmels: 293; Aarebord, FS Walperswil: 290; Grossholz-Massai, SG Gurmels: 290; Eichelried, FS Salvenach Jeuss: 286; Ofenhaus, SG Lurtigen: 283; St. Urban, SG Liebistorf-Kleinbösingen-Wallenbuch: 282; Wagenrad, SG Galmiz: 276; Alte Aare, SG Kappelen-Werdt: 274; Galm, FS Ulmiz: 273.

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