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Den «Gemüslern» fehlt der Nachwuchs

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Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden von der Firma Muster AG aus Musterwil zur Verfügung gestellt oder im Auftrag der Muster AG erstellt.

Der Gemüsegärtner fährt Traktor auf dem Feld, legt von Hand Setzlinge in die Setzmaschine, hegt und pflegt Tomatenpflanzen im Gewächshaus, rüstet frische Salatköpfe und fährt Kisten mit Gurken mit dem Gabelstapler ins Lager. Viel ist immer noch Handarbeit, viel erledigen aber auch ausgeklügelte Gerätschaften–wie zum Beispiel die hochmoderne Radiesli-Erntemaschine. Der Gemüsegärtner ist auch bei Wind und Regen draussen auf dem Feld und hat zurzeit viel zu tun: Im Gemüsebau herrscht gerade Hochsaison. Reihe um Reihe auf den Feldern ist bepflanzt, nicht nur in den Gewächshäusern. Der Gemüsegärtner erntet dieser Tage Spargeln und pflanzt Nüssler, Broccoli, Fenchel, Lauch, Sellerie, Kartoffeln oder Salat.

 Doch die Berufsgattung selber kann nicht von Hochsaison sprechen: Die Gemüsebranche hat ein Nachwuchsproblem. Deshalb lancierte der Verband Schweizer Gemüseproduzenten (VSGP) eine nationale Schnupperwoche. Unter den Teilnehmern verlost der Verband fünf iPhones. «Aktuell bilden wir in der Schweiz pro Jahr rund 30 Gemüsegärtner EFZ aus», sagt Bruno Stucki vom VSGP auf Anfrage. «Nötig wären aber rund 90 pro Jahr.» Es gebe viel zu wenig gut ausgebildete Fachkräfte. «Wir sind deshalb erfreut, dass sich 60 Jugendliche für die Schnuppertage dieser Woche angemeldet haben.» Viele hätten noch nie vom Beruf des Gemüsegärtners gehört. «Mit den Schnuppertagen können wir dem entgegenwirken», ist Stucki überzeugt.

 Im Freiburger Seebezirk, einem der wichtigsten Gemüseanbaugebiete der Schweiz, machen zwölf Betriebe bei der nationalen Schnupperwoche mit. Die Nachfrage beim potenziellen Nachwuchs hält sich in Grenzen: Nur in drei Betrieben machen sich diese Woche Jugendliche ein Bild von dem Beruf. Der 14-jährige Murtner Philipp Leu schnuppert auf dem Betrieb Swissradis in Ried bei Kerzers. «Mir gefällt die Arbeit, weil ich so nicht die ganze Zeit am Computer und im Büro sitzen muss», sagt der Schüler. «Wir haben heute Morgen Radiesli geschnitten und ausgeliefert.» Zudem habe er andere Gemüsekulturen auf den Feldern kennengelernt. Und Vincent Egger von Swissradis habe ihm den ganzen Betrieb gezeigt. «Den ganzen Tag auf dem Feld zu arbeiten, stelle ich mir aber anstrengend vor», sagt Philipp Leu. «Es ist ein harter Beruf.» Was er dereinst lernen wolle, sei noch nicht ganz klar. «Aber vielleicht werde ich Ingenieur-Agronom.»

Auf dem Betrieb von Michael Moser in Kerzers lernten diese Woche drei Jugendliche aus der Stadt Bern den Beruf des Gemüsegärtners kennen: «Sie konnten sehen, was es heisst, Gemüse zu produzieren», sagt Moser. Bei Regen und im Dreck hätten die Jugendlichen auf dem Feld Salate geschnitten. «Sie konnten für einmal hinter die Regale der Einkaufszentren blicken.» Den Beruf des Gemüsegärtners wolle zwar keiner der drei Jugendlichen erlernen, sagt Moser. Für ihn sei die Aktion dennoch eine gute Sache. «Denn es geht darum, den Beruf des Gemüsegärtners bekannt zu machen. Viele haben noch nie davon gehört.»

Die Gemüsebranche ist nicht die einzige, welcher der Nachwuchs fehlt: Auch angehende Milchtechnologen oder Fleischfachfrauen sind rar. Es kann somit nicht daran liegen, dass Jugendliche Gemüse auf ihrem Teller nicht mögen und deshalb allenfalls den Beruf nicht lernen wollen. «Ich stelle fest, dass meistens Schüler, die über die Familie einen Bezug zur Gemüsebranche haben, den Beruf des Gemüsegärtners wählen», sagt Regula Eckerle von der Berufs- und Laufbahnberatung Murten und Kerzers. Das sei insbesondere in Kerzers der Fall, wo es viele Gemüsebetriebe gebe. Noch nie sei ein Jugendlicher aus Murten zu ihr gekommen, der sich für den Beruf Gemüsegärtner interessiert hätte. Die Broschüre über die Ausbildung liege im Berufsinformationszentrum des Seebezirks gleichwertig neben den anderen auf, «daran kann es nicht liegen».

«Gemüsegärtner ist ein in der Tradition verhafteter und lokalbedingter Beruf», sagt Berufs- und Laufbahnberater Albert Studer. Er ist an der Orientierungsschule Wünnewil und in Freiburg tätig. «Jemandem aus der Stadt kommt es kaum in den Sinn, Gemüsegärtner zu lernen.» Zudem gehöre der Beruf zu jenen, «die nicht so sexy sind»–denn: unregelmässige Arbeitszeiten, die Arbeit am Wochenende und geringe Aufstiegsmöglichkeiten gehörten dazu. «Es ist wie bei den Milchtechnologen, aber hinzu kommt, dass der Gemüsegärtner oft auch noch dreckig wird.» Das stosse viele Jugendliche ab.

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