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Der Federer-Effekt ist ausgeblieben

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Letztes Wochenende standen mit Roger Federer und Stan Wawrinka zwei Schweizer Spieler im Halbfinal der ATP-Finals in London, ab heute bestreitet die Schweiz in Lille den Davis-Cup-Final. Im Grunde müsste der Tennissport hierzulande boomen. Doch ein Federer-Effekt ist ausgeblieben. Die Tennisklubs in der Schweiz haben Mühe, Leute für den Sport zu motivieren. Die Zahl der registrierten Spielerinnen und Spieler nimmt stetig ab. Vor 20 Jahren waren es noch mehr als 222 000, heute sind es mit 165 000 satte 25 Prozent weniger. Und damit auch 10 000 weniger als 2003, als Federer in Wimbledon seinen ersten Grand-Slam-Titel holte und damit den Tennissport in der Schweiz wieder vermehrt in die Schlagzeilen brachte. Immerhin ist die Zahl an Juniorinnen und Junioren seit Federers Wimbledon-Sieg von 44 000 auf über 50 000 gestiegen. Bis auf Belinda Bencic bei den Frauen ist jedoch niemand in Sicht, der nach dem Ende der Ära Federer/Wawrinka für positive Schlagzeilen sorgen könnte.

Keine Massenbewegung

Für Freiburg stehen keine offiziellen Zahlen zur Verfügung. Klar ist aber, dass es im Kanton sowohl quantitativ als auch qualitativ nicht sonderlich gut um den Tennissport bestellt ist. «Vor vier, fünf Jahren spielten bei uns im Klub noch 20 bis 30 Kinder, heute sind es 10 bis 15», sagt Daniel Bürdel, Präsident des Tennisklubs Plasselb. Immerhin habe der kleine Sensler Klub aber bei den jungen Erwachsenen zulegen können. «Somit sind die Mitgliederzahlen wenigstens relativ stabil.» Er wisse aber auch, dass andere Klubs in der Region mehr Probleme hätten, sagt Bürdel, der das Tennis in der Region als ehemaliger Präsident der Tennisvereinigung Deutschfreiburg bestens kennt. In Bösingen beispielsweise wurde 2013 das Tenniscenter in einen Funpark für Kinder umgewandelt. Der TC Saane-Sense löste sich auf.

«Wenn man sieht, wie wenig Jugendliche in den Klubs sind, muss einem angst und bange werden, da zerfällt doch alles und geht kaputt», sagt Christian Flach. Der Österreicher war vor zweieinhalb Jahren von Daniel Bürdel nach Freiburg geholt worden, um der Tennisvereinigung Deutschfreiburg neues Leben einzuhauchen. In dieser Vereinigung arbeiteten damals die Klubs aus Bösingen, Düdingen, Plasselb und Schmitten miteinander. Das Projekt zerfiel kurze Zeit nach der Anstellung des Trainers.

 Stattdessen baute Flach im Tenniszentrum Düdingen in Eigenregie eine Tennisakademie auf. «Ich bin positiv überrascht vom Zulauf», sagt er und spricht von 60 Juniorinnen und Junioren, die bei ihm mitmachen. Die Akademie ist unabhängig von den Klubs. «Von den Vereinen in der Region kommt keine Unterstützung. Es tut weh, zu sehen, wie wenig Interesse sie zeigen. Wenn die Klubs nicht auch ihren sozialen Verpflichtungen nachkommen, müssen sie sich nicht wundern, wenn die Kinder in andere Sportarten abwandern. In Sportarten wie Fussball und Volleyball wird so gut gearbeitet.» Er wisse manchmal nicht einmal, in welche Klubs er seine Schützlinge schicken solle. «Es gibt ja fast keine Angebote.» Er stellt sich beispielsweise betreute Spielnachmittage vor, die von freiwilligen Helfern oder für ein Taschengeld von Studenten beaufsichtigt werden.

Das Bild, dass Flach alles richtig und die Klubs alles falsch machen, will Bürdel nicht gelten lassen. «Es ist immer schwierig, Leute zu finden, die sich einsetzen und beispielsweise Animationskurse anbieten.» So sei es in den letzten Jahren nie gelungen, dass aus dem Tennis in der Region eine Massenbewegung entstanden sei. Auch nicht unter Christian Flach. Bis in diesem Jahr gab er auch noch Kurse in Plasselb. «Doch wir haben die Zusammenarbeit beendet. Es gab schlicht nicht genügend interessierte Junioren, um die Kurse weiterzuführen.»

