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«Den Menschen zur Freiheit befreien»

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Notker Wolf, Alt-Abtprimas der Benediktiner, fühlt sich nicht als Kirchen­funk­tionär und will weiterhin provozieren. Dies verrät er im Gespräch mit kath.ch.

Jesus hat kein Unternehmen gegründet. Was hat er aber gut gemacht, so dass er heute zu einem weltweit getragenen Label geworden ist?

Es ging ihm um den Menschen. Und auch um die Grundehrlichkeit. Er war ganz gegen die Heuchler eingestellt. Das ist etwas, was wir in unserer Gesellschaft sehr viel vorfinden. Da können wir manches kritisieren. Er hat auch gesagt: Eher geht ein Kamel durchs Nadelöhr als ein Reicher ins Himmelreich. Die Jünger waren entsetzt. Jesus ergänzte: Bei Gott ist alles schliesslich noch möglich. Er hat aber genauso gesagt: Wer faul ist, der erhält auch nichts. Das hat er im Gleichnis mit den Talenten gesagt. Bei Jesus ging es um den freien selbstständigen Menschen. Er wollte den Menschen wieder zu seiner Freiheit befreien, zur rechten Wahrnehmung der Freiheit. Das ist bis zum heutigen Tag unser Problem. Ich denke an den Finanzcrash im Jahr 2008. Diese Leute haben sich wie kleine Kinder benommen. Diese Gier war völlig unkontrolliert. Sie sind wie die Lemminge alle in dieselbe Richtung gerannt. Ich vermisse bei ihnen jede Reflexion.

Sie sprechen von Heuchlern. Gibt es Spreu und Weizen auch in der katholischen Kirche?

Das gibt es schon auch. Aber Jesus war barmherzig. Er hat gesagt, dass man beides miteinander wachsen lassen soll. Er werde es dann selber trennen. Es ist nicht unsere Sache, alle zu beurteilen oder zu verurteilen.

Und dieses Prinzip funktioniert heute noch …

Ich denke schon. Man muss nur demütig sein und hinnehmen, dass nicht alle so vollkommen sind, wie man sie gerne haben möchte, und es selber auch nicht ist.

Was unterscheidet ein christliches von einem weltlichen Unternehmen?

Ein weltliches Unternehmen kann auch sehr christlich handeln. Es hängt vom Unternehmer ab, ob er ein Verantwortungsbewusstsein für die Bevölkerung, für die Region zeigt, ob er sich für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer einsetzt und auch dafür, dass ein ordentliches Klima im Betrieb herrscht. Dass alles ehrlich abläuft.

Unternehmen müssen Geld abwerfen und investieren können. Kommen dabei die sogenannten christlichen Werte noch zum Tragen?

Das weiss ich nicht. Diese Frage habe ich mir selber auch gestellt. Im Moment, wo Unternehmer ihren dicken Reibach gemacht haben, können sie sich ganz gut solchen theo­retischen Fragen stellen. Wie ernst es ihnen dabei ist – oder ob es vielleicht auch ein Zeichen einer gewachsenen Distanz ist, nachdem sie so und so viel in ihrem Leben hinter sich gebracht haben, das weiss ich nicht. Nach einiger Zeit fragen sie sich vielleicht doch: Wozu eigentlich das Ganze? Das ist eigentlich die grosse Frage. Und dann kommen etliche Verantwortungsträger wieder auf die Idee und sagen: Ich tu was Gutes. Das Problem liegt aber darin, dass diese Herren dann immer bestimmen wollen, was mit ihrem Geld geschieht, und nicht sagen: Wir wollen ein Gremium, das bestimmt. Ich kenne gute Unternehmer, die haben ihre eigenen Stiftungen gegründet und so bleibt das Geld beim Unternehmen selber. Ich schätze beispielsweise den Einsatz des Microsoft-Gründer und Mäzenen Bill Gates. Er bestimmt aber selber, wo sein Geld eingesetzt wird. Er hält an seiner Macht fest. Ein christlicher Wert ist auch die Demut.

«Jesus war barm­herzig. Er hat ge­sagt, dass man Spreu und Weizen miteinander

wachsen lassen soll.»

Notker Wolf

Alt-Abtprimas

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