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«Denken bleibt einem nicht erspart»

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Autor: Hannes Währer

«Die heutige Marktwirtschaft gibt es nicht mehr in 15 Jahren.» Der Mann, der dies an einem heissen Sommernachmittag auf der Terrasse des Hotels Schiff in Murten sagt, ist kein in sozialromantischen Vorstellungen verhafteter Weltverbesserer. Hannes Rohner ist Wissenschaftler, Zukunfts- und Innovationsforscher – und einer, der zwar plakative Aussagen macht, diese aber nicht populistisch im Raum stehen lässt, sondern mit analytischen Begründungen ausdifferenziert. «Es entstehen Gegenkräfte, das Bewusstsein, das etwas schiefläuft, nimmt zu, auch bei Leuten, die alle Facetten des heutigen Wirtschaftens erfolgreich durchgespielt haben», ist er überzeugt. Gerade Exponenten der heutigen Marktwirtschaft würden mit ihren Vorschlägen den Übergang zu einer neuen Ausrichtung der Wirtschaft einleiten.

Vom Wohlstand zur Lebensqualität

Das Resultat werde eine vermehrt humanzentrierte Wirtschaft sein, deren Kernbegriffe persönliches Glück, Befriedigung und Engagement der einzelnen Menschen sein würden. Kurz: Die Schweiz bewege sich von der «Vision Wohlstand» mit ihren Charakteristika «mehr, schneller, reicher, grösser und billiger» in Richtung «Vision Lebensqualität», die menschliche Bedürfnisse «intelligenter, sinnvoller, gesünder, natürlicher und genussvoller» umsetzen wolle.

Die Sonne brennt unbarmherzig auf Murten nieder und lässt den letzten Rest Panachée in Rohners Glas lauwarm werden. Es stellt sich die Frage, wie der Wissenschaftler in einer Zeit, in der beispielsweise die Auswüchse der Finanzbranche und ihre allgemein konstatierte Unfähigkeit, daraus zu lernen, dazu kommt, ein solches Zukunftsszenario zu entwerfen. Hat er den Wunsch nach einer besseren Zukunft zum Vater des Gedankens gemacht? Nein, Rohner ist Wissenschaftler, und was er mittels rationaler Methoden zu erforschen versucht, ist im Grunde nichts anderes als die zukunftsrelevanten Aspekte des menschlichen Bewusstseins.

Vandalismus und Betrug

Die Sache mit der Zukunftsforschung habe begonnen, als er bei der Ascom die Abteilung «Gegen Vandalismus und Betrug» leitete. «Unsere Aufgabe war es, herauszufinden, wie wir Automaten so konstruieren können, dass sie von schlauen Leuten nicht ausgetrickst oder zerstört werden können. Wir mussten also weit in die Zukunft blicken.» Später schrieb Rohner bei Francesco Kneschaurek an der HSG in St. Gallen eine Arbeit über ein EDV-Zukunftsinformationssystem, die «sehr gut benotet wurde, aber in der Praxis völlig unbrauchbar war».

Mit Elektronik sei der Zukunft nicht beizukommen, meint er. «Das Denken bleibt einem nicht erspart.» Es gebe auch keine Rezepte, um eine Entwicklung zu analysieren. Aber es gebe systematische Methoden, mit deren Hilfe etwa ein Zeitraum von 20 Jahren zu überblicken sei. Eine davon hat Rohner auf der Basis eines Modells des deutschen Zukunfts- und Trendforschers Matthias Horx weiterentwickelt: die 360-Grad-Methode. Damit werden neun zukunftsrelevante Felder wie etwa geistiger, biologischer, sozialer, politischer und ökonomischer Entwicklungsraum, untersucht und von einem eigenen Zukunftsradar quantifiziert und weiterverfolgt.»

Knigge und Anstand

Ein zentraler Faktor, um der Zukunft auf die Spur zu kommen, sind aber Befragungen, die Rohner seit Jahren systematisch bei jeder Gelegenheit, beispielsweise bei seinen Studenten, durchführt. «Und», betont Rohner, «sie müssen indirekt durchgeführt werden, weil die Menschen sonst etwas erzählen, von dem sie annehmen, dass sie damit gut dastehen.» Bei solchen «Sondierbohrungen» fragt Rohner beispielsweise Gymnasiasten, welche Fächer in einer hypothetisch zu gründenden Schule für die Führung eines befriedigenden, erfüllten Lebens auf dem Stundenplan stehen müssten. Die Antworten hätten schon manchen Rektor in Erstaunen versetzt, erzählt Rohner schmunzelnd, weil hoch oben auf der Skala Werte wie Knigge und Anstand stünden.

Engagierte Leute als Ziel

Inzwischen stehen neben vielen anderen ein Nati-A-Eishockeyclub, international tätige Konzerne oder die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza), politische Kommissionen und auch viele erfolgreiche KMU auf Rohners Kundenliste. Wird man reich als Zukunftsforscher? «Möglich wäre das schon», erklärt er. Aber sein Hauptziel sei, engagierte Leute zurückzulassen, die ihren Job wieder gern machen, weil er ihnen für gewisse Aspekte die Augen öffnen konnte.

Und dann sagt er überraschend: «Eigentlich bin ich heute nicht besonders gut drauf. Ich wäre heute gerne ans Moon and Stars Festival in Locarno gefahren, muss aber aus beruflichen Gründen hier in Murten bleiben», und bestätigt damit eine seiner eigenen Thesen: 80 Prozent der für die Zukunft relevanten Faktoren sind nicht beeinflussbar.

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