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«Denke ab und zu an Parteiaustritt»

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Autor: Nicole Jegerlehner

Frau Maradan, Ihr Parteikollege Christoph Allenspach wirft Ihnen vor, Sie hätten keine globale Integrationspolitik. Was sagen Sie dazu?

Die Stadt Freiburg engagiert sich mit zahlreichen Angeboten für die Integration – nicht nur für die Integration von Ausländern, sondern auch von Behinderten oder Betagten. Kinder aus finanziell schlechter gestellten Familien können gratis unser ausserschulisches Sport- und Kulturangebot besuchen, wir subventionieren die Freizeitzentren und die Familienberatung, wir haben die Sozialhilfe. Die Stadt macht also viel für die Integration.

Ein globales Projekt, wie es Allenspach fordert, fehlt.

Natürlich können wir immer etwas verbessern. Uns fehlen jedoch die personellen und finanziellen Mittel, um ein grosses Projekt zu erarbeiten.

Was sind aktuelle Probleme der Integrationspolitik?

Oft treffen wir Frauen an, die seit Langem in der Schweiz leben, aber kaum integriert sind. Sie haben die Kinder erzogen und ohne Kontakt zu Schweizern zu Hause gelebt.

Wirken sich die Probleme der Integrationspolitik direkt auf die Sozialhilfe aus?

Klar. Wer schlecht integriert ist, hat kaum Aussichten auf eine Arbeitsstelle.

Als es letzte Woche um die Frage der kopftuchtragenden Somalierin ging, die Sozialhilfe bezieht und wegen ihres Kopftuches keine Stelle findet, gerieten Sie in Rage. Was stört Sie am Kopftuch?

Ich habe mich nicht über das Kopftuch aufgeregt. Ich war wütend, weil der Anwalt der Frau, Rainer Weibel, sein Mandat als Generalrat missbraucht, um den Fall publik zu machen. Ich kann die Vorfälle nicht abschliessend kommentieren, will ich die Persönlichkeitsrechte der Frau nicht verletzen – aber ihr Anwalt bringt seine Sicht der Dinge dar.

Wie weit geht die Religionsfreiheit?

Die Verfassung garantiert die Religionsfreiheit. Alle sind frei zu glauben, was sie wollen. Aber sie müssen sich an hiesige Gepflogenheiten anpassen, wollen sie eine Stelle finden.

Wie weit muss sich ein Ausländer anpassen?

Es ist wichtig, dass wir nicht die Probleme bekommen, die Holland oder Deutschland haben. Dort leben Ausländer in eigenen Quartieren unter sich; sie müssen die Landessprache nicht lernen. Solche Situationen sind explosiv.

Welche Werte sind verhandelbar, welche nicht?

Jeder soll essen, was er mag – ob Kebap oder Fondue. Und alle sollen sich im privaten Bereich kleiden, wie sie wollen. Jedoch geht es für mich zu weit, wenn unsere Gesetze verletzt werden. So bin ich klar gegen Zwangsehen.

Frustrieren Sie die Probleme in der Integrationspolitik und im Sozialdienst?

Klar bin ich manchmal frustriert, wenn wir den Leuten den Geldhahn nicht zudrehen können, obwohl sie aus eigenem Verschulden von der Sozialhilfe abhängig sind.

Die SP verschloss in Migrationsfragen lange Zeit die Augen vor den Problemen und sprach beruhigend von Multikulti. Sind Sie mit Ihren Ansichten einen Schritt weiter als andere Parteikollegen?

Wir müssen gegen Missbräuche – beispielsweise im Sozialwesen – vorgehen und die Probleme bei der Integration ansprechen. Wenn wir sagen, wir lebten in einer perfekten Welt, bieten wir der Rechten Angriffsmöglichkeiten.

Oft ist zu hören, Sie passten eher zur SVP denn zur SP; im Generalrat applaudiert Ihnen ab und zu die Rechte. Fühlen Sie sich wohl in der SP?

Mir gefällt es nicht, wenn die Rechte findet, ich mache meine Arbeit gut. Aber ich will auch nicht alle Probleme schönreden, nur weil ich links stehe.

Was hält Sie bei der SP?

Ich bin gegen Ungerechtigkeit und für eine bessere Verteilung des Reichtums. Ich bin durch und durch Sozialdemokratin. Wenn einige Kollegen denken, ich sei nicht links genug, ist das deren Problem.

Sie haben noch nie an einen Parteiaustritt gedacht?

Doch, das habe ich. Wenn meine Parteikollegen auf mir herumhacken, denke ich ab und zu an einen Austritt. Aber mein Mandat würde ich in jedem Fall zu Ende führen. Und ich würde in keine andere Partei eintreten.

Treten Sie bei den Wahlen 2011 noch einmal an?

Das werden wir zur gegebenen Zeit diskutieren.

Viele Leute werfen Ihnen vor, dass Sie zu direkt sagen, was Sie denken. Was sagen Sie diesen Leuten?

Ich bin 53 Jahre alt, ich werde mich nicht mehr ändern. Politisch korrekte Leute reden oft hinter dem Rücken anderer schlecht. Ich bin direkt, bei mir wissen die Leute, woran sie sind – und das schätzen viele.

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