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«Der Dialog ermöglicht stets Lösungen»

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«Der Dialog ermöglicht stets Lösungen»

Im Gespräch mit Niklaus Bürge, abtretender Pfarreipräsident von Murten

Gemäss Niklaus Bürge weist die katholische Pfarrei Murten eine relativ komplexe Struktur auf. Aber sie ermögliche auch viele Kontakte mit anderen Kulturen. Dies habe ihm während seiner Zeit als Pfarreipräsident viel bedeutet.

Von PATRICK HIRSCHI

«Es wurde Zeit, neuen, unverbrauchten Kräften Platz zu machen», begründet Niklaus Bürge den Entscheid zur Demission. Mit ihm sind fünf weitere Mitglieder des Pfarreirates zurückgetreten. Die meisten Ratsmitglieder waren relativ lange dabei, eines sogar zwölf Jahre. Bürge selber amtierte sieben Jahre lang als Präsident.

Nicht ausschlaggebend für seinen Rücktritt sei hingegen die Tatsache gewesen, dass er seit zwei Jahren in Zürich arbeitet. «Allerdings hat dieser Umstand den Entscheid erleichtert», lenkt er ein. Es sei einfach ein idealer Zeitpunkt gewesen, den Stab weiterzugeben.

Ein «Reich» aus 25 Gemeinden

Die Besonderheit der Pfarrei Murten seien ihre ziemlich komplexen Strukturen. Während im Sensebezirk eine Pfarrei meist identisch ist mit dem Dorf, gehören zur Pfarrei Murten nicht weniger als 25 politische Gemeinden, davon 6 aus dem Kanton Bern. Während seiner Amtszeit hat man den Konkordatsvertrag mit der katholischen Gesamtkirche Bern nicht weniger als dreimal neu ausgearbeitet. Während eines gewissen Zeitraums herrschte sogar ein vertragsloser Zustand.

Als weitere Besonderheit kommt hinzu, dass Gottesdienste in drei verschiedenen Kirchen abgehalten werden, nämlich in Murten, Kerzers und Bellechasse. Letztere weist ausserdem eine zusätzliche Exklusivität auf: In der Kirche von Bellechasse treffen sich «normale» Gläubige mit Insassen aus der Strafanstalt. Selbstverständlich werden Gottesdienste sowohl auf Deutsch als auch in Französisch angeboten, und in Murten zudem noch in Italienisch, Spanisch und Portugiesisch.
Multikulturell ist man in Murten jedoch nicht nur in sprachlicher Hinsicht. Die Katholiken bilden in der Region eine Minderheit, pflegen allerdings einen guten Kontakt zu Andersgläubigen, insbesondere zur reformierten Kirchgemeinde. Pfarrei- und Kirchgemeinderat treffen sich jährlich zu einer gemeinsamen Sitzung. Daran nehmen auch die katholischen und reformierten Pfarrerinnen und Pfarrer sowie die Seelsorgeteams und die administrativen Mitarbeiter teil. Dort plant man ökumenische Gottesdienste und weitere gemeinsame Aktivitäten wie Bibelkurse, Jugendarbeit oder Gebete. Zudem haben die Pfarrei und die Kirchgemeinde ein gemeinsames Drittweltprojekt in Peru. Dieses unterstützen sie seit Jahren und sie nehmen Projekte gemeinsam in Angriff.

Offenheit als wichtige Voraussetzung

«Der multikulturelle Aspekt hat mir sehr viel Freude bereitet», sagt Niklaus Bürge. Aber auch das Führen von Verhandlungen habe ihm viel Spass gemacht. «Durch den Dialog konnten meistens tragfähige Lösungen für alle Beteiligten gefunden werden», hält er rückblickend fest. Seine Amtszeit habe ihm zudem viele neue Kontakte beschert und ein gewisses Know-how in betriebswirtschaftlichen und finanziellen Angelegenheiten verliehen. Und nicht zuletzt sei das Amt auch gut gewesen, um sein Französisch zu verbessern. «Sämtliche Sitzungen und Pfarreiversammlungen haben wir zweisprachig geführt.»

