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«Das perfekte Verbrechen gibt es eigentlich nicht»

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Am Anfang eines der meistbeachteten Freiburger Kriminalfälle stand eine Vermisstenanzeige. Eine Frau meldete Anfang Januar 1999 ihren 40-jährigen Bruder P. aus Cordast als vermisst. Zugleich ging bei der Kantonspolizei Neuenburg eine Vermisstenanzeige ein, wonach auch sein Freund und Geschäftskollege, der 49-jährige O., unauffindbar sei. Die beiden waren zuletzt am 11.  Januar 1999 in der Stadt Freiburg gesehen worden, in Gesellschaft eines Geschäftspartners.

In alle Richtungen ermittelt

Für Francis Schwartz, Fahnder bei der Kriminalpolizei Freiburg, und Alex Bircher, Inspektor im Kriminaltechnischen Dienst, war der Fall in vielerlei Hinsicht ungewöhnlich. Dass sie es mit Mord zu tun haben würden, sei am Anfang nicht absehbar gewesen. «Wir haben routinemässig erste Abklärungen vorgenommen», sagt Francis Schwartz. Etwa, ob die Vermissten Geld abgehoben, ein Flugticket gebucht hätten oder Ähnliches. «Wir ermittelten in alle Richtungen, es hätte ja sein können, dass die beiden einfach nach Thailand in die Ferien geflogen waren, ohne jemandem etwas zu sagen.»

Erster Kontakt mit Z.

Bereits bei diesen ersten Ermittlungen sind die Polizisten auf Z. gestossen. Die beiden Opfer hatten mit ihm Geschäfte gemacht und Occasionsautos verkauft. «Z. war jene Person, die gemäss unseren Ermittlungen die beiden zuletzt gesehen hatte.»

Im Rahmen der Ermittlungen betrat die Polizei erstmals den Zivilschutzraum, den Z. im Untergeschoss seines Wohnblocks im Beauregard-Quartier in Freiburg gemietet hatte, um dort Schlagzeug zu spielen. Weil zu dem Zeitpunkt keine Anzeichen für ein Verbrechen oder eine Verwicklung von Z. in den Vermisstenfall bestand, hatte die Polizei auch nichts dagegen, dass dieser nach Spanien in die Ferien reiste, wie er den Beamten erklärte.

Die Polizei fand auch im Auto des vermissten P. nichts Auffälliges. Zu dieser Routineuntersuchung gehörte, dass im Zivilschutzraum eine Fotokamera gefunden wurde, in der ein analoger Film steckte.

Eine neue Wendung bekam der Fall, als am 27. Februar 1999 ein Fischer im Lungernsee ein Fass entdeckte, bei dem oben zwei Füsse herausschauten. Die Obwaldner Polizei vermutete rasch, dass dieser Fund mit dem Fall der Freiburger Vermissten zusammenhängen könnte. «Ich weiss noch, als ob es gestern gewesen wäre, wie mich mein damaliger Chef an einem Sonntag anrief und sagte, dass ich am andern Tag nach Zürich in die Gerichtsmedizin fahren müsse», erzählt Alex Bircher. Bevor er losfuhr, holte er sich die Unterlagen über die Fingerabdrücke von einem der Opfer. «Er war wegen geringfügiger Delikte bei uns registriert.»

Der Fahnder wird auch nie vergessen, was sich dann in der Gerichtsmedizin abspielte. «Wir wussten nicht, wie wir die Leichen aus dem Beton herausnehmen sollten. So einen Fall hatte niemand von uns vorher gehabt.» Die Fässer wurden geröntgt und mit dem Presslufthammer bearbeitet.

«Es ging besser als gedacht», erinnert er sich. Im Fass fanden die Ermittler die Hülsen der Geschosse. «Wir dachten im ersten Moment an eine Mafia-Aktion.» Bircher identifizierte die Leichen. Die Befürchtung, dass dies wegen des Betons und des Wassers nicht möglich sein könnte, bewahrheite sich nicht. «Zum Glück hat der Beton nicht gut gehalten. Als wir das Blech der Fässer zerschnitten, fiel der Beton fast von allein ab. Die Fingerabdrücke konnten wir ganz leicht abnehmen und die Identität des einen Toten mit 100-prozentiger Sicherheit feststellen.» Die Identifizierung der anderen Leiche erfolgte später mittels Zahnunterlagen.

«Unser Glück war, dass der Seespiegel im Winter 1999 so tief war wie nur selten. Ein Fass schaute heraus, das andere war noch unter Wasser», sagt Francis Schwartz. «Sonst wären sie womöglich erst Jahre später oder gar nie entdeckt worden.»

