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Das Wetter bestimmt, wo gegraben wird

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Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Bei der Alphütte Oberer Euschels weht ein rauer Wind. Innerhalb von wenigen Minuten bläst er unzählige Wolkentürme an den nahen Berggipfeln vorbei, mal sind ein paar Sonnenstrahlen und ein Stück blauer Himmel zu sehen, mal sieht es aus, als ob es gleich schneien würde.

Der starke und kalte Wind treibt die Turbinen des kleinen Windrades auf dem Dach der Alphütte mit hoher Geschwindigkeit an. Es produziert auf diese Art Strom, der in der Alp-hütte für Licht sorgt. Die andere Stromquelle, die Solarpanels auf dem Dach, tragen bei diesem Wetter wenig zur Stromversorgung bei. Noch sind die Kühe auf den Weiden. Wenn sie gegen Abend zum Melken zur Hütte getrieben werden, braucht die Alpfamilie Buchs den Generator, um die Melkmaschine anzutreiben (siehe auch Kasten).

Strom vom Ritzli

Diese Tage mit einem Minimum an Strom sind gezählt, denn seit gut zwei Wochen läuft das Elektrifizierungsprojekt der Alp­genossenschaft Wünnewil, Besitzerin der Alp-hütten Oberer und Unterer Euschels. Das Ziel: Die beiden Liegenschaften mit Strom versorgen und so eine zeitgerechte Bewirtschaftung ermöglichen (die FN berichteten).

An diesem Tag überzeugen sich Andreas Freiburghaus, Präsident der Genossenschaft, sowie Baukommissionspräsident Erwin Perler von den Fortschritten der Bauarbeiten. Der Strom soll von der Alp Ritzli auf Jaun-Seite über die Krete hinunter zum Oberen Euschels und weiter zum Unteren Euschels gezogen werden.

Theoretisch klingt das einfach: einen Graben öffnen, Rohre verlegen, Kabel durchziehen, Strom anschliessen. Das steile und unebene Gelände, die Bodenbeschaffenheit und vor allem das Wetter machen das Arbeiten auf diesem Untergrund aber nicht einfach. Der Boden ist durch das Regenwetter der letzten Tage durchnässt, so dass die Maschinen nicht überall eingesetzt werden können. «Ein Ziel ist es auch, die Schäden auf dem Terrain möglichst klein zu halten», erklärt Erwin Perler. Emil Riedo und Christian Jungo, die als Unternehmer mit ihren Baggern für die Alpgenossenschaft im Einsatz sind, passen ihren Einsatzplan entsprechend an. Sie arbeiten sich nicht systematisch von A nach B vor, sondern setzen jeweils dort an, wo es das Wetter gerade zulässt.

Seit Jahren in Diskussion

Bis vor gut zwei Jahren hatte die Alpgenossenschaft Wünnewil bei ihrem Projekt einzig die Stromversorgung im Fokus. Mehrere Anläufe, die Stromversorgung auf den beiden Alpen sicherzustellen, waren in den letzten Jahrzehnten aus verschiedenen Gründen gescheitert: Mal gab es Überlegungen, die in der Nähe liegende ehemalige Armeefestung miteinzubeziehen, mal gab es Ideen für einen Windpark – alle Varianten zerschlugen sich, bis der Vorstand vor einigen Jahren einen neuen Anlauf nahm.

Neue Komponente

Die Planung war bereits weit fortgeschritten, als das Bundesamt für Landwirtschaft nach dem dramatischen Alpsommer 2015 mit grosser Trockenheit eine neue Komponente ins Spiel brachte: die Wasserversorgung. «Das war eine weitsichtige Überlegung», sagt Andreas Freiburghaus. Zwar hatten die beiden Euschels-Alpen in der Vergangenheit kaum Probleme mit der Wasserversorgung gehabt, da es im Gebiet eigene Quellen gibt. Doch der trockene Sommer vor zwei Jahren hatte auch hier gezeigt, dass sich die Zeiten ändern könnten, wenn die Wasserreserven mal erschöpft sind und die bestehenden alten Leitungen defekt werden. Das Wasser der Quellen mit rund 30 Minutenlitern wird via Druckstosspumpe, einem sogenannten Widder, zum Oberen Euschels gepumpt, das Restwasser fliesst zum Unteren Euschels.

Dem Gelände angepasst

Jetzt werden in den gleichen Graben, in den die Stromleitungen gelegt werden, auch die neuen Wasserleitungen verlegt. Das führte dazu, dass das Trassee an einige steile Stellen verlegt werden musste. «So weit es irgendwie möglich ist, möchten wir das natürliche Gefälle ausnützen, um das Quellwasser zu transportieren und damit zum Beispiel den Unteren Euschels im freien Lauf zu versorgen», erklärt Andreas Freiburghaus. Erst kurz vor Beginn der Bauarbeiten hatte der Alphirt des Ritzli die Idee aufgebracht, die Wasserleitung bis zu seinem Sammelschacht zu ziehen, um so auf Jaun-Seite eine Notversorgung in petto zu haben. Ob dies ausgeführt wird, ist noch nicht klar: Die Mitfinanzierung durch die Gemeinde Jaun ist zugesichert, hingegen muss der Zusatzaufwand in den Projektkosten Platz haben.