Bürdel attestiert Flach allerdings, dass er mit seiner Akademie Bewegung in die Nachwuchsförderung in der Region gebracht habe. Vor allem an der Leistungsspitze.

Immerhin der Versuch

Einige Spielerinnen und Spieler haben unter Flach grosse Fortschritte gemacht. Jan Schaller ist mit 14 bereits R2 klassiert, die gleichaltrige Vera Brusa ebenfalls, die 13-jährige Sara Cipri R3. Dieses Trio hat auch auf nationaler Ebene bereits Erfolge gefeiert. Brusa zum Beispiel hat vor kurzem in Biel das nationale Masters von Swiss Tennis gewonnen. Diese Spieler erhalten von Flach für 10 000 Franken pro Jahr Rundumbetreuung, stehen täglich mit ihm auf dem Platz und werden am Wochenende von ihm auch zu den Turnieren begleitet. Die Chance, dass es einer aus diesem Sensler Trio dereinst wirklich zum Profi schafft, ist aber verschwindend klein. Der Kuchen wird im Spitzentennis unter sehr wenigen Spielern aufgeteilt. Wer nicht gerade ein absolutes Ausnahmetalent ist, findet immer noch einen Besseren auf nationaler Ebene–und auf internationaler Ebene sowieso. So sind die besten Schweizer des Jahrgangs 2000 bei den Knaben bereits N4, bei den Mädchen gar N3 klassiert–und damit erheblich besser als die gleichaltrigen Schaller und Brusa.

 Doch Flach unterstützt die jungen Spielerinnen und Spieler immerhin bei ihrem Versuch, gibt ihnen Hoffnung. «Sie können es nach oben schaffen. Viele Junioren in der Schweiz haben die Chance, nach oben zu kommen. Es ist nicht immer nötig, der Beste des Jahrgangs zu sein. Viel hängt von der körperlichen Entwicklung ab, beispielsweise vom Wachstum.»

Weit weg vom Spitzensport

Dieses ambitionierte Bekenntnis zum Leistungssport ist in der Region nicht üblich. Freiburg ist alles andere als eine Tennishochburg. Das zeigt sich Jahr für Jahr beispielsweise am Marly Open, dem wichtigsten Turnier auf Freiburger Boden, an dem jeweils die besten Freiburger an den Start gehen–und kaum einmal die erste Runde überstehen. Abgesehen vom 377. der Weltrangliste, Adrien Bossel, der jahrelang in einer Tennisakademie in Belgien an seinem Spiel gefeilt hat, hat es zuletzt nie ein Freiburger oder eine Freiburgerin unter die besten 20 Spieler der Schweiz geschafft. Für Flach ist das nicht überraschend. «Die Zusammenarbeit ist schlecht. Jeder versucht, nur seine eigenen Schäfchen ins Trockene zu bringen.» Zudem sei das Fehlen eines kantonalen Verbandes ein Handicap.

Seit einem Jahrzehnt gibt es für die Kantone Freiburg, Jura und Neuenburg nur noch einen Verband. Präsident des Vereins, der sich FriJuNe nennt, ist der Freiburger Yves Vonlanthen. «Wir stellen bei den Junioren regelmässig Schweizer Meister», sagt Vonlanthen, präzisiert aber gleich: «Es sind immer Spieler aus Neuenburg. Aus Freiburg ist eigentlich niemand gross dabei. Es ist schon eher enttäuschend.» Vonlanthen glaubt aber nicht, dass die Strukturen des Verbandes einen allzu grossen Einfluss auf den Erfolg der Junioren haben. «Es braucht so viel, um es zum Profi zu schaffen. Nebst dem Talent benötigst du Eltern mit einem dicken Portemonnaie, oder Eltern, die ständig links und rechts nach Sponsoren suchen.» Die Mittel des Verbandes–dem rund 100 000 Franken zur Verfügung stünden, 40 000 Franken davon für Freiburg–seien zu bescheiden, um grosse Sprünge zu ermöglichen.

