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Das ungelöste Rätsel um Schloss Cressier

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Als der Primarschüler Marc Andrey am Morgen des 4. November 1974 auf dem Schulweg zum Schloss Cressier blickte, da schien ihm, als hätte es über Nacht geschneit. Doch was er sah, war der Löschschaum der Feuerwehr, die in der Nacht einen Brand am historischen Gebäude bekämpft hatte. Marc Andrey geht der Fall noch heute nicht aus dem Kopf. Er ist unterdessen Chef der Freiburger Kriminalpolizei, und der Brand des Schlosses Cressier ist eine jener Fälle, die nie gelöst wurden.

«Der Brand machte die Bevölkerung von Cressier stark betroffen», sagt Andrey im Gespräch mit den FN. Beim Schloss handelt es sich um das Herrenhaus de Reynold, gebaut 1665. Das bekannteste Mitglied der Familie war der Historiker und Schriftsteller Gonzague von Reynold (1880–1970), der hier eine Anzahl seiner Schriftstücke verfasste.

Wertvolles gerettet

Beim Brand 1974 wurden der zweite Stock und das Dach zerstört. Schäden gab es aber am ganzen Gebäude. An den Wiederherstellungsarbeiten beteiligten sich nebst der Besitzerfamilie auch der Bund, der Kanton und die Loterie Romande. Konnten die wertvollen Wandmalereien im Innern restauriert werden, so wurden persönliche Gegenstände Gonzague de Reynolds zerstört, etwa eine Pendule oder Orden der Ehrenlegion und der Malteser.

Feuerwehrleute aus der Region kümmerten sich um den Brand, und Einwohner von Cressier halfen, Möbel, Bücher, Gemälde und die Säbel und Dolche aus der Waffenkammer zu evakuieren. «Drei Arten von Personen waren am Brandort: jene, die beim Löschen halfen, Gaffer sowie Polizisten und Feuerwehrleute, die kontrollierten, dass nichts gestohlen wurde», erinnert sich Marc Andrey an Berichte seiner Eltern.

Am Tag nach dem Brand spekulierten die Zeitungen, dass entweder ein Kurzschluss oder der Kamin am Ursprung des Brandes standen. Bald aber fiel der Verdacht auf die Mieter selber, sagt Kripo-Chef Andrey.

Der Brand brach am Sonntagabend, dem 3. November, gegen 23.30 Uhr aus. Im Schloss befanden sich der Mieter, seine Frau und deren Cousine. Wie aus dem Polizeibericht hervorgeht, sagte die Mieterin damals aus, sie hätte ein Geräusch gehört, als befinde sich jemand im Haus. Sie weckte ihren Mann, der vergeblich versuchte, im Schlafzimmer das Licht anzuschalten. Auch im Flur habe der Lichtschalter nicht funktioniert. Sie hörten das Knistern aus dem oberen Stockwerk, und als klar war, dass es im ganz aus Holz gebauten Estrich brannte, habe der Mann umsonst versucht, mit dem Feuerlöscher über die Wendeltreppe zu löschen.

«Die Haustür war verschlossen», so Marc Andrey. Nach der Untersuchung schloss der Polizeibericht aus, dass der Brand von jemand Aussenstehendem verursacht worden war.»

Mieter in Geldnot

Den damaligen Verdacht gegen die Bewohner begründet Andrey so: «Sie befanden sich in einer prekären finanziellen Situation.» Die Frau hatte ein Versandhaus betrieben, das kurz zuvor in Konkurs gegangen war. Der Mann führte in Bern eine Firma für Auto-Zubehör, die ebenfalls vor dem Aus stand: Gläubiger wurden vertröstet, und 60 der 190 Mitarbeiter hatten im selben Jahr gekündigt. «Dazu kam, dass das Ehepaar zu jener Zeit ein Immobilienbüro beauftragt hatte, Nachmieter zu finden.»

Bei der Untersuchung wurde auch die Versicherungssituation beleuchtet. Das Schloss war bei der Gebäudeversicherung mit 425 000 Franken ­eingetragen, dazu hatten die Besitzerin eine Privatversicherung über 200 000 Franken und die Mieter eine über 120 000 Franken abge­schlossen.

Die Untersuchung schloss auch die anwesende Cousine mit ein. Diese sei zwar eine Raucherin gewesen und hatte im Gebäude ein Künstleratelier, dieses aber zum Zeitpunkt, als das Feuer ausbrach, nicht benutzt. «Die Zeugenaussagen waren nicht komplett zu überprüfen», heisst es im Bericht. Die Ermittlungen erschwerte gemäss Andrey, dass das Elek­tro-Tableau nicht gefunden werden konnte, weil es zerstört worden war. So konnte man weder einen Kurzschluss, einen Kaminbrand noch den genauen Brandverlauf abklären. «Die Feuerwehr musste den Standort des Schaltkastens sicherheitshalber räumen. Dies trug den Verantwortlichen der Feuerwehr aber viel Kritik ein» (siehe Kasten links). Wie aus dem Bericht hervorgeht, habe der Untersuchungsrichter, der gleichzeitig Gerichtspräsident im Seebezirk war, angeordnet, am Brandobjekt nichts zu verändern: «Durch mehrere ungünstige Umstände konnte dieser Befehl nicht eingehalten werden.» Die Kammer wurde vom Schutt freigelegt, der Kamin abgerissen.

