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Dem Wiedehopf gefällts in der Strafanstalt Bellechasse

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Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Landwirtschaft mit Strafvollzug ist gut für die Biodiversität: Die Wildtiere haben mehr Ruhe wegen des Betretungsverbots. Auf dem Gefängnisareal von Bellechasse ist nun auch der Wiedehopf wieder zurück.

Das Ackerland nimmt einen Viertel der gesamten landwirtschaftlichen Fläche der Schweiz ein und umfasst wichtige Lebensräume für Brutvögel. Sie brüten auch im Ackerland und legen ihr Nest entweder direkt in den Kulturen oder in brachliegenden Flächen wie Brachen oder ungenutzten Böschungen an. Damit stehen Landwirtschaftsbetriebe in der Verantwortung. Die beiden grössten Landwirtschaftsbetriebe der Schweiz befinden sich im Grossen Moos. In beiden Fällen handelt es sich um Strafanstalten mit angeschlossenen Landwirtschaftsbetrieben.

Die Berner Justizvollzugsanstalt Witzwil umfasst 825 Hektaren Gesamtfläche. Es gibt einen Ökologieverantwortlichen und Artenschutz in verschiedenen Bereichen. So erhält zum Beispiel die Grauammer Lebensraum (die FN berichteten). Die Freiburger Strafanstalt Bellechasse umfasst 367 Hektaren Landwirtschaftsfläche im Grossen Moos und rund 300 Hektaren Alpweiden neben dem Moléson. Insgesamt sind es somit knapp 700 Hektaren.

Um mehr über Ökoflächen auf dem Bellechasse-Areal zu erfahren, haben sich die FN mit dem Leiter des Landwirtschaftsbetriebs von Bellechasse, Martin Hertach, getroffen. Der Landwirt ist seit 32 Jahren in Bellechasse tätig. 

Kritische Blicke

«Das gesetzliche Minimum für Ökoflächen auf Landwirtschaftsbetrieben beträgt sieben Prozent», erklärt Martin Hertach. «Bei uns sind es 15 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche. Wir haben die gleichen Auflagen wie alle anderen Bauernhöfe, aber wir sehen uns in einer Vorbildfunktion.» Bellechasse zähle insgesamt 55 Hektaren Ökofläche, so der Leiter des Landwirtschaftsbetriebs der Strafanstalt.

Der Betrieb des Kantons werde von privaten Landwirten kritisch betrachtet, dem wolle Bellechasse gerecht werden. Klar sei aber auch, dass sich Bellechasse dies als Staatsbetrieb überhaupt leisten könne. Um dieser Tatsache Rechnung zu tragen, beantrage der Betrieb keine Direktzahlungen für die Ökoflächen: «Es wären über 800’000 Franken, wenn wir alles eingeben würden.»

Martin Hertach im Gebiet Hinterem Horn im Grossen Moos auf dem Gelände der Strafanstalten. Der Öffentlichkeit ist nicht erlaubt, dieses Gelände zu betreten. 
Bild Etelka Müller

Wenig Menschen

Das Gelände der Strafanstalt bietet den Wildtieren Ruhe, weil sich nur wenige Menschen dort aufhalten dürfen: «Das Betretungsverbot führt zu einer Störungsarmut. Wir sind hier ein Hotspot für Vögel.» In diesem Jahr hätten sogar drei Wiedehopf-Paare auf dem Gelände gebrütet, freut sich Martin Hertach. Sie arbeiteten eng mit der Vogelwarte Sempach zusammen. «Die Biodiversität ist ein Pfeiler unseres Betriebs.»

Hand in Hand mit der Natur zu arbeiten, komme auch den Gefangenen zugute: «Die Arbeit in der Natur ist sehr wertvoll.» Die Insassen seien oft sehr interessiert und reagierten sensibel, wenn zum Beispiel eine junge Schleiereule ihr Leben lassen musste, erzählt Martin Hertach. Auch die Arbeit mit den Nutztieren, seien es Pferde, Schweine oder Kühe, helfe bei der Resozialisierung:

Die Tiere machen keinen Unterschied, ob Insasse oder Aufsichtsperson.

Martin Hertach
Leiter Landwirtschaftsbetrieb Strafanstalt Bellechasse

Rund 50 Insassen seien auf dem Landwirtschaftsbetrieb beschäftigt: «Wir haben eine Doppelfunktion: das Führen des Landwirtschaftsbetriebs und die Wiedereingliederung der Insassen.»

Das grösste Hindernis

Hunderte Störche, die das Grosse Moos auch im Winter nicht verlassen, oder einen halben Meter hohe Maispflanzen im Dezember: Der Klimawandel ist auch für Martin Hertach Realität und zieht Folgen nach sich. «Wir müssen uns anpassen und vermehrt wärmeresistente Sorten pflanzen.» Die Wetterextreme, die Kapriolen mit Hochwasser oder Trockenheit, sind aber nicht die grösste Knacknuss für den Leiter des Landwirtschaftsbetriebs: «Für uns sind die gesetzlichen Bestimmungen die grösste Herausforderung, weil diese ständig ändern. Das ist das grösste Hindernis.» Nach fünf Jahren sei ein Stall je nachdem schon nicht mehr gesetzeskonform, und der administrative Aufwand nehme immer mehr Überhand. «Ich bin viel mehr im Büro als früher, eigentlich fast nur noch.» 