Training neu geregelt

Das Training der jungen Spieler, die im Leistungskader von FriJuNe stehen, ist auf diesen Winter hin neu organisiert worden. Zwar trainieren die allerbesten Spieler des Verbandes–soweit sie denn überhaupt wollen–weiterhin in der offiziellen Partnerakademie von Swiss Tennis in Neuenburg (wo übrigens keine Freiburger Spieler dabei sind). Statt dass sich die übrigen guten Spieler der drei Kantone am Wochenende treffen, wurden aber neu in allen Kantonen Partnerklubs gesucht, die finanziell unterstützt werden. In Freiburg ist die Hauptpartnerschule der TC Givisiez, Ausbildungsklubs sind der TC Murten und der TC Aiglon. Flach hatte sich mit seiner Akademie in Düdingen ebenfalls beworben. «Sein Dossier war gut. Und er macht das in Düdingen wirklich brillant», sagt Vonlanthen. Und dennoch entschied sich der Verband für Givisiez als Hauptpartnerklub. Dies, weil dort mit Jonathan Cotting ein Trainer unterrichtet, mit dem der Verband schon länger zusammenarbeitet. Und, auch wenn dies Vonlanthen nicht gerade so sagt, weil eine Zusammenarbeit mit Flach nicht leicht ist. Was er unter einer Zusammenarbeit versteht, lässt Flach gleich selbst durchblicken. «Ich hatte Gespräche mit dem Verband. Doch ich habe gesagt, dass ich das nur mache, wenn ich das sportliche Sagen habe. Da herrschte dann gleich schnell Funkstille.» Dass andere Trainer ihm, dem 61-Jährigen mit dem internationalen B-Diplom der ATP, der lange für den Deutschen Tennisbund gearbeitet hat, sagen könnten, was er zu tun hat, ist für Flach eine lächerliche Vorstellung, wie ihm sofort anzumerken ist.

 Die Eigeninteressen der Tennislehrer

Er selbst hätte für Freiburg klare Ideen. «Man sollte ein Zentrum schaffen, in dem nach bestimmten Kriterien die besten Spieler des Kantons frei trainieren können.» Flach stellt sich eine gemischte Finanzierung von Kanton, Swiss Tennis und Sponsoren vor–plus einen «kleinen Eigenanteil» der Eltern. «Ich bin überzeugt, dass das möglich wäre.»

Die Ideen klingen mit Blick auf eine optimale Förderung ganz gut. Aber: «Es gibt keine Bestrebungen in diese Richtung», sagt Vonlanthen. «Natürlich ist es das Einfachste, die Besten an einem Ort zu haben. Früher war das mit dem Freiburger Kader so. Aber es ist nicht das, was die Klubs wollen.» Der Grund: Zu viele Tennislehrer führen ihre Tätigkeit in den Klubs hauptberuflich aus. «Die haben alle eine Familie zu ernähren. Sie wollen nicht, dass sie nur die Basisarbeit leisten und wir ihnen dann die besten Spieler wegnehmen», so Vonlanthen.

«Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es oft nur ums Geld geht», sagt Flach. Dass Junioren in der Schweiz mitunter bis zu 70 Franken Nenngeld für ein Turnier bezahlen müssen, bringt er als weiteres Beispiel an. Flach zeigt einen alten Artikel, der in den neunziger Jahren in einer deutschen Zeitung erschienen ist–in einer Zeit, als Deutschland mit Ausnahmespielern wie Steffi Graf und Boris Becker noch verwöhnt war. Flach warnt in diesem Artikel vor dem grossen Kater, warnt, dass ein grosses Loch drohe, wenn das Tennis in Deutschland weiter so elitär und die Förderung so uneinheitlich bleibe. Er sollte recht behalten. «In der Schweiz droht dasselbe, obwohl es auch kantonale Verbände gibt, die gute Arbeit leisten. Doch wenn wir jetzt die Augen verschliessen, wird es ein böses Erwachen geben.»

«Die Tennislehrer haben alle eine Familie zu ernähren. Sie wollen nicht, dass sie nur die Basisarbeit leisten und wir ihnen dann die besten Spieler wegnehmen.»

Yves Vonlanthen

Präsident Verband FriJuNe

«Wenn man sieht, wie wenig Jugendliche in den Klubs sind, muss einem angst und bange werden, da zerfällt doch alles und geht kaputt.»

Christian Flach

Leiter Tennisakademie Düdingen

«Man sollte in Freiburg ein Zentrum schaffen, in dem die besten Spieler des Kantons frei trainieren können.»

Christian Flach

Leiter Tennisakademie Düdingen

Trainer Christian Flach bei einem Training mit Kindern. Bild ca/a

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