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Das Schicksal von Vertriebenen

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Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Autor: Aldo Fasel

Das Elend, das die Heimatvertriebenen aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten nach dem 2. Weltkrieg erleben mussten, widerfuhr bereits nach dem ersten Weltkrieg auch unzähligen Russen, die fluchtartig ihre geliebte Heimat verlassen mussten, weil sie sich für das zaristische Regime und gegen die revolutionären Bolschewiken eingesetzt hatten.

Verklärte Heimat

Viele russische Zarenanhänger waren dabei nach Frankreich und besonders zahlreich ans Mittelmeer nach Nizza geflüchtet, wo sie versuchten, ein neues Leben zu beginnen. Dabei werden sie wie Babuschka, Grossmutter von Sonja, der Hauptfigur und Ich-Erzählerin, immer wieder von ihrer Vergangenheit in der so geliebten und verklärten russischen Heimat eingeholt.

Erschwerend kommt hinzu, dass die Immigranten aus dem Zarenreich von den meisten einheimischen Bewohnern als Menschen zweiter Klasse angesehen werden. Trotz widriger Umstände müssen sich Sonja und Babuschka durchbeissen.

Bei der Grossmutter

Sonjas Eltern haben sich getrennt und aus dem Staub gemacht. Unfähig, über das verlorene Leben in Russland hinwegzukommen, führen sie ein eher armseliges Dasein und überlassen ihre Tochter Sonja ganz einfach der Grossmutter.

An eine Rückkehr in die alte Heimat war und ist nicht zu denken, die bolschwistische Revolution sitzt seit Jahrzehnten fest im Sattel. Sonja hat es nicht ganz einfach mit ihrer Grossmutter. Einerseits – so will es die russische Tradition – führt Babuschka trotz des fortgeschrittenen Alters noch immer ein strenges Regime im Zweipersonen-Haushalt und hält ihre Enkelin ganz straff an der kurzen Leine.

Rollenwechsel

Andererseits gerät sie immer mehr in Abhängigkeit von Sonja. Altersgebrechlichkeit, abnehmende Gedächtnisleistung und zu guter Letzt ein Unfall zwingen die beiden Frauen zu einem ruckartigen Rollenwechsel. Sonja muss Verantwortung übernehmen und wird auf diese Weise, eigentlich ziemlich unvorbereitet und ganz überraschend, erwachsen.

Sprache und Gespür

Wer nun aber einen spannungsgeladenen Roman erwartet, muss enttäuscht werden. Das Buch lebt nicht so sehr von der erzählten Geschichte, sondern vielmehr von der gepflegten, schönen Sprache, gepaart mit viel Einfühlungsvermögen und Gespür für die Stadt am Meer, für deren Bewohner, für die Immigranten und vor allem für das Schicksal der Grossmutter.

Der Roman ist sehr autobiographisch geprägt und zwar dadurch, dass sich Véronique Olmi von der Lebensgeschichte Babuschkas inspirieren lässt und diese doch sehr ausgefallene Biographie auf ihre eigene literarische Weise verarbeitet.

Etwas Geschichte

Eine schöne, jedoch gut verdauliche Portion Geschichtswissen kriegt der Leser auch noch mit. Babuschkas Erzählungen und Mahnungen an die Enkelin lesen sich teilweise wie Spionage- oder Politromane: Lenin, Stalin, der berüchtigte sowjetische Geheimdienst KGB, die Romanows und berühmte russische Schriftsteller geistern immer wieder in Grossmutters Phantasiewelt herum.

Véronique Olmi: Die Promenade. Roman. München: Kunstmann, 2009. 237 S. Aus dem Französischen übersetzt.

Aldo Fasel ist Leiter der Volksbibliothek Plaffeien-Oberschrot-Zumholz.

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