Fragen über Fragen

Als klar gewesen sei, dass es sich bei den Toten um die beiden Vermissten handelte, standen Fragen über Fragen im Raum: Wo wurden sie umgebracht? Wann? Was geschah genau? Mit wem waren sie zuletzt zusammen? «Wir haben mit Hypothesen gearbeitet und die Lebensbereiche der beiden untersucht. Sie hatten mit Autoleasing zu tun gehabt, es gab Verbindungen zu Immobilien, sie hatten sich oft in einem Dancing aufgehalten. Wir haben zig Leute einvernommen und versucht, Zusammenhänge herzustellen und unsere Hypothesen entweder zu bestätigen oder zu entkräften», so der Ermittler.

Etwa die halbe Kripo, 30 Leute, war in dieser Sonderkommission. Zwar habe die Kriminalpolizei Erfahrung mit Mordfällen gehabt. «Doch mit so etwas hatten wir noch nie zu tun gehabt.» Anfangs sei alles ein Rätsel gewesen. «Nichts hat gepasst.» Dass der Geschäftspartner Z. etwas mit der Sache zu tun hatte, hätten die Ermittler irgendwie geahnt. «Doch uns fehlten die Zusammenhänge.»

Winzige Spuren

Hier kam der Kriminaltechnische Dienst ins Spiel. Das Team um Alex Bircher nahm sich die beiden Fässer vor: Das eine war orange, das andere grau. In Rahmen dieser Ermittlungen untersuchten die Ermittler den Zivilschutzraum von Z. noch einmal mit verschiedenen wissenschaftlichen Techniken. «Und tatsächlich entdeckten wir an einer Betonwand in diesem Lokal winzige Spuren von Blei. Zudem konnten wir im Abflussrohr einer Wasserleitung Spuren von Blut nachweisen», so Alex Bircher. Mit Spitzeisen und Presslufthammer hat das Ermittlungsteam dann einen Teil des Bodens aufgebrochen – und zwischen der Farbe, mit welcher der Boden nach der Tat gestrichen worden war, und dem Betonboden Reste von Blut gefunden. «Es ist für mich immer noch eine Sensation, dass wir diese winzigen Spuren finden konnten.»

Dann kam die Kamera ins Spiel, die die Ermittler im Raum gefunden hatten – eine Analogkamera, in der noch ein Film steckte. Auf den Bildern war ein Schrank mit drei ausgestellten Pistolen. «Als wir den Raum aber durchsuchten, waren nur noch zwei Waffen da.»

Ein Sackkarren

Dann erhielt die Polizei unerwartet einen Anruf. Ein Abwart im Gebäude mit dem Zivilschutzkeller, den ein Beamter routinemässig befragt hatte, meldete sich. Ihm sei in den Sinn gekommen, dass beim Eingang in den Keller ein Sackkarren stehe. «Wir haben dann auf diesem Sackkarren kleine Spuren von oranger Farbe von einem der Fässer gefunden, ein wenig Abrieb», erklärt Alex Bircher.

Also sei klar gewesen, dass damit eines der Fässer transportiert worden war. «Ich erinnere mich noch ganz genau, wie Francis mich angerufen hat und wir den Zusammenhang herstellen konnten. Wir sind fast ausgeflippt und haben gejubelt, weil wir dieses wichtige Puzzleteilchen gefunden hatten», so der Inspektor beim Kriminaltechnischen Dienst. «Das sind die guten Momente bei so einer Ermittlung, die vor allem aus Knochenarbeit besteht.»

Komplize knickt ein

Dann ging es Schlag auf Schlag. Die Polizei machte eine erneute Einvernahme mit einem Bekannten von Z. Dieses Mal knickte der 30-jährige Mann ein und legte ein Geständnis ab. «Es kam für uns total überraschend», so Francis Schwartz. Z. habe dem Mann gesagt, er habe ein Problem mit den beiden Geschäftspartnern. Sie würden ihn nerven, weil er ihnen Geld schulde. Es gehe um rund 40 000 Franken. Deshalb wolle er sie liquidieren.

Z. habe seinen Kollegen direkt aufgefordert, ihm dabei zu helfen. M. war es wohl nicht so wohl, doch er hat mitgemacht. Die beiden haben alles eingekauft, was sie brauchten, vor allem eine Menge Plastikrollen und Klebeband sowie andere Materialien, um einen Nebenraum des Zivilschutzraums für die Tat zu präparieren. Bei einer anderen Firma holten sie zwei gebrauchte Fässer.

Komplize zeigt Nerven

M. erzählte den Beamten, dass Z. und er vereinbart hätten, die beiden unter einem Vorwand ins Lokal einzuladen. Auf ein Zeichen von Z. sollte M. die Stereoanlage voll aufdrehen, damit die Schüsse draussen nicht zu hören sein würden. Doch M. habe so geschlottert, dass er nicht habe mitmachen können, wie er den Beamten erzählte. Unter einem Vorwand sei er deshalb rausgegangen und habe im Auto gewartet. Irgendwann habe er dumpfe Töne gehört – es waren die Schüsse.

