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Das Zeichen für ein wichtiges Ereignis

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Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Während der letzten Wochen präsentierte sich die Fassade eines grossen Kaufhauses in Freiburg wie ein riesiges, fein geschnürtes Geschenkpaket. Auf der glitzernden Verpackung funkeln Sterne, und in farbigen Buchstaben ist zu lesen: «Giant Christmas». «Riesiges Weihnachten» – ein Festtagsgruss? Wohl eher ein Fanal, ein leuchtendes Zeichen, das ein wichtiges Ereignis ankündigt. Vielleicht sogar eine ferne Erinnerung an jenes Ereignis, zu dem einmal ein Stern den Weg gewiesen hat und dessen Ankündigung von göttlichem Licht umstrahlt war. Gern erzählen wir die Geschichte immer wieder, seit zweitausend Jahren: von einer schwangeren Frau und einem Mann, dem sie zur Ehe versprochen war, vom Kind in der Krippe und von den Hirten, die eine Nachricht erhielten, die sie riesig freute.

«Und es waren Hirten in derselben Gegend auf dem Felde bei den Hürden, die hüteten des Nachts ihre Herde. Und des Herrn Engel trat zu ihnen, und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie, und sie fürchteten sich sehr. Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch grosse Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids. Und das habt zum Zeichen: Ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen» (Lukas-Evangelium 2,8-12).

Später kommen die Weisen aus dem Morgenland, beten das Kind an und schenken ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe. Ein Kehrvers deutet die Geschenke: Gold dem König, Weihrauch dem wahren Gott und Myrrhe für sein Begräbnis.

Giant Christmas. Von diesem Kind in der Krippe werden grosse Dinge erzählt. Mit seiner Geburt gehen Erwartungen in Erfüllung, tritt eine Wende im Alltag aller Beteiligten ein: für die kleinen Leute auf dem Land, den König in Jerusalem, die Gelehrten aus dem Osten, das junge Paar ohne feste Bleibe. Das unscheinbare Kind wird Retter, Herr und Messias genannt.

Solche Ehrentitel kamen nur dem Kaiser in Rom zu. Kaiser Augustus sah im «römischen Frieden», in der «Pax Romana», die Verwirklichung der vom Dichter Vergil besungenen Hoffnungen. Als junger Kriegsführer hatte er mit seinen Armeen alle Konkurrenten ausgeschaltet und sich als Kaiser «Augustus», der Erhabene, proklamieren lassen. Er liess sich als Retter und Gott feiern. Die berühmte Inschrift von Priene aus dem Jahr 9 vor Christi Geburt proklamiert anlässlich der Thronbesteigung: «Dieser Tag, der Geburtstag des Kaisers, hat der Welt ein anderes Ansehen gegeben. Sie wäre dem Untergang verfallen, wenn nicht in dem heute Geborenen für alle Menschen ein gemeinsames Glück aufgestrahlt wäre. (…) Die Vorsehung hat diesen Mann zum Heil der Menschen mit solchen Gaben erfüllt, indem sie ihn uns und den kommenden Geschlechtern als Retter gesandt hat. Allem Krieg wird er ein Ende setzen. (…) Es ist unmöglich, dass je ein Grösserer käme. Der Geburtstag des Gottes war für die Welt der Anfang der Freudenbotschaften («Evangelien»), die seinetwegen ergangen sind.»

Giant Christmas? Die Erzählung von der Geburt Jesu, den die Engel als Messias besingen, steht im Kontrast zu den freudigen Erwartungen, deren Erfüllung die politische Macht für sich in Anspruch nahm. Nicht der mächtige Kaiser in Rom, sondern dieser machtlose Jesus ist der Retter. Seine Geburt bringt «Frieden auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens» (Lukas-Evangelium 2,14). Diesen Frieden stiftet Gott selbst, indem er jetzt als Mensch «Gott mit uns» – «Immanuel» – ist. Gott und Welt sind auf neue Weise miteinander verbunden. Gott «entäussert sich all seiner Gewalt, wird niedrig und gering und nimmt an eines Knechts Gestalt, der Schöpfer aller Ding’», wie es in einem alten Weihnachtslied heisst. Das neugeborene Kind kehrt alle Vorstellungen von Grösse und Macht um. Nicht zuletzt darum wird die römische Macht ihn dreissig Jahre später kreuzigen. Die Geburt des «neugeborenen Königs der Juden» versetzt König Herodes und mit ihm ganz Jerusalem in Schrecken (Matthäus 2,3).

