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Dem Standort Tafers droht Schwächung

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Seit einiger Zeit ist im Umfeld des Spitals Tafers die Möglichkeit im Gespräch, dass es dort nachts und am Wochenende künftig keine Anästhesiepflege mehr geben wird. Dass das Freiburger Spital HFR sparen muss, ist allgemein bekannt. Nun aber wächst im Sensebezirk die Sorge um die Zukunft des Notfalldienstes in Tafers.

Die Vereinigung der Sensler Ärzte hat deshalb vor kurzem einen Brief an den Interims-Generaldirektor des Freiburger Spitals HFR, Marc Devaud, den Vertreter der Ärzteschaft im Verwaltungsrat, Johannes Wildhaber, sowie an weitere Personen im Verwaltungsrat und in der Politik geschickt.

«Mit grossem Erstaunen und Besorgnis mussten wir aus der Bevölkerung, von Spitalangestellten und am 5. Juni von Ihnen, Herr Devaud, persönlich erfahren, dass ein weiterer Leistungsabbau im HFR Tafers geplant ist», heisst es in diesem Brief, welcher den FN vorliegt. Und weiter: «Die von der HFR-Taskforce für das HFR Tafers vorgesehene Abschaffung der Anästhesiepflege nachts und am Wochenende widerspricht den Qualitätskriterien eines Akutspitals. Dieser Entschluss ist für uns nicht nachvollziehbar.» Es sei verständlich, dass aufgrund der angespannten Finanzsituation des HFR Kos­ten­ein­spar­un­gen vorgenommen werden müssten. Diese Sparmassnahmen dürften jedoch keinesfalls zulasten der Patientensicherheit gehen. Zudem habe jeglicher Leistungsabbau in Tafers auch eine «Zunahme der extrakantonalen Behandlungen zur Folge».

«Wir verfolgen die Weiterentwicklung dieser Thematik aufmerksam, wollen aber die Kommunikation des HFR abwarten.»

Marcel Kolly

Präsident von Pro Akut Tafers

 
 

Stefan Graf, ehemaliger Arzt für Anästhesie am Spital Tafers, bezeichnet die Anästhesiepflege in einem Leserbrief an die FN als «wesentlichen Pfeiler der Patientensicherheit» und wirft den HFR-Verantwortlichen vor, den Standort Tafers mit einem solchen Abbau schwächen zu wollen.

«Ein Abbau auf Raten»

«Die Anästhesiepflege in der Nacht und am Wochenende zu streichen, bedeutet letztlich den Tod des Akutspitals Tafers», sagt ein Mitarbeiter des Freiburger Spitals HFR, der anonym bleiben möchte, im Gespräch mit den FN. «Denn diese Einschränkung heisst nichts anderes, als dass der Notfalldienst in Tafers nicht mehr funktionieren kann.» Man müsste dann bei einem Notfall im HFR Tafers künftig auf die Telefonnummer 144 anrufen und einen Notarzt aus Freiburg kommen lassen. Dies könne für die betroffenen Patienten unter Umständen sogar geringere Überlebenschancen bedeuten – wegen des längeren Anfahrtswegs. «Das ist ein Abbau auf Raten, der schon 2012 begann, als der Operationstrakt nachts geschlossen wurde», so der HFR-Mitarbeiter. «Denn schätzungsweise 50  Prozent der Patienten in der Region werden schon heute bei einem Notfall in ein Berner Spital gefahren, und dieser Anteil dürfte bei einem Abbau bei der Anästhesiepflege noch weiter steigen.»

Es würde wohl über kurz oder lang schwierig, genug kompetentes Personal zu finden, denn der «actionreiche» Bereitschaftsdienst sei bei vielen beliebter, als einfach von 8 bis 16  Uhr seine Präsenzstunden zu absolvieren. Eine 24 Stunden präsente Anästhesiepflege sei auch ohne Operationstrakt sehr wichtig, vor allem für Reanimationen und für Notfälle wie etwa Autounfälle – die Anästhesiepflege sei letztlich nichts anders als die «Feuerwehr» bei lebensbedrohlichen Notfällen. «Wir sprechen hier über vier Stellen, also etwa 400 000 Franken, die man einsparen könnte: eine vergleichsweise sehr kleine Summe», sagt der HFR-Mitarbeiter. Gegenwärtig mache die Anästhesiepflege am HFR Tafers 8,2 Vollzeitäquivalente aus. Diese Zahlen werden von gut unterrichteten Kreisen bestätigt. Der HFR-Mitarbeiter erwartet, dass der definitive Entscheid der HFR-Leitung am 27. Juni bekannt wird.

