Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

«Das Personal hat grosses Vertrauen»

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on print

Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

«Die Stimmung im Unternehmen ist wieder gut. Das Personal glaubt daran, dass es weitergeht.» Dies sagte Arnold Roux, Vorsitzender der Personalkommission der Schumacher AG in Schmitten, am Mediengespräch, zu dem dasBuchbinderei-Unternehmengestern kurzfristig eingeladen hatte. Raoul Philipona, Präsident und Delegierter des Verwaltungsrates, löste damit ein Versprechen ein, das er letzte Woche gegeben hatte: «Wenn alle Details des Massnahmenpakets bekannt sind, informieren wir die Öffentlichkeit.» (Die FN berichteten.)

Vor zehn Tagen informiert

Am Mittwoch vor einer Woche hat die Firmenleitung das Personal gebeten, auf den 13. Monatslohn zu verzichten. Wie Raoul Philipona erklärte, hat die Firmenleitung diese Massnahme innerhalb von knapp einem Monat ausgearbeitet. «Es waren intensive Wochen der Vorbereitung, damit wir etwas in der Hand haben, das Bestand hat.»

Er betonte, dass die Sozialpartner von Anfang an miteinbezogen waren. «Die Verhandlungen sind in grossem Vertrauen und mit viel Transparenz verlaufen.» Auf die Frage, wie die Gewerkschaften auf das Massnahmenpaket reagiert hatten, sagte der Hauptaktionär der Schumacher AG: «Wir hätten sie nicht an einen Tisch gebracht, wenn sie nicht überzeugt wären, dass unser Vorschlag Hand und Fuss hat.» (Siehe Kasten unten links.)

Applaus und Erleichterung

Am letzten Freitag war klar, dass über 90 Prozent der Angestellten zugestimmt haben, auf den 13. Monatslohn zu verzichten, und die Leitung hat die Mitarbeiter informiert, dass der Fortbestand des Unternehmens gesichert ist. Gemäss Arnold Roux hat das Personal mit Applaus auf die Nachricht reagiert. Ein Aufatmen sei durch die Reihen gegangen.

«Ihre Zustimmung und die positiven Reaktionen danach sind ein starkes Zeichen: Die Leute wollen beim Unternehmen bleiben», so Raoul Philipona. «Die Firma zeugt den Mitarbeitern Dank und Wertschätzung für diesen Schritt.» Es sei für einen Unternehmer sehr schwierig, ein solches Opfer von den Mitarbeitern zu fordern. «Ziel war immer, den Fortbestand der Firma zu sichern und die Arbeitsplätze so weit als möglich zu erhalten», betonte er.

Einige zaudern noch

Mindestens 90 Prozent der Mitarbeiter mussten zustimmen, damit diese Massnahme umgesetzt werden und das Unternehmen die kurzfristigen Liquiditätsprobleme bewältigen kann. Gemäss Raoul Philipona sind noch einige Zusagen offen, weil die Leute noch Bedenkzeit wünschten. Auf die Frage, was passiert, wenn diese nicht einwilligen, sagte er: «Wir sprechen mit ihnen, um herauszufinden, ob sie grundsätzlich gegen diese Massnahme sind oder weil sie sich Sorgen um ihre finanzielle Lage machen.» Für Härtefälle werde die Firma eine Lösung finden. «Wer aus Überzeugung nicht mitmachen will, erhält die Kündigung aus wirtschaftlichen Gründen», sagte er. Wie viel das Opfer der Angestellten konkret in Zahlen ausmacht, wollte der Firmenchef nicht verraten. Auch nicht, wie viel genau der rund 140 Angestellten der Vereinbarung zugestimmt haben.

Europäische Konkurrenz

Der Verwaltungsratspräsident erklärte gestern, wie es zu dieser Situation kommen konnte. Der tiefe Eurokurs und die Konkurrenz, die vom Ausland in die Schweiz dränge, seien zwei Gründe. «Wir müssen uns gegen eine europäische Konkurrenz behaupten, die mit anderen Löhnen rechnet», sagt er. Beispielsweise in Polen und Ungarn würden die Löhne gerade mal einen Zehntel der hiesigen Gehälter ausmachen. «Wir versuchen, mit Qualität zu überzeugen.»

Zudem sei das Volumen in dieser Branche generell am Sinken. «In den Sommermonaten sind sehr wenig Aufträge eingegangen.» Ausserdem sei ein Grossauftrag weggefallen. Wer dieser Kunde ist, wollte der Firmeninhaber nicht verraten. Er sagte aber, dass die Unternehmensleitung bereits Ende des letzten Jahres die ersten Anzeichen einer Baisse gespürt und deshalb schon im laufenden Jahr gewisseRestrukturierungsmassnahmenergriffen habe (siehe Kasten unten rechts).