Giant Christmas. In der liturgischen, feierlichen Ankündigung des Weihnachtsfestes wird die Geburt Christi in einen geschichtlichen Kontext gestellt und als Anbruch einer neuen Zeit gefeiert.

«Im Anfang schuf Gott die Welt. Milliarden Jahre waren vergangen, seit unsere Sonne und die Erde entstanden, Millionen Jahre, seit Leben sich regte auf der Erde und der Mensch ins Dasein trat, viele Tausende von Jahren, seit Stämme, Völker und Kulturen sich bildeten, 2000 Jahre seit Abrahams Geburt, 1510 Jahre seit Moses das Volk Israel aus Ägypten geführt hatte, 1032 Jahre seit der Salbung Davids zum König, 752 Jahre nach der Gründung Roms, im 42. Jahr der Regierung des Oktavian Augustus, da Friede war in der Welt, da wollte Jesus Christus, ewiger Gott und Sohn des ewigen Vaters, die Welt durch seine rettende Ankunft heiligen» (Römisches Martyrologium).

Diese Geburt steht mitten im konkreten Lauf der Zeit, kehrt die Machtverhältnisse um und erfüllt, was das Volk Israel stellvertretend für die ganze Welt als Hoffnung hegt: Gott ist den Menschen nahe, er rettet sie aus Unterdrückung und Ausbeutung, wir können sicher wohnen und brauchen uns nicht zu fürchten. Der Retter «wird auftreten und sie weiden in der Kraft des Herrn, seines Gottes (…) und er wird der Friede sein» (Micha 5,3-4).

Giant Christmas. In einer Welt, in der Städte bombardiert, Spitäler zerstört, Menschen aus ihrer Heimat vertrieben werden, in der es immer weniger Sicherheit gibt, in der Politik die Gestalt des Showbusiness annimmt und das Gleichgewicht der Schöpfung gestört ist, bleibt die Botschaft von Weihnachten ein Fanal. Die Dichterin Silja Walter hat entdeckt: 366-mal kommt in der Bibel Gottes Zusage «Fürchtet euch nicht!» vor – für jeden Tag des Jahres einmal, «und für den Schalttag noch einmal extra dazu». Die Dichterin fährt fort: «Seit die Flut die Menschheit ertränkte, ausser den acht Leuten auf dem grossen Schiff. Seit es das Böse gibt auf der Welt und in uns. Seither gibt es die Angst in uns und die schreckliche Angst vor der Angst. Aber jetzt bin ich entschlossen, von Weihnachten an mich nicht mehr zu fürchten. (…) Denn Weihnachten heisst: ‹Fürchte dich nicht, ich bin bei dir.›

Gott ist Mensch geworden in Jesus Christus. Er hat ein menschliches Gesicht und schaut uns auch heute in jedem menschlichen Gesicht an. Von Martin Luther stammt das Wort: «Gott muss die Menschen von Herzen lieben, dass er uns eine solche Tat hören lässt, dass er mich nicht allein liebt, sondern mir so nahekommt, dass er mit mir Mensch wird. Er wird, was ich bin.» Weihnachten ist das Fest der Menschenfreundlichkeit Gottes. «Als erschien die Freundlichkeit und Menschenliebe Gottes, unseres Retters, hat er uns gerettet, nicht um der Werke willen, die wir in Gerechtigkeit getan hätten, sondern nach seiner Barmherzigkeit» (Titus 3,4-5). Menschenliebe und Barmherzigkeit: Gott hat sie uns als Mensch vorgelebt. Sie können unser Handeln heute bestimmen, damit unsere Welt ein friedliches, bewohnbares Haus für alle Menschen ohne Unterschied von Religion und sozialem Ansehen sei.

Giant Christmas – in der furchtlosen Hoffnung: Unsere Welt liegt in Gottes Hand. Sie wird nicht der Spielball der Mächtigen bleiben. Weihnachten ist die Botschaft jenes Friedens, den die Dichterin Nelly Sachs anspricht als: «Du leiseste aller Geburten».

Zur Person

Guido Vergauwen, Dominikanerprovinzial

Guido Vergauwen wurde 1944 in Flandern geboren. Er war von 1985 bis 2015 Professor für Fundamentaltheologie und Direktor des Instituts für Ökumenische Studien der Universität Freiburg. 2007 wurde er zum Rektor der Universität gewählt und 2011 im Amt bestätigt. Anschliessend wurde er zum Provinzial – also zum Leiter – der Schweizer Dominikaner ernannt.

fca

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