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Der Brandstifter-Prozess: «Das Feuer war damals meine einzige Möglichkeit, mich auszudrücken»

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Die Opfer der Feuerserie in der Broye schilderten vor Gericht ihre traumatischen Erlebnisse. Der Angeklagte weist die Schuld von sich.

Die Geschädigten erhielten zu Beginn des Prozesses zur Brandstiftungsserie in der Broye das Wort. «Noch heute fällt es mir schwer, darüber zu sprechen», sagte der Direktor des nationalen Reitsportzentrums im Gerichtssaal in Granges-Paccot. Über 20 Pferde und Ponys waren in Avenches in der Nacht des 15. Juli 2017 in den Flammen und im Rauch ums Leben gekommen.

Er sei von einer Verwandten per Telefon alarmiert worden. Sie habe am Telefon einen Schrei des Entsetzens ausgestossen und nur gesagt: «Es brennt überall.» Für die Feuerwehr sei es unmöglich gewesen, die Tiere zu retten. Die Geschehnisse hätten bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Spuren hinterlassen. «Das Drama ist nicht vorbei.» Noch heute hätten sie Angst, dass sich wieder ein solch verheerender Brand ereignen könnte.

Von einer Angst und einem Unsicherheitsgefühl, die bis heute – vier Jahre nach der Brandserie – anhalten, berichteten im Gerichtssaal auch die Bewohnerinnen und Bewohner der Wohnhäuser, in denen der Beschuldigte Feuer gelegt haben soll. «Wenn ich heute etwas Verbranntes rieche, muss ich sofort herausfinden, woher das kommt. Und wenn ich Sirenen höre, schaue ich umgehend, wo meine Kinder und Haustiere sind und wo sich der nächste Ausgang befindet.» Das erzählte eine Frau, die zusammen mit ihrem Mann, ihrem damals drei Monate alten Kind und ihren Haustieren von der Feuerwehr über den Balkon evakuiert werden musste. «Das Treppenhaus war voller Rauch und wir in der Wohnung eingeschlossen», sagte ihr Partner.

Wütender Sohn

Die Mieter der Erdgeschosswohnung im selben Gebäude konnten noch über das Treppenhaus flüchten. Doch auch sie haben das Erlebte nicht vergessen. Ihr damals fünf Jahre alter Sohn habe seither Albträume und habe während einiger Zeit nachts im Bett um Hilfe gerufen. Wenn sie Lärm um das Wohnhaus höre, sei die Angst sofort wieder da. «Ich muss immer alle Stecker ziehen, bevor ich meine Wohnung verlassen kann», sagte eine andere Bewohnerin.

«Wir mussten bei null wieder anfangen. Was meine Eltern und Grosseltern aufgebaut hatten, ist verloren», so ein Landwirt, dessen Bauernhof und rund 20 Tiere dem Brandstifter zum Opfer fielen. «Nicht nur ein Erbe löste sich in Rauch auf, auch ein Arbeitsmittel.» Das Bild des brennenden Gebäudes habe er immer wieder vor Augen. Sein Betrieb habe Einbussen von 40 Prozent erlitten und sei bislang nicht auf das Ursprungsniveau zurückgekehrt. Der Sohn der Familie habe den Hof mit dem Vieh übernehmen wollen. «Er war lange wütend über das, was passiert ist, und konnte dieses Gefühl nicht ausdrücken», berichtete die Mutter. Er habe eine Therapie machen müssen. Sie selbst könne nachts nicht durchschlafen und mache dann Kontrollgänge um den Bauernhof wegen ihres Unsicherheitsgefühls.

Nur eine Tat gestanden

Vor den Richtern wies der 25 Jahre alte Angeklagte die Schuld von sich. Er sei nicht für alle Brände in Avenches, Payerne, Dompierre, Saint-Aubin und Domdidier verantwortlich, sondern nur für eine einzige Tat. Er hatte im Keller seines Wohnhauses Benzin ausgeschüttet und angezündet, eine Explosion war die Folge. «Haben Sie an die Gefahr für Ihre Nachbarn gedacht?», fragte Jean-Benoît Meuwly, Präsident des Broye-Gerichts. «Nach der Explosion habe ich es sofort bereut. Es ist sehr schlimm, was ich gemacht habe», war die Antwort.

Der Gerichtspräsident sprach ihn auch darauf an, dass er seine Schilderungen mehrmals geändert hatte, als er von den Ermittlern mit Unstimmigkeiten konfrontiert worden war. «Nach meiner Verhaftung war ich wie blockiert», rechtfertigte er sich. «Ich wollte die Wahrheit sagen, konnte das aber nicht.» Erst ein Psychologe im Gefängnis habe ihm geholfen zu sprechen.

Kurz darauf baute der Gerichtspräsident ihm eine Brücke für ein Geständnis: «Diese Verhandlung ist Ihre letzte Möglichkeit, etwas hinzuzufügen zu Ihren bisherigen Aussagen.» Die kurze Antwort: «Ich habe nichts hinzuzufügen.» Er sei nur für einen Brand verantwortlich.

Keine Worte für Gefühle

Schliesslich las der Gerichtspräsident ihm einen Brief einer geschädigten Familie vor. Diese schilderte darin die traumatischen Erlebnisse und Folgen des Brandes. «Ich bin sehr betroffen von dem, was sie sagen.» Diese Aussage wiederholte der Beschuldigte. Es gelang ihm aber nicht, seine Gefühle mit Worten zu beschreiben, wie es der Gerichtspräsident wollte. «Das Feuer war damals meine einzige Möglichkeit, mich auszudrücken.»

Am zweiten Verhandlungstag am Mittwoch werden Psychiater zu Wort kommen, die Gutachten zum Beschuldigten verfasst haben.

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