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«Das Reiten war mein Beruf»

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«Das Reiten war mein Beruf»

Henri Chammartin blickt anlässlich seines 85. Geburtstags auf seine Karriere zurück

In den Fünfziger- und Sechzigerjahren war er die prägende Persönlichkeit im Schweizer Dressur-Reitsport. 1964 holte er in Tokio Olympiagold. Gestern hat der Freiburger Henri Chammartin in Überstorf seinen 85. Geburtstag gefeiert.

Von CAROLE SCHNEUWLY

Zusammen mit seiner Ehegattin, der Chilbiliebe, die er 1944 geheiratet hat, lebt Henri Chammartin seit etwa einem Jahr in einem schmucken Reihenhäuschen am Stadtrand von Bern. Im Haus erinnert einiges an die grosse sportliche Vergangenheit des berühmten Dressurreiters. Bilder von Pferden zieren die Wände und lassen erahnen, wie die Leidenschaft für diese Tiere fast das ganze Leben Chammartins geprägt hat. Dazwischen zeugt aber auch die eine oder andere Urkunde von seinen grössten Erfolgen.

Er selber aber denkt trotz der allgegenwärtigen Erinnerungen nur noch selten an seine Zeit als aktiver Reiter zurück. «Das ist alles schon lange vorbei. Es war eine sehr schöne Zeit, aber heute ist das für mich nicht mehr so wichtig. Das Reiten war einfach mein Beruf, den ich Tag für Tag ausgeübt habe.»

Eine Legende des Dressur-Reitsports

Am Gedächtnis allerdings mangelt es dem 85-Jährigen keineswegs. Fünf Mal hat er an Olympischen Spielen teilgenommen, und die Jahre und Austragungsorte zählt er ohne das geringste Zögern auf: 1952 in Helsinki, 1956 in Melbourne, 1960 in Rom, 1964 in Tokio, 1968 in Mexico-City.

Die höchsten olympischen Weihen erlangte Chammartin 1964 in Japan, als er auf Wörmann die Goldmedaille im Einzelwettkampf gewann. Daran erinnert er sich auch heute noch gern: Es sei die einzige Auszeichnung gewesen, die damals in seinem Palmarès noch gefehlt habe. Allerdings habe er sich deshalb nicht speziell auf Olympia vorbereitet: «Ich habe einfach meine Arbeit getan und jeden Tag mit guten Pferden trainiert.»

Dass Chammartin mit seinen Pferden gute Arbeit leistete, bewies er 1964 gleich doppelt: Nebst dem Einzelgold gewann er in Tokio zusammen mit Gustav Fischer und Marianne Gossweiler auch noch olympisches Silber im Mannschaftswettbewerb. Diese Leistungen sind Teil einer Erfolgsgeschichte, die im Schweizer Dressur-Reitsport bis heute ihresgleichen sucht. Unzählige nationale und internationale Auszeichnungen, darunter fünf Europameister-Titel und – nebst Tokio – eine weitere Silber- und zwei Bronzemedaillen an olympischen Teamwettkämpfen, haben Henri Chammartin zu einer Reiter-Legende gemacht.
Begonnen habe seine Sportlerkarriere eher zufällig, erzählt der Jubilar in seiner bescheidenen Art. Aufgewachsen in Chavannes-sous-Orsonnens in einer Grossfamilie mit zehn Kindern, habe er bei seiner Berufswahl nicht so viele Möglichkeiten gehabt. Als er mit 20 Jahren die Rekrutenschule absolviert habe, habe die Pferderegieanstalt der Armee in Thun gerade nach Reitern gesucht. Er habe sich gemeldet, weil Stellen beim Militär relativ sicher gewesen seien. «Genauso gut hätte ich auch bei der Post landen können», schmunzelt Chammartin.

Seine Pferde habe er immer aus den Kavalleriebeständen der Armee auswählen können: Schwedenpferde, die damals zwischen 4000 und 5000 Franken gekostet hätten. Ein olympiareifes Pferd hätte er eigentlich schon 1948 gehabt, doch hätten damals nur Offiziere an Olympischen Spielen teilnehmen dürfen. Unteroffiziere wie er seien, ebenso wie die Frauen, erst ab 1952 startberechtigt gewesen.

Auch als Reitlehrer engagiert

1972 zog sich Chammartin vom aktiven Reitsport zurück, war jedoch noch jahrelang als Reitlehrer tätig, auf privater Ebene auch nach seiner Pensionierung. Das Interesse am Dressurreiten hat er bis heute nicht verloren. Er besuche sogar noch ab und zu Concours in der näheren Umgebung und freue sich, wenn er dabei auf den einen oder anderen alten Kameraden stosse. «Obwohl ich inzwischen ja fast niemanden mehr kenne», fügt er gedankenverloren hinzu.
Die Geburtstagsfeier

Bis er mit 18 Jahren von zu Hause auszog, lebte Henri Chammartin in einer zwölfköpfigen Grossfamilie in Chavannes-sous-Orsonnens. Als Dressurreiter bei der Schweizer Armee verbrachte der gebürtige Romand mehr als dreissig Jahre in Thun und Bern, wo er fliessend Schweizerdeutsch lernte. Danach kehrte er in seinen Heimatkanton zurück und bewohnte bis vor einem Jahr zusammen mit seiner Frau ein kleines Bauernhaus in Alterswil.

Im Restaurant Schlüssel in Überstorf haben einige seiner Reiterkameraden aus dem Militär eine Geburtstagsfeier für ihn organisiert. An die 60 Freunde und Bekannte sind zusammengekommen, um mit dem Jubilar Speis, Trank und Musik zu geniessen. cs

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