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Das Verdikt der Götter: Jutzet tritt ab

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Fragte man den SP-Staatsrat Erwin Jutzet in den vergangenen Wochen und Monaten, ob er im Herbst für eine dritte Legislatur kandidiere, so zitierte er jeweils Goethe: «Das wissen allein die Götter, doch sie sagen es mir nicht.»

Gestern Morgen lud Jutzet zu einer Medienkonferenz im Freiburger Rathaus und sagte gleich zu Beginn: «Letzte Nacht sind die Götter zu mir gekommen und haben mich inspiriert.» Es dauerte dann aber weitere 15 Minuten, während denen Jutzet Rückschau hielt, bis er sagte: «Ich erkläre, dass ich nicht mehr als Kandidat zu den Staatsratswahlen im Herbst antrete.»

Der Schmittner zog eine Parallele zur früheren SP-Bundesrätin Ruth Dreyfuss, die als Gewerkschafterin mit 65 Jahren in Pension gegangen ist. Jutzet wurde am vergangenen 7. Mai 65-jährig und sagte deshalb: «Es ist Zeit, den Stab weiterzugeben. Ich möchte zu neuen Ufern aufbrechen und gehe mit gutem Gewissen und auch einem gewissen Stolz.»

Der Sozialdemokrat erklärte, dass einzig sein Alter der Grund sei, einen Strich unter seine Politik-Karriere zu ziehen. «Ich hatte für mich den Entscheid schon lange getroffen, mit 65 zu gehen.» Die Inspiration der Götter aus der Nacht zuvor kann ihn in seinem Entscheid also höchstens noch bekräftigt haben. Jutzet bekannte denn auch: «Es machte mir auch eine gewisse Freude, noch einen Zweifel im Raum stehen zu lassen.»

«Besessen von der Politik»

«Es geht mir sehr gut und ich bin glücklich nach 35 Jahren Politik», sagte Jutzet. 14 Jahre war er Grossrat, zwölf Jahre Nationalrat und zuletzt neuneinhalb Jahre Staatsrat (siehe Kasten). «Ich bin besessen von der Politik. Einige bezeichnen mich gar als ‹animal politique›. Ich habe zwar Lust auf mehr, aber man hat immer auch die Möglichkeit, etwas Neues anzufangen», sagte er. Wie sein Leben nach der Politik aussehen wird, konnte er gestern aber noch nicht sagen.

Jutzet präsentierte eine Liste von Gesetzen, institutionellen und baulichen Leistungen, sowie Änderungen in Strukturen und Organisationen, die er in den letzten zehn Jahren realisiert oder eingeleitet hat. Er erwähnte die Revision des Polizei- und des Justizgesetzes, den Zusammenzug des Kantonsgerichts, das Gesetz für Entwicklung und Zusammenarbeit, die Reorganisation der Anstalten Bellechasse, den Campus Schwarzsee, das Polizeigebäude, die Personalaufstockung bei der Polizei und die Pensionierung der Strafvollzugbeamten mit 60 Jahren.

«In der Politik braucht es Vertrauen und eine tiefe Überzeugung», so Jutzet. «Als Sozialdemokrat habe ich immer die Sichtweise der Schwächeren vertreten: Behinderte, Prostituierte, Sans-Papiers oder Verdingkinder.»

Das Sparen schmerzt

Jutzet ging auch auf seine Arbeit als Mitglied des Gesamtstaatsrats ein: Dank der gelebten Kollegialität geniesse die Freiburger Regierung in der Schweiz einen guten Ruf.

«Nicht alle Entscheide fielen einstimmig; manchmal war das auch schmerzlich», sagte er. «Am schmerzlichsten waren aber die Sparmassnahmen des Kantons, vor allem in Bezug auf das Personal. Seit 2007 hat die Bevölkerung um 50 000 Personen zugenommen und der Staat hat ein Vermögen von 1,1 Milliarden Franken. Wir brauchen mehr Personal; es kann nicht sein, dass wir Richtung Abbau des Service public gehen.»

Zur Person

Nach Niederlagen immer noch höher

Der 1951 geborene Erwin Jutzet hat als Sohn eines Kleinbauern und Arbeiters eine Karriere als Jurist eingeschlagen. Nach der Latein-Griechisch-Matura studierteJutzet an der Uni Freiburg Rechtswissenschaften. Er arbeitete alsJuristim Gemeindedepartement, warGerichtsschreiberim Seebezirk, wurde Bundesgerichtsschreiber und eröffnete eine Anwaltskanzlei.

Erwin Jutzet musste in seiner Karriere einige Niederlagen einstecken, nur um anschliessend in höhere Funktionen aufzusteigen. So verlor er beispielsweise eine Kantonsrichterwahl, wurde dann aber Ersatzrichter am Bundesgericht. Auch politisch folgte auf eine Niederlage bei der Wahl für das Oberamt des Sensebezirks 1981 dieWahl in den Grossen Rat, den er 1995 gar präsidierte. AuchSP-Fraktionschefwar er während seiner Zeit im Rathaus.

Das Jahr alshöchster Freiburgerdiente Jutzet 1995 als Sprungbrett für das Bundesparlament: von 1995 bis März 2007 war erNationalrat. In der Grossen Kammer präsidierte er die aussenpolitische Kommission und war in der Rechtskommission.

Auch dem Sprung in dieKantonsregierungwar eine Niederlage vorausgegangen: Eine Kandidatur 1991 verlief noch erfolglos, bei den Wahlen 2006 wurde er als erster gebürtiger Sensler Sozialdemokrat gewählt. Er übernahm die Führung derSicherheits-und Justizdirektion. Der Schmittnerpräsidierte die Regierung2011 und 2015.uh

 

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