«Auslastung sehr schwach»

Die Verantwortlichen des HFR geben sich bedeckt. Staatsrätin Anne-Claude Demierre (SP) wollte das Ganze auf Anfrage hin nicht kommentieren. Nicht äussern wollten sich auch der HFR-Verwaltungsratspräsident Philippe Menoud, Manfred Piller, Präsident der Vereinigung der Sensler Ärzte, sowie Raphael Kessler, Chefarzt am HFR Tafers.

Die Kommunikationsbeauftragte des HFR, Jeannette Portmann, sagte auf Anfrage, die Gespräche über die Zukunft der Anästhesiepflege am Standort Tafers mit den involvierten Ärzten und Pflegefachleuten seien noch im Gang. Darüber sei das Personal in Tafers informiert worden. Deshalb könne sie sich auch nicht weiter zu dieser Thematik äussern, namentlich nicht zur Frage nach der Höhe des Einsparpotenzials. Die Schliessung der Anästhesieabteilung nachts und am Wochenende sei tatsächlich eine diskutierte Option, aber nur eine unter mehreren Varianten, welche derzeit geprüft würden.

«Qualität und Sicherheit sollen auf jeden Fall aufrechterhalten werden, das hat für uns höchste Priorität.»

Jeannette Portmann

Kommunikationsbeauftragte HFR

Ein Entscheid des Direktionsrats sei noch nicht gefallen, und es stehe auch noch nicht fest, wann dies der Fall sein werde. «Es geht um eine Reorganisation, nicht um eine strategische Massnahme», sagte Portmann. Aus diesem Grund sei dabei auch der grundsätzliche Status von Tafers als Akutspital kein Thema. Eine komplette Aufhebung der Anästhesie in Tafers stehe jedenfalls nicht zur Diskussion. «Qualität und Sicherheit sollen auf jeden Fall aufrechterhalten werden, denn das hat für uns höchste Priorität», so Portmann. Da das HFR aber weiterhin daran arbeite, seine Effizienz zu erhöhen, stelle sich auch bei der Anästhesieabteilung von Tafers die Frage nach einer möglichen Reorganisation. Denn die Auslastung der Anästhesiepflege an diesem Standort sei momentan sehr schwach.

Kompromiss im Gespräch

Vorsichtig äusserte sich Marcel Kolly, Ammann von Rechthalten und Präsident von Pro Akut Tafers. «Wir verfolgen die Weiterentwicklung dieser Thematik aufmerksam, wollen aber zunächst die Kommunikation des HFR abwarten und uns nicht auf der Grundlage von Gerüchten äussern.»

Franz Engel, ehemaliger Arzt in Düdingen, ist sich seinerseits sicher: «Ohne 24-stündige Anwesenheit der Anästhesiepflege wird die Qualität des Notfalldienstes in Tafers wesentlich eingeschränkt.» Offenbar habe Marc Devaud aber ein offenes Ohr für die Anliegen der Taferser. Denn im Gespräch sei auch eine Kompromisslösung: dass im Fall eines Abbaus eine zusätzliche Pflegestelle, welche Tafers zugesichert worden sei, von der Chirurgie an die Anästhesiepflege überlassen werde.

Chronologie

Die Taskforce Pro Akut Tafers

Alles begann am 1. Januar 2012, als das Gesetz über die neue Spitalfinanzierung in Kraft trat. Dieses gab dem HFR-Verwaltungsrat eine grössere Verantwortung und einen breiteren Handlungsspielraum. Im Mai 2012 gab der Verwaltungsrat bekannt, in zehn Jahren nur noch ein einziges Akutspital im Kanton betreiben zu wollen – in Freiburg. Dies löste im Sensebezirk einen regelrechten Sturm der Entrüstung aus, worauf der Gemeindeverband Region Sense die Taskforce Pro Akut Tafers gründete. Unterstützung erhielt diese auch von den Sensler Hausärzten. Im August 2012 präsentierte die HFR-Leitung weitere Sparmassnahmen. Dazu gehörte auch die abendliche Schliessung des Operationstraktes am Standort Tafers. Pro Akut Tafers ist auch heute noch tätig, unter dem Präsidium des Rechthaltner Ammanns Marcel Kolly. «Massgebend aktiv sind etwa zehn bis 15 Mitglieder», bemerkt Kolly. Pro Akut Tafers sei aber nicht als Verein konstituiert, sondern stelle lediglich eine Interessengemeinschaft dar. «Unsere Arbeit ist in erster Linie politisch», so Kolly weiter. «Wir sind kein Fachgremium.»

jcg

 

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