Martin Hertach nimmt die FN mit ins Gebiet Hinterem Horn. Auch hier herrscht Betretungsverbot für die Öffentlichkeit. Es ist das Gebiet, wo der Kanton in Zusammenarbeit mit Naturschutzorganisationen eine Fläche von über 17 Hektaren renaturierte. Das Projekt Hinterem Horn ist eine der grössten Renaturierungsflächen im schweizerischen Mittelland. Die Realisierung erfolgte 2010 im internationalen Jahr der biologischen Vielfalt oder Biodiversität. Nun ist es ein Paradies nicht nur für Vögel, sondern auch für Insekten oder zum Beispiel den Feldhasen, der frühmorgens fröhlich über die Ökoflächen hüpft. 

Die Feldlerche im Gebiet Hinterem Horn. 
Bild zvg

Eine Landschaftskammer 

Seit 1995 läuft im Grossen Moos ein grossflächiges Monitoring zu ausgewählten Brutvogelarten. Daran sind neben der Schweizerischen Vogelwarte Sempach auch Birdlife Schweiz beteiligt. Das Grosse Moos gilt als besonders artenreiches Landwirtschaftsgebiet in der Schweiz. Dazu trägt auch der Biotopverbund Grosses Moos mit Sitz in Kerzers bei.

Die Entwicklung der Artenvielfalt allein im Gebiet Hinterem Horn zu betrachten, macht laut Vogelwarte wenig Sinn: Erstens könnten in kleinen Gebieten zufällige Ereignisse wie zum Beispiel ein sehr lokaler Hagelschauer einen grossen Einfluss auf die Brutvögel haben. «Betrachtet man grössere Gebiete, erhalten solche zufälligen Ereignisse weniger Gewicht», schreibt Livio Rey von der Vogelwarte auf Anfrage. Und zweitens seien oft erst Erfolge zu sehen, wenn in einer ganzen Landschaftskammer Aufwertungen erfolgten, wie dies im Grossen Moos der Fall sei.

Eine Grafik aus dem Bericht «Brutvogelmonitoring Grosses Moos von 2020 bis 2022».
Bild zvg

Auf dem Vully

Das Kerngebiet des Monitorings umfasst rund 42 Quadratkilometer. Galmiz, Kerzers, Gampelen und La Sauge bilden Eckpunkte. Laut dem Bericht «Brutvogelmonitoring Grosses Moos von 2020 bis 2022», den die Vogelwarte den FN zur Verfügung stellte, ist nach wie vor eine positive Entwicklung der Brutvögel festzustellen, das sowohl bei der Zahl der nachgewiesenen Arten als auch bei der Zahl der Reviere dieser Arten. Negative Bestandstrends von drei Arten, darunter die Grauammer, stünden zwölf positive Bestandstrends gegenüber. Erstmals habe ein Wiedehopf in dem Gebiet gebrütet, und zwar auf dem Gelände der Strafanstalt von Bellechasse, wie bereits Martin Hertach erwähnte. Diese Art habe bisher aber nicht auf der Liste der ausgewählten Arten gestanden, da bisher nicht mit dem Auftreten der Art im Gebiet gerechnet worden sei.

Nichtsdestotrotz zählten sie zu den «Zielarten Umweltziele Landwirtschaft» des Bundesamts für Umwelt (BAFU) und des Bundesamts für Landwirtschaft (BLW). Allerdings sei die Art seit Neuerem auch auf dem Mont Vully in der unmittelbaren Nachbarschaft zum Grossen Moos zu finden. Grundsätzlich gelten laut dem Bericht acht Vogelarten als typische Feldvögel: Wachtel, Rebhuhn, Kiebitz, Feldlerche, Dorngrasmücke, Schwarzkehlchen, Schafstelze und Grauammer.

In Kartoffelfeldern

Birdlife Schweiz startete 2015 ein Artenförderungsprojekt für Kulturlandvögel im Grossen Moos. Zielarten sind Steinkauz, Kiebitz, Turteltaube, Dorngrasmücke, Grauammer und auch die Kreuzkröte. Das Projekt umfasst Heckenpflege, die Förderung von Buntbrachen, das temporäre Bewässern der Kiebitzkolonie in Ins und Nesterschutz. Für 2024 ist laut dem Bericht eine Studie geplant, die Aufschluss darüber geben soll, ob und wie eine grossräumige, beinahe flächendeckende Abdeckung der Kulturen mit Vliesen das Ansiedlungsverhalten von Feldlerchen und Schafstelzen beeinflusst. Denn während der Feldsaison 2022 haben die Vogelschützer mehrere Brutversuche dieser beiden Arten in Schwarzwurzel-, Kartoffel- und Karottenfeldern beobachtet.

Auch die Wachtel gilt als typischer Feldvogel und ist im Grossen Moos heimisch. 
Bild zvg/Vogelwarte/ Markus Varesvuo

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