100 Meter pro Tag

Rund 3,5 Kilometer Graben sind nötig, 80 Zentimeter tief, wie dies für Mittelspannungsleitungen vorgeschrieben ist. Allein für den Abschnitt vom Oberen Euschels bis zur Krete sind 90 Höhenmeter zu überwinden. Wenn alles passe, dann schaffe er pro Tag rund 100 Meter, sagt Emil Riedo. Dazu gehört, die oberste Humusschicht abzutragen, zu graben, die Leitungsrohre einzulegen und den Graben wieder zu schliessen. Das geht aber nur bei trockenem Wetter, bei «normaler» Hanglage und wenn er beim Aushub auf «normal baggerfähiges Material» stosse.

Manchmal muss er den Spitzhammer am Bagger montieren, um grössere Felsen aus dem Boden mit Kalkstein und Tuff zu knacken. Damit das Stromkabel später problemlos durch die Rohre gezogen werden kann, darf der Graben keine grösseren Kurven ent­halten.

Das ausgehobene Material wird wieder für die Aufschüttung verwendet. «Normalerweise wird auf Rohrleitungen eine Schicht weiches Material wie zum Beispiel Sand gelegt, um die Rohre zu schützen», erklärt Bauleiter Andreas Wicky vom Büro pb-Plan in Plaffeien. Um nicht zu viel zusätzliches Material auf den Bauplatz bringen zu müssen, kommt ein weiterer Spezialaufbau am Bagger zum Einsatz: Ein sogenannter Sieblöffel filtert den Aushub und sorgt für die gewünschte weichere Schicht.

Bis zum Wintereinbruch

Andreas Freiburghaus und Erwin Perler sind zufrieden mit den Baufortschritten. «Wir hoffen, dass wir einen Grossteil der Arbeiten noch diesen Herbst ausführen können», sagt der Genossenschaftspräsident. «Wir graben, so lange wir vom Wetter her können und wie es vernünftig und vertretbar ist.» Der Rest der Arbeiten werde dann im Frühling ausgeführt. An den beiden Hütten sind die Vorbereitungsarbeiten für die Hausanschlüsse bereits abgeschlossen oder noch im Gange.

Strom zu haben, bedeute für die Alphirten eine grosse Arbeitserleichterung. «Und die Alphirten sparen Kosten», ergänzt er. Die Rohrmelkanlage im Unteren Euschels laufe derzeit mit einem Dieselgenerator. Mit Melken, Waschen und Milchkühlen sei dieser bis zu vier Stunden in Betrieb. «Auch für die Aufbereitung des Wassers für die Alphütten war der Strom ab Batterie immer recht knapp.»

Bereit für Alpsaison 2018

Pünktlich für die kommende Alpsaison 2018 sollen die beiden Alphütten an das Stromnetz angeschlossen sein. Die Investition beläuft sich auf rund 900 000 Franken. Bund und Kanton unterstützen das Projekt mit Subventionen, trotzdem bleibt für die Alpgenossenschaft ein Anteil von rund 300 000 Franken übrig. «Das ist ein rechter Brocken für uns», sagt Andreas Freiburghaus. Die Genossenschafter hätten aber dem Projekt klar zugestimmt und in diesem Zusammenhang eine Verschuldung in Kauf genommen. «Wir sind stolz darauf, dass wir dieses Mehrgenerationenwerk realisieren können.»

«Wir graben, so lange wir vom Wetter her können und wie es vernünftig und vertretbar ist.»

Andreas Freiburghaus

Präsident der Alpgenossenschaft Wünnewil

«Wir sind stolz darauf, dass wir dieses Mehr- generationenwerk realisieren können.»

Andreas Freiburghaus

Präsident der Alpgenossenschaft Wünnewil

Zahlen und Fakten

Zwei Alpen im Schwarzseetal

Der Untere Euschels liegt auf 1442 Metern über Meer, der Obere auf 1550 Metern über Meer. Sie sind in Besitz der Alpgenossenschaft Wünnewil. Die beiden Hirtefamilien halten im Sommer Milchkühe, Mutterkühe, Rinder und Geissen, gesamthaft ergibt dies rund 140 Normalstösse. Zum Melken der Tiere haben die Hirten Strom zur Verfügung, der teils von einem Sonnenpanel stammt, das eine Batterie speist, und teils von einem dieselbetriebenen Generator.

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