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Das Vertrauen war ihm sicher

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Ein Weibel macht seine Arbeit dann richtig, wenn er das Sitzungszimmer des Staatsrats betritt und dieser ohne zu zögern weiterdiskutiert. «Man ist zwar da, sollte aber eigentlich gar nicht da sein», beschreibt Beat Zbinden sein Auftreten. Diskretion und Loyalität seien in seinem Beruf das oberste Gebot. So musste der 59-Jährige in seiner Karriere so manches «Staatsgeheimnis» für sich behalten und bleibt auch heute völlig diskret. Das Vertrauen der Obrigkeit und der Mitarbeiter sei etwas, was man sich als Weibel erschaffen müsse und niemals verlieren dürfe. Und wenn eine Staatsrätin oder ein Staatsrat während der Sitzung immer langsamer spreche, wisse auch er, dass er das Zimmer besser verlassen sollte.

«Wie im Männerkloster»

Dienen, das gefällt ihm. Beat Zbinden übt seinen Beruf mit Leidenschaft aus. Heute zum letzten Mal, nach 36 Jahren. Der Bösinger hat seine Arbeit gerne gemacht. Er habe gelebt für den Beruf und manchmal sogar zu viel gegeben. Deshalb will er nun mit 59 Jahren einige Gänge zurückschalten und nicht mehr immer an alles denken müssen. Denn Staatsweibel sein kann auch belastend sein. «Wir Weibel haben eine grosse Verantwortung, aber weder Kompetenzen noch Einfluss. Das ist das Grundübel des Berufs», sagt er.

Als er 1978 erstmals die Staatskanzlei betrat, war er sich nicht sicher, ob er bleiben würde. «Die Stimmung war ganz komisch, wie in einem Männerkloster», erinnert er sich. Wer auf dem Gang laut redete oder pfiff, wurde ermahnt. Doch Zbinden blieb. Der Auslöser war die 500-Jahr-Feier des Kantons Freiburg 1981. «Damals hat sich Freiburg geöffnet und in der Schweiz ins Gespräch gebracht. Es war eine Aufbruchsstimmung zu spüren.» Zudem sei er mit dem damaligen Vizekanzler und späteren Kanzler René Aebischer auf einer Wellenlänge gewesen.

Allzeit bereit

28 Staatsrätinnen und Staatsräte hat Beat Zbinden miterlebt. Vor der Verfassungsänderung im Jahr 2005 stand er für über 300 Grossräte im Einsatz, und in seiner Amtszeit wurden fast 1800 Staatsratssitzungen abgehalten. Während diesen muss er den Staatsräten zur Verfügung stehen und Dokumente oder Kaffee bringen. «Das ist kein Job von acht bis fünf. Der Weibel ist der Erste, der kommt, und der Letzte, der geht», erzählt er. Auch Einsätze am Wochenende und am Abend gehören zu seinem Arbeitsalltag. «Mal bin ich mit Kopieren beschäftigt, am anderen Tag helfe ich dem spanischen König aus dem Wagen.» So in etwa gestaltet sich die Spannweite seines Berufes. Doch das Zeitalter des Kopierens hat Beat Zbinden in der Zwischenzeit hinter sich gelassen. Der Staatsrat arbeitet heute papierlos. Das Geräusch der Trolleys, mit denen die Staatsräte die Dossiers transportierten, ist aus der Kanzlei verschwunden.

 Hat der Weibel einen öffentlichen Auftritt, fällt er auf. Denn er absolviert diesen im Ornat: mit Mantel, Zweispitz, Zepter und Handschuhen. Da kann es schon vorkommen, dass der Staatsrat kaum beachtet wird. Zum Beispiel bei der Übergabe der Geschenke an die 100-jährigen Freiburgerinnen und Freiburger. «Wer ist eigentlich der Mann neben dem Weibel?», hat schon manch ein Jubilar wissen wollen. Beat Zbinden trägt die Uniform mit Stolz. Das sei Voraussetzung, um ein guter Weibel sein zu können. «Es muss einen kitzeln, wenn man den Mantel anzieht. Sieht man aus wie eine Vogelscheuche, wird nichts daraus.» Mit Stolz trug er den Mantel auch bei den vielen Bundesratswahlen, die er miterlebt hat.

Wäre heute nicht sein letzter Arbeitstag, stünde Beat Zbinden übermorgen am Abstimmungssonntag im Rathaus im Einsatz. Er kann sich an Zeiten erinnern, als die Resultate in seinem Zimmer in der Kanzlei auf eine Wandtafel geschrieben wurden und die rauchenden Journalisten im Gang warteten. Heute sind die Resultate online für alle zugänglich.

Sein Organisationstalent hat Beat Zbinden auf seine Pension übertragen. Er hat für Samstag in einer Woche eine Reise nach Domodossola organisiert und 30 Personen dazu eingeladen. Angemeldet haben sich 35.

Weibel Beat Zbinden (l.) mit dem Staatsrat im Jahr 1981 (v. l.): Denis Clerc, Hans Baechler, Edouard Gremaud, Ferdinand Masset, Rémi Brodard, Marius Cottier, Félicien Morel und der Staatskanzler Georges Clerc. Bild La Liberté/aZieht Beat Zbinden seine Uniform in den Kantonsfarben an, überkommt ihn jedes Mal ein besonderes Gefühl. Bild Alain Wicht/a

Lob von den Vorgesetzten: «Arbeitsweise ISO-zertifiziert»

S ehr gradlinig, immer perfekt angezogen und durch und durch korrekt. So beschreibt Staatsrat Beat Vonlanthen den Staatsweibel Beat Zbinden, mit dem er während zehn Jahren zusammengearbeitet hat. «Er ist ein Beispiel eines Staatsdieners. Er kennt jedes Prozedere in- und auswendig.» Beat Zbinden sei ihm und den anderen Regierungsmitgliedern bei offiziellen Anlässen immer eine grosse Hilfe gewesen. Er habe sie beim Ablauf gecoacht und vor einer Rede auch mal in letzter Minute einen weissen Faden vom schwarzen Anzug entfernt. Er bedaure es, dass Zbinden bereits in Pension gehe. «Sein Interesse für die Belange des Staatsrates war sehr breit», sagt Beat Vonlanthen. So habe Zbinden ihn öfters auf Zeitungsartikel hingewiesen, die für den Staatsrat von Interesse sein konnten. «Er hat sich in den 36 Jahren ein breites Netzwerk aufgebaut. Das beeindruckt mich besonders.»

Diskretion, die Freude am Formellen und an den traditionellen Formen sowie ein Flair für administrative Aufgaben würden einen guten Staatsweibel ausmachen, findet Beat Vonlanthen.

Nachfolger aus Marly

Auch die Staatskanzlerin Danielle Gagnaux und Vizekanzler Olivier Curty sind voll des Lobes für Beat Zbinden. Seine Arbeitseinstellung, sein Engagement, sein Wissen: Er habe seine Funktion geprägt wie kein anderer zuvor. «Seine Arbeitsweise wurde zum Standard für alle anderen Weibel und müsste eigentlich ISO-zertifiziert werden», sagt Olivier Curty mit einem Schmunzeln. Sich während 36 Jahren in einem wandelnden Umfeld zu behaupten, verlange nach einer aussergewöhnlichen Anpassungsfähigkeit, nach grossem Willen und der Gabe, sich dem Neuen offen zu stellen.

Nachfolger von Beat Zbinden wird Marcel Buchs. Buchs ist zweisprachig, stammt aus Pierrafortscha und wohnt in Marly. Er wird seine Stelle am 1. Juni 2014 antreten. ak

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