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Der berühmte Tropfen zu viel

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Rund 500 Personen waren zugegen, darunter Staatsratspräsidentin Marie Garnier und Grossratspräsidentin Katharina Thalmann, als die Absolventen landwirtschaftlicher Berufsbildungsgänge am 5. September in Grangeneuve ihre Zertifikate entgegennehmen konnten. Ganz zum Schluss der Feier waren die Meisterlandwirte dran, und nachdem der Direktor des Bildungszentrums für Naturberufe, Alexandre Horner, die Namen heruntergelesen hatte, standen noch zwei junge Männer da. Wie bestellt und nicht abgeholt. «Ach ja, Deutschschweizer hat es auch noch», sagte der Schulungsleiter, wusste die Namen aber nicht und konnte sie erst ablesen, als ihm ein Lehrer die Liste ans Rednerpult brachte.

Ein Fauxpas, wie er an einer grösseren Feier schon mal passieren kann, doch dieser schlug nun hohe Wellen. Die Eltern eines der beiden Meisterlandwirte schrieben einen Leserbrief, der über die «Bauernzeitung» und den «Schweizer Bauer» in der ganzen Deutschschweiz publik wurde.

«Pannen nicht haltbar»

«So ein Fehler kann passieren, aber an der Feier blieb eine Entschuldigung aus, und in der Summe sind die Pannen und Pleiten nicht haltbar», so die Leserbriefschreiberin Ingrid Aebischer gegenüber den FN. Betroffen von der Panne war ihr Sohn Jonas gewesen, und dieser habe nach der Feier den Kopf geschüttelt und gesagt, das sei typisch für Grangeneuve. Den Leserbrief habe sie zusammen mit ihrem Mann verfasst , weil der Vorfall «das Fass zum Überlaufen gebracht» habe, so Ingrid Aebischer. Ihr Sohn, der im Rahmen der Ausbildung auch Kurse am Inforama Rütti bei Zollikofen absolviert hat, sagt, er würde heute die gesamte Ausbildung dort machen. Gestern hat nun der frisch gekürte Meisterlandwirt eine schriftliche Entschuldigung von Horner erhalten.

 «30 Sekunden Einsamkeit»

Horner steht zu diesem Fehler und bezeichnet den Moment als «30 Sekunden grosse Einsamkeit» auf der Bühne. Zum Thema Zweisprachigkeit betont er aber, dass Grangeneuve grossen Wert auf die Ausbildung in den zwei Sprache lege, und dass dadurch weiterhin sehr viele ausserkantonale Lehrlinge ihre Ausbildung im Kanton Freiburg machten (siehe Kasten).

In zwei E-Mails, die den FN vorliegen, bedauern Grossratspräsidentin Katharina Thalmann und SVP-Grossrat Pierre-André Page den Vorfall zwar ebenfalls, würdigen aber ansonsten die Anstrengungen und Fortschritte des Landwirtschaftlichen Instituts Grangeneuve (LIG) in Sachen Zweisprachigkeit. Dies habe sich auch an der Feier ausgedrückt.

Anfrage wird wieder aktuell

Diese Meinung teilen aber nicht alle. Die betroffene Familie Aebischer habe viele Rückmeldungen bekommen, die besagten, sie seien mit ihrem Leserbrief «nicht so falsch» gelegen.

Reaktionen gingen auch beim Kerzerser SVP-Grossrat Ueli Johner ein. Dieser hatte vor knapp einem Jahr eine Anfrage an den Staatsrat gerich- tet und dabei «Missstimmungen» und «Vermischungen von Kompetenzen» am LIG angetönt. Der Staatsrat beantwortete die Anfrage, nachdem er ein externes Gutachten hatte erstellen lassen, und kam zum Schluss: «Der Staatsrat hält es nicht für notwendig oder sinnvoll, einzugreifen.»

Johner äusserte sich in ei- ner Stellungnahme enttäuscht über die Antwort (die FN berichteten), hielt auch seine Fraktion ständig auf dem Laufenden, aber damit sei seine Intervention eigentlich erledigt gewesen, wie er den FN auf Anfrage sagte.

Spekulation um Ursache

Nach der Diplomfeier und dem publizierten Leserbrief gingen aber bei Johner wieder Reaktionen ein, die ihn inhaltlich in seinem Vorstoss vom Frühling bestätigten. «Ich bin offenbar eine Art Briefkasten für die Unzufriedenen», so Johner gegenüber den FN. Wo genau der Kern des Übels steckt, kann Johner auch nicht sagen. Die einen sagten, sie kämen mit dem Stil des Chefs des Bildungszentrums nicht zurecht, andere seien mit der Führung der Direktorin nicht zufrieden, und wiederum andere kritisierten das Rüstzeug der Chefin der Stationen, so Johner. «Je nach Optik soll das eine oder das andere Ursache sein.» Johner selber kritisiert das von der Direktion der Institutionen, Land- und Forstwirtschaft in Auftrag gegebene Gutachten als schönfärberisch und nicht ausgewogen.

Eine mit dem LIG verbundene Person, die nicht namentlich genannt sein will, wurde bei diesem Audit auch befragt. Sie habe gegenüber dem beauftragten Juristen kritische Aussagen gemacht, dieser haben aber sogleich gesagt, man müsse dies «filtern». Die befragte Person hat den Bericht aus dem Audit nie zu Gesicht bekommen, hat aber den Eindruck, dass nur die Aussagen aus dem Direktionsrat im Gutachten wiedergegeben wurden. Gegenüber den FN hält sie aber an der Überzeugung fest, dass die Zusammenarbeit zwischen den Verantwortlichen des LIG mangelhaft sei. Mehrere befragte Personen begründeten dies mit der Tatsache, dass der Bildungschef Horner 2010 für die Stelle des Direktors kandidiert hatte, damals aber gegen die heutige Direktorin Geneviève Gassmann den Kürzeren zog.

