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«Das sind Lockerungen, die keine sind»

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«Es stellt sich nicht mehr die Frage, ob man etwas tun kann, sondern wie man es tut.» Mit diesen Worten und einem strahlenden Lächeln verkündete am Mittwoch Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga (SP) den Aufbruch in eine neue Normalität. Ab dem 6. Juni können Nachtclubs und Konzertlokale wieder öffnen. Doch der präsidiale Freudenfunke ist nicht auf die Betreiber dieser Etablissements übergesprungen. Justament das von Sommaruga angesprochene «Wie» hat es in sich. So sind zwar neu Veranstaltungen mit bis zu 300 Personen erlaubt. Doch müssen Schutzkonzepte der Branchenverbände eingehalten werden, ebenso die Hygiene- und Distanzregeln. Ist das nicht möglich, müssen die Kontaktdaten der Besucher aufgenommen werden, um bei einem Covid-Fall die Ansteckungskette zurückverfolgen zu können. Zudem gilt: Sperrstunde ist um Mitternacht.

«Das ist doch ein Kasperlitheater», kommentiert Daniel Fontana vom Konzertlokal Bad Bonn in Düdingen die bundesrätlichen Ankündigungen. «Wenn ich das richtig verstanden habe, dürfte ich im Bad Bonn eine grosse Hochzeitsgesellschaft empfangen, bei der die Distanzregeln nicht eingehalten werden müssen. Als Beiz könnte ich zudem an einen Tisch 30 Leute setzen, und keiner würde was sagen. Wenn ich aber im selben Raum ein Konzert organisiere, muss pro Person vier Quadratmeter Platz gewährleistet sein.» Die Kommunikation des Bundesrates sei derart kompliziert, dass sie kaum zu verstehen sei.

«90 Prozent des Umsatzes erzielen wir normalerweise zwischen 23.30 und 3 Uhr.»

Karl Ehrler

Betreiber des Sous-Sol

Zwar sehe er ein, dass eine Öffnung psychologisch wichtig sei. «Ich hätte es aber bevorzugt, wenn sie uns Geld gegeben hätten, um zu warten, bis wirklich alles gut ist.» Denn: «Wenn schon eine Öffnung, dann sollte sie die speziellen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der Kultur berücksichtigen.» Es müsse ja jedem einleuchten, dass man mit 18 Besuchern auf 74 Quadratmetern keine Konzertgage bezahlen könne. «Dann lässt man die Bands lieber in den Wald gehen, wo sie dreissig Leute bei einem Bier beglücken können.» Was das Bad Bonn angehe, werde er jedenfalls spontan entscheiden, ob er in den kommenden Wochen im Rahmen des Kneipenbetriebs auch mal eine lokale Band auftreten lasse.

Sous-Sol bleibt geschlossen

Auch Karl Ehrler vom Sous-Sol in der Stadt Freiburg kann keinen wirtschaftlichen Vorteil der Lockerungen für sein Lokal erkennen. «Das sind Lockerungen, die keine sind. Ich werde nicht aufmachen.» Als Bar mit einer Tanzfläche von rund 120 Quadratmetern könnte er nur rund 30 anstatt 250 Personen Einlass gewähren. Denn die Aufnahme der Kontaktdaten in einem Nachtclub sei schlicht nicht machbar, so Ehrler. Noch problematischer ist für ihn aber die Sperrstunde um Mitternacht: «90 Prozent des Umsatzes erzielen wir normalerweise zwischen 23.30 und 3 Uhr.» Dass die Leute nun früher kommen würden, sei illusorisch. Angesichts all dieser Einschränkungen würde er nicht nur zu wenige Einnahmen erzielen. «Von 15 Angestellten, die aktuell in Kurzarbeit sind, könnte ich gerade mal eine Person beschäftigen.» Wenn in absehbarer Zeit keine finanzielle Unterstützung komme, werde er möglicherweise schon im August die Bilanz deponieren müssen. «Bis anhin war die Miete bloss gestundet. Am Mittwoch zeigte sich der Vermieter zwar bereit, 60  Prozent der Miete zu übernehmen. Ab August muss ich aber in jedem Fall wieder die volle Miete bezahlen – egal was passiert.»

Fri-Son öffnet vielleicht

Anders ist die Situation bei den Konzertlokalen Spirale, Nouveau Monde und Fri-Son. Sie gehen alle im Juni in die übliche Sommerpause, die bis anfangs September dauert. Da­rum werden sie nicht öffnen. Nur beim Fri-Son überlegt man sich, trotzdem gewisse Konzerte zu organisieren, wie Generalsekretärin Léa Romanens sagt. «Vielleicht hätten wir gerade jetzt eine Mission zu erfüllen, um die Künstler zu unterstützen.» Bei Einhaltung von vier Quadratmetern pro Person fänden 300 von maximal 1000 Personen Platz. Ob die erforderlichen Schutzmassnahmen allerdings logistisch machbar wären, kann Romanens nicht sagen. Die Sperrstunde um Mitternacht würde sie bei Konzerten jedenfalls nicht stören. «Ich bin froh, wenn ich nicht Polizistin spielen muss, wenn sich die betrunkenen Besucher nicht mehr an die Regeln halten.» Klar sei aber auch, dass dann ein DJ-Tanzabend nicht drin sei. Denn diese liefen erst um Mitternacht so richtig an.

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