Beton falsch gemischt

Z. hat 23 Mal auf die Opfer geschossen. «Er hat sie richtiggehend exekutiert», so Francis Schwartz. M. musste ihm dann helfen, die Leichen kopfvoran in die Fässer zu stopfen. Dabei machten sie einen Fehler: Da sie nicht wussten, wie man Beton richtig mischt, leerten sie zuerst das Pulver ins Fass, dann das Wasser. «Der Beton hat sich deshalb nicht richtig gefestigt.» Zum Entsorgen holte sich Z. einen anderen Gehilfen, der weniger zimperlich war. «Sie haben die Tat sehr gut geplant. Doch nach der Tat hatten sie keinen Plan, wie es weitergehen sollte», erinnert sich Francis Schwartz. Sie seien einfach in einem gemieteten Lieferwagen losge­fahren.

Täter zu selbstsicher

Z. war nun zwar als Täter überführt, doch er befand sich noch in Spanien. Wie konnte man ihn dazu bringen, zurückzukehren? Hier half den Beamten ein Trick, der zum Erfolg führte. «Wir haben versucht, mit ihm Kontakt aufzunehmen – natürlich ohne ihm zu verraten, was wir wussten», erzählt Francis Schwartz. Z. hatte über die Medien vom Fund der Fässer erfahren.

Der damalige Untersuchungsrichter schaffte es schliesslich, Z. zu überreden, für weitere Befragungen zurückzukommen. Z. sei der Freiburger Polizei noch ein paar Antworten schuldig, und es sei wohl besser, direkt mit der Schweizer Justiz zusammenzuarbeiten, als zu riskieren, in Spanien in ein Gefängnis zu kommen. Diese Worte zeigten Wirkung. Z., der glaubte, dass man ihm nicht auf die Schliche kommen konnte, reiste tatsächlich zurück in die Schweiz. Mit dem Zug.

Einen Moment wird Francis Schwartz nie vergessen: «Wir haben die Tat später rekonstruiert, um zu prüfen, ob das, was die beiden Komplizen erzählen, stimmt», erzählt er. Er habe die Position des Täters eingenommen und – geschützt mit einem Stahlhelm und einer Stahlmontur – 23 Mal auf einen Sandsack geschossen, mit lauter Musik aus der Stereoanlage. «Das war ein sehr, sehr seltsamer Moment für mich.»

Glück, Arbeit und Zufälle

«Es hat sich auch dieses Mal gezeigt: Ein perfektes Verbrechen gibt es eigentlich nicht.» Sehr viele Stunden Ermittlungsarbeit seien notwendig gewesen, um ein Indiz nach dem anderen zusammenzutragen, sagt Francis Schwartz. «Dazu kamen eine Reihe von Zufällen, die uns geholfen haben, den Fall zu lösen», so Alex Bircher. «Es braucht eben beides: Glück und die mühsame, aber methodische Ermittlungsarbeit eines ganzen Teams und eine gute Zusammenarbeit zwischen Fahndung und technischem Dienst. Das ist das Spannende an unserem Beruf.»

Zum 100-Jahr-Jubiläum gewährt die Kriminalpolizei Einblick in alte Fälle.

«Z. hat die beiden Männer richtig­gehend exekutiert.»

Francis Schwartz

Fahnder bei der Kriminalpolizei

Serie 100 Jahre Freiburger Kriminalpolizei

«Wir haben gejubelt, weil wir dieses wichtige Puzzle­teilchen gefunden hatten.»

Alex Bircher

Inspektor im Kriminaltechnischen Dienst

Urteil

Lebenslänglich für den Haupttäter

Der Fall, der unter dem Begriff «Fassleichen im Lungernsee» in die Geschichte einging, wurde im Oktober und November 2001 vor dem Bezirksgericht Saane verhandelt. Z., der Hauptangeklagte, blieb bei seiner Version, wonach er vom Opfer bedroht worden sei. Er habe diese Drohungen ein für alle Mal beenden wollen, indem er seinen früheren Geschäftspartnern richtig Angst machte. Einer von diesen hätte zuerst nach einer Waffe gegriffen – er sei einfach schneller gewesen. Seine Version deckte sich jedoch nicht mit den Aussagen seiner Komplizen.

Das Gericht schloss sich den Forderungen der Staatsanwaltschaft weitgehend an. Es verurteilte den zur Tatzeit 25-jährigen Z. zu einer lebenslänglichen Zuchthausstrafe wegen Mordes. Der erste Komplize, der bei der Einbetonierung geholfen hatte, erhielt sieben Jahre, der zweite, der bei der Entsorgung dabei war, zwei Jahre wegen Totschlags. Alle drei legten vor dem Kantonsgericht Rekurs gegen das Urteil ein. Alle drei Rekurse sind 2003 abgelehnt worden.

im

 

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