Ein Pfarreipräsident müsse ein gutes Mass an Offenheit an den Tag legen angesichts der grossen Anzahl Andersgläubiger und anderer Kulturen in der Region Murten. Daneben seien Führungserfahrung und betriebswirtschaftliche Kenntnisse notwendig. Und natürlich müsse man sowohl Teamleader als auch Teamplayer sein. «Ohne die gute Zusammenarbeit innerhalb des Pfarreirates hätten wir wohl kaum die vielen Projekte, Personalwechsel sowie die Führung der Verwaltung in diesem Ausmass erledigen können», meint Bürge.

Happiger Auftakt

Beim Amtsantritt vor sieben Jahren seien sich er und die Ratsmitglieder der Komplexität der Aufgaben kaum bewusst gewesen. Vor allem zu Beginn hatte es sowohl im Seelsorgeteam als auch im administrativen Bereich zahlreiche personelle Wechsel gegeben, mit denen sich der Pfarreirat auseinander setzen musste. Damals sei er froh gewesen, dass er aus seinem beruflichen Bereich einige Kenntnisse über das Personalwesen hatte.

«Über längere Zeit wurde aus dem Amt für mich nebenbei quasi ein 20-Prozent-Job.» Später habe man die Sitzungen auf alle drei Wochen beschränken können. Daneben gab es aber für jedes Mitglied stets noch Arbeit in verschiedenen Kommissionen. «Wir haben einiges bewegt und erreicht», lautet seine Bilanz.

Das Pfarreiwesen sei zwar weit davon entfernt, eine «heile Welt» zu sein. Aber trotzdem herrsche eine christlichere, humanere Atmosphäre als etwa in der Welt der Privatwirtschaft, ist Bürges Meinung.

Musik im Schulhaus,
Klimaschwankungen in der Kirche

Als wichtigen Meilenstein in seiner Amtszeit sieht Bürge die neue Nutzung des Schulhauses. Mit dem Umzug der Freien öffentlichen Schule ins Gebäude der OS Prehl vor zwei Jahren drohte der Pfarrei ein Ausfall von Mietzinseinnahmen. Nun werden die Räumlichkeiten ans Konservatorium Freiburg vermietet. Die Schwestern, die an der Schule ehemals als Lehrerinnen und später in der Pfarrei tätig waren, sind weggezogen. Daraufhin hatte man das Schwesternhaus umgebaut und die frei gewordene Wohnung weitervermietet.

Ein regelrechtes Abenteuer sei der Einbau einer neuen Heizung in der Kirche geworden. Aus einer geplanten Heizungsinstallation wurde quasi ein Kirchenumbau, nachdem der Boden herausgenommen werden musste. Nach langwierigen Verhandlungen mit dem Kulturgüterdienst durfte man eine Stufe beim Chor beibehalten. Leider funktioniere aber die Heizung mit Holzpellets nach wie vor nicht hundertprozentig.

Langwierige Sitzungen hatte es ebenfalls mit Vertretern der Katholischen Kirchlichen Körperschaft (KKK) gegeben. Durch die Erhöhung der überpfarreilichen Beiträge, welche die neu gebildete KKK festgelegt hatte, müssen Murtens Pfarreimitglieder fast dreimal mehr bezahlen als zuvor. «Als eine von nur etwa zehn finanzstarken Pfarreien muss Murten mithelfen, die insgesamt 144 Pfarreien Freiburgs finanziell mitzutragen.» Dagegen habe man sich anfangs vehement gewehrt, inzwischen zahlt Murten aber wie alle anderen Pfarreien auch.

Der bisherige Pfarreirat sei glücklich, eine gut qualifizierte neue Crew gefunden zu haben, die in stiller Wahl gewählt worden ist.

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