«Jetzt können wir uns wieder unserer Mission, der buchbinderischen Weiterverarbeitung, widmen», erklärte der Verwaltungsratspräsident am Mediengespräch. Auf die Frage, was ihm denn die Sicherheit gebe, dass es nicht wieder zur gleichen Situation komme, antwortete er, dass ein leich- ter Aufwärtstrend beziehungsweise eine Stabilisierung des Marktes zu spüren sei. Die Auftragslage sei derzeit wieder recht gut. «Wir arbeiten weiter daran, die Kostenebene regelmässig zu überprüfen», sagte er und nannte als Beispiel den Energieverbrauch. Er sei zuversichtlich, den Verkaufsertrag weiter steigern zu können.

Mit den Gewerkschaften wurde vereinbart, dass der 13. Monatslohn bis ins Jahr 2017 nachgezahlt wird. «Ziel ist es, 2015 wieder in die profitable Zone zu kommen und per Ende 2016 Gewinn abzuwerfen.»

Gewerkschaften: Ziel war Arbeitsplatzerhalt

D ie Gewerkschaften Syndicom und Syna waren am Verhandlungstisch mit der Geschäftsleitung, als diese ihre Ideen für eine Lösung aus dem Liquiditätsengpass präsentierte. Die Parteien haben vereinbart, keine Details zur gemeinsam getroffenen Lösung preiszugeben. Kathrin Ackermann, Syna-Regionalsekretärin, nahm gestern zur Kenntnis, dass die Schumacher AG eine Medienorientierung durchgeführt hat. «Offenbar ist das Quorum erreicht, und über 90 Prozent der Mitarbeiter haben die Vereinbarung unterschrieben, auf den 13. Monatslohn zu verzichten», sagte sie auf Anfrage. «Unser wichtigstes Ziel war, die Arbeitsplätze zu erhalten, aber nicht um jeden Preis», so Kathrin Ackermann. Sie habe teilweise sogar Verständnis für das Vorgehen des Unternehmens, die Firma auf diese Weise zu retten. Ihr sei es aber wichtig gewesen, dass ein für beide Seiten annehmbarer Konsens gefunden worden sei, eine Win-win-Situation. Wie viele Mitarbeiter nun doch die Kündigung aus wirtschaftlichen Gründen erhalten, konnte sie nicht sagen. «Sie erhalten aber auf jeden Fall unsere Unterstützung, wenn sie es wünschen.» im

Massnahmen: Sparen, verzichten und restrukturieren

D as Massnahmenpaket, mit dem die Schumacher AG längerfristig das Überleben des Unternehmens sichern will, umfasst mehrere Komponenten, wie Raoul Philipona, Präsident und Delegierter des Verwaltungsrates, am Mediengespräch ausführte. Eine davon ist der Verzicht des Personals und der Geschäftsleitung auf den 13. Monatslohn.

Weiter hat das Unternehmen seine Produktion in Schmitten konzentriert, eine Führungsebene gestrichen und Aktivitäten, die nicht zur Kernkompetenz der Firma gehö- ren (zum Beispiel Logistik), ausgelagert. Auch in administrativen Abläufen seien Kostensparmassnahmen ergriffen worden. Zudem hat das Unternehmen das Verkaufsteam verstärkt, um die avisierten Verkaufsziele zu erreichen. «Das heutige und zukünftige Engagement der bisherigen Finanzpartner, sprich der Banken, in das Unternehmen ist bestätigt worden», erklärt er weiter.

Ausserdem könne die Schumacher AG auf die Unterstützung von patronalen Stiftungen zurückgreifen. Diese seien in den letzten Jahren durch Zuweisungen privater Art und durch Zuschüsse der Firma in wirtschaftlich guten Zeiten geäufnet worden – die Mitarbeiter haben nichts einbezahlt. Wie hoch das Stiftungskapital ist, wollte Raoul Philipona nicht ausführen. Diese Stiftungen stellen in den kommenden zwei Jahren Mittel zur Verfügung, um die Beiträge für die berufliche Vorsorge des Firmenpersonals zu finanzieren. «Wir sind froh, dass wir diese Stiftungen haben und das Geld auf die Seite gelegt wurde», sagte er. Sie seien gegründet worden, um dem Unternehmen in schwierigen Zeiten zu helfen. Das Geld fliesse nicht direkt in die Firma, sondern in die berufliche Vorsorge. im

Zahlen und Fakten

50 Millionen Produkte jährlich

Die Schumacher AG in Schmitten gibt es seit 174 Jahren. Mit über 140 Mitarbeitenden ist sie einer der grössten Arbeitgeber im Sensebezirk und führende Buchbinderei der Schweiz. Jährlich stellt das Unternehmen rund 50 Millionen Produkte für nationale und internationale Kunden her: Bücher, Kataloge, Broschüren, Karten, Periodika, handwerkliche Arbeiten usw. Bis zum Jahr 2000 war das Unternehmen in Besitz der Familie Schumacher. 2001 übernahm Anton Philipona, bis 1997 Firmenchef, die Aktienmehrheit. Sein Sohn Raoul Philipona leitet das Unternehmen seit 1997. Er übernahm 2005 die Aktienmehrheit und wurde Delegierter des Verwaltungsrates. Seit dem 1. Mai 2010 ist er auch Verwaltungsratspräsident der Schumacher AG.im

Meistgelesen

Mehr zum Thema