«Alte und neue Garde»

Horner will nicht von schlechter Zusammenarbeit reden, sondern sagt viel mehr: «Es gibt am LIG eine alte und eine neue Garde. Es braucht eine neue Dynamik, und das nimmt eine gewisse Zeit in Anspruch.» Horner ist seit anderthalb Jahren nicht mehr Verantwortlicher für die Ausbildungskommission. Er sieht dies aber nicht als Autoritätsentzug, sondern vielmehr als Trennung zwischen Verwaltung und Schule, also als eine Gewaltentrennung.

Staatsrätin Marie Garnier bedauert, dass der Ruf des LIG durch den Leserbrief Schaden nimmt. «Es müssen alle konstruktiv daran mitarbeiten, ein gutes Betriebsklima zu schaffen, und persönliche Interessen in den Hintergrund stellen», sagt sie. Grangeneuve verdiene es. Dem Staat sei das LIG jährliche Ausgaben von 20 Millionen Franken wert, und mit der eidgenössischen Forschungsstation Agroscope werde das LIG noch aufgewertet.

Gegenüber den FN sagt Garnier, dass sie schon vor dem Audit reagiert und begonnen habe, Anpassungen vorzunehmen. «Das Audit hat gewisse Mankos aufgezeigt», sagt sie. Sie habe mit verschiedenen Verantwortlichen einzeln gesprochen, um Fakten abzuklären. Anfang Mai wurde Jacques Chavaz mit einem Mandat als Projektkoordinator angestellt. «Er soll die Direktion unterstützen, um bis Anfang 2015 die Strategie von Grangeneuve unter Anhörung der professionellen Partner zu konkretisieren», so Garnier. Zu seinem Auftrag gehören auch die Analyse und die Realisierung der Investitionen in Landwirtschaftsbetriebe sowie in die Ausbildungs- und Empfangsinfrastruktur.

Reorganisation ab 2015

Ebenfalls auf den 1. Januar 2015 soll die Reorganisation der Stationen fertig sein, stellt Garnier in Aussicht. Ab die- sem Zeitpunkt soll es nur noch eine statt wie bisher zwei Stationen für die Bereiche Expertisen und treuhänderische Tätigkeiten, landwirtschaftliche Betriebswirtschaft, Pflanzenbau und Tierproduktion geben. Die neue Struktur wird von der derzeitigen Chefin der landwirtschaftlichen Stationen geleitet. Ende Oktober soll der Name ihres Stellvertreters bekannt sein, wenn möglich ein Deutschsprachiger, so die Staatsrätin.

Zahlen und Fakten

Dieses Jahr mehr Französischsprachige

Für das neue Schuljahr wurden in der Freiburger Landwirtschaft 236 Lehrverträge abgeschlossen. Ein Drittel kommt von ausserhalb des Kantons. Von 71 Deutschsprachigen sind 39 aus Freiburg, 22 aus Bern, vier aus Luzern, zwei aus Aargau, einer aus dem Baselbiet, einer aus Solothurn und einer aus Zürich. Von 165 Französischsprachigen sind 110 aus Freiburg. Das liegt im Schnitt der Vorjahre. Gegenüber 2013 hat es 27 Deutschsprachige weniger, aber 25 Französischsprachige mehr.uh

Reaktion: Direktorin glaubt an den Ruf des LIG

D er Ruf des Landwirtschaftlichen Instituts Grangeneuve (LIG) sei ihr sehr wichtig, sagt dessen Direktorin Geneviève Gassmann auf Anfrage der FN. Sie befindet sich derzeit gerade an einer Konferenz schweizerischer Berufsbildungsdirektoren, und da habe sie den Eindruck, dass der Ruf von Grangeneuve gegen aussen weiterhin ein sehr guter sei. Sie stelle überrascht fest, dass Kritik am LIG vor allem von innerhalb des Kantons Freiburgs komme, und sie habe keine richtige Erklärung dafür. Im Rahmen des externen Gutachtens habe man auch prüfen wollen, ob Unsicherheiten rund um das LIG auch mit allgemeinen Unsicherheiten in der Landwirtschaftspolitik zu tun haben – eine Antwort darauf habe sie bis heute nicht.

Die Zahlen jedenfalls bestätigen gemäss Gassmann das gute Funktionieren des LIG. Dies zeige sich an steigenden Schülerzahlen auch von ausserhalb des Kantons sowie an einer Personalfluktuation, die ohne Pensionierung nie so tief gewesen sei wie jetzt. Der Zweisprachigkeit trage man nicht zuletzt dadurch Rechnung, dass seit kurzem erst die Diplomfeier für Deutsch- und Französischsprachige gemeinsam stattfinde.

Die Direktorin des LIG verweist auf das System zur Qualitätssicherung, das man einführe, und auf die Modernisierung der Führung von 250 Mitarbeitern. Die Reorganisation des LIG brauche Zeit, so Gassmann. «Wir haben alle die gleiche Vi- sion. Es stellt sich nur die Frage, wie wir dahin kommen, und da gibt es natürlich Diskussionen.» uh

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