Ein zweiter Brand

Ob man mit heutigen Mitteln die Brandursache des Schlosses Cressier hätte herausfinden können, lässt Marc Andrey offen: «Die Technik hat sich entwickelt, aber Brandermittlungen sind immer schwierig.»

Der Brand bewegt die Einwohner bis heute. Besonders der frühere Gemeinderat Marcel Julmy hat sich intensiv mit der Geschichte de Reynolds und des Schlosses beschäftigt. Er machte selber Forschungen rund um den Brand und fand heraus, dass 1972 schon einmal Räumlichkeiten des 2018 verstorbenen Mieters in Flammen aufgegangen waren. Ursache unbekannt. Und Julmy erinnert sich noch an etwas: Am Tag nach dem Brand in Cressier begann es zu schneien.

Zum 100-Jahr-Jubiläum gewährt die Kriminalpolizei Einblick in alte Fälle.

Werner Sahli

Die Sicherheit der Feuerwehrleute hatte Vorrang

Eine besondere Verantwortung kam beim Brand des Schlosses Werner Sahli zu: Er war zu jener Zeit Feuerwehrwehrkommandant des Korps von Cressier. Als solcher war er mit seinen Männern von Anfang an am Brandort und versuchte, das Feuer unter Kon­trolle zu bringen.

Doch das Ausmass des Feuers überstieg die Kapazitäten seiner Dorffeuerwehr. Nach einer gewissen Zeit trafen die Einsatzfahrzeuge des Stützpunkts Murten sowie weitere Verstärkung aus umliegenden Dörfern ein. «Ich übergab dann die Leitung des Einsatzes dem Kommandanten des Stützpunkts», so Sahli.

Die Grissacher standen dem Murtner Kommandanten unterstützend zur Seite und kontrollierten den Brandplatz. Erst als das Feuer im Verlauf der Nacht unter Kontrolle war, ging das Kommando zurück an Sahli: Es galt, das abgebrannte Gebäude zu räumen und eine Brandwache einzurichten.

Wie aus einem Zeitungsbericht vom Tag nach dem Brand hervorgeht, halfen Bewohner des Dorfs, die Gegenstände aus dem Herrenhaus zu räumen. «Wir waren uns bewusst, dass es Wertvolles im Innern haben musste. Ich erinnere mich noch an eine Truhe, in der sich eine Medaille der Olympischen Spiele von Paris befand.» Sahli liess ein Lager in einer Schreinerei einrichten, und seine Männer wachten darüber, dass nichts wegkam.

Für diese Räumung musste Sahli später Kritik einstecken. Er liess die Kammer räumen, in der sich der Schaltkasten befand, und er liess ein Kamin niederreissen. Doch ausgerechnet da hätten die Ermittler Spuren sichern wollen. «Ich musste so handeln: Es ging um die Sicherheit der Feuerwehrleute», so Sahli. «Der schwere Kamin drohte einzustürzen, und ein Feuerwehrmann hatte sich beim Einsatz verletzt, als er durch das Gebälk hinunterstürzte.»

uh

Marcel Julmy

Später auf einen zweiten Brandfall gestossen

Marcel Julmy war sechs Monate in England gewesen und erst eine halbe Woche wieder zurück, als ihn die laute Feuersirene spät am 3. November 1974 fast vor seinem Schlafzimmer aufschreckte. Er sah sofort, dass Flammen aus dem Dachstock des Schlosses schossen. Mit seiner Kamera machte er Fotos, als das Feuer noch wild loderte.

Auch später sammelte Julmy alles, was ihm zum Schloss und dem berühmten Bewohner Gonzague der Reynold in die Hände kam. So hatte er Luftaufnahmen des Gebäudes, dank denen man später das Ziegeldach möglichst originalgetreu restaurieren konnte. Am Tag nach dem Brand sah er, wie in einer Kiste mit Brandresten das metallene Wappen der Besitzerfamilie wegtransportiert wurde. Er hatte nicht den Geistesblitz, es zu retten. Aber dank seiner Fotos konnten man das Emblem mit der Krone später rekonstruieren. Julmy war im Gemeinderat von Cressier und publizierte im Gemeindeblatt regelmässig Historisches aus dem Dorf. 40  Jahre nach dem Brand schrieb er auch wieder über das Schloss, und es fand eine Schlossführung für die Bevölkerung statt.

Auch Julmy liess die ungeklärte Brandursache keine Ruhe. So suchte er in Archiven unter anderem Informationen über die damals verdächtigten Mieter. Dabei stiess er auf einen Artikel über einen Brand am 5. Januar 1972 im Untergeschoss des Postauto-Bahnhofs in Bern. In diesem Raum befanden sich Spraydosen, Fernseh- und Stereogeräte, Autopneus und anderes. Der Mieter der Räumlichkeiten gab damals einen Wert von 1,5 Millionen Franken an. Der Postauto-Betrieb in Bern musste kurzzeitig unterbrochen werden. Mieter bei den PTT war der Bewohner des Schlosses Cressier, der den Raum als Lager für seine Firma nutzte. Die Brandursache blieb im